Bäume als Heiler

„Bäume verbinden Himmel und Erde miteinander, und durch diese Qualität können sie auch in uns Menschen verbinden, was abgeschnitten ist.“

(Wolf-Dieter Storl)

 

Ich spüre ihren schönen Körper, wie er sich warm an den meinen schmiegt. Es ist als ob ich die ganze Welt umarme so groß ist diese Liebe. Ihr Duft erfüllt mich, dringt bis in die Tiefsten Schichten meines Seins. In inniger Verbundenheit verschmelzen unsere Wesen, werden eins. Etwas unendlich Größeres scheint durch mich zu fließen, ich fühle wie ich „ganz“ werde, heile.

Die obige Begegnung war nicht etwa mit einer liebenden Person, wie Du vielleicht schon ahnst. Es war die Begegnung mit dem Wesen einer wunderschönen, alten Pinie, direkt am Meer an einem Campingplatz in Kroatien. Und das, was mich „ganz“ werden ließ, waren die Gefühle von tiefem Vertrauen, Verbundenheit und Liebe.

Das Wort Heilung bedeutet übersetzt so viel wie „Ganz-Werden“. Heilen kann man also mit „wieder ganz machen“ übersetzen.

Nun gut – sagst du jetzt vielleicht – psychologisch mag das was bringen, aber bei körperlichen Beschwerden kann mir das keiner mehr erzählen –

weit gefehlt!

 

Die Wissenschaft bestätigt: Waldluft macht gesund!

Sei gespannt, was jetzt kommt!

In Japan gibt es eine Tradition, die sich Shinrin-yoku nennt, was so viel wie „Waldbaden“ heißt bzw. auch gerne als „Einatmen der Wald-Atmosphäre“ übersetzt wird. Shinrin-yoku ist eine in Japan offiziell anerkannte Methode zur Vorbeugung gegen Krankheiten sowie deren unterstützender Behandlung. Bereits seit den 80-er Jahren (!) wird sie vom staatlichen Gesundheitswesen gefördert und an Japans medizinischen Universitäten und Kliniken erforscht und durchgeführt. Im Jahre 2012 wurde sogar ein eigener Forschungszweig mit dem Namen „Forest medicine (Waldmedizin)“ gegründet.

Heilung liegt in der (Wald-)Luft

„Hmmm aaah!! Diese frische, klare Luft hier tut mir einfach gut!“

Was für viele Naturliebhaber selbstverständlich ist, wurde jetzt nachgewiesen:

 Was wirkt so heilsam in der Waldluft?

Wenn Du die Luft im Wald einatmest, dann atmest Du einen Cocktail aus bioaktiven Substanzen ein, die von den Pflanzen abgegeben werden. Darunter befinden sich auch die sogenannten Terpene.

Junger Buchenwald in Slowenien, Socatal

Junger Buchenwald in Slowenien, Socatal

 

Was sind Terpene?

Pflanzen kommunizieren über chemische Substanzen miteinander. Sie senden Moleküle aus, die mit Informationen behaftet sind – man könnte sie auch als „Pflanzenvokabeln“ bezeichnen. Wenn Pflanzen beispielsweise von Schädlingen befallen werden, senden sie Botschaften an Artverwandte aus, die sogar die Art des Angreifers und das Ausmaß des Befalls verraten! Die meisten davon gehören zu der Stoffgruppe der sogenannten Terpene. Sie interagieren mit unserem Immunsystem auf höchst gesundheitsfördernde Weise!

 

 

Was das „Einatmen der Wald-Atmosphäre“ alles mit Deinem Körper bewirkt

Qing Li ist Medizinprofessor an der Nippon Medical School, einer medizinischen Universität in Tokyo. Er und sechs weitere japanische Wissenschaftler haben in mehreren groß angelegten wissenschaftlichen Studien ganz erstaunliches herausgefunden.  

  • „Waldbaden“ reduziert Stress enorm
    • Ein Tag im Wald senkte bei Männern den Adrenalingehalt im Urin um fast 30%. Am zweiten Tag im Wald sogar um 35% im Vergleich zu dem Tag vor der Fahrt ins Waldgebiet.
    • Bei Frauen war es sogar so, dass ihr Adrenalingehalt am ersten Tag um mehr 50% sank, am zweiten Tag um mehr als 75% im Vergleich zum Ausgangswert!
    • Ein Stadturlaub bewirkte im Vergleich dazu kaum bis keine Reduzierung der Stresshormone
  • Der Wald entspannt und beruhigt nachhaltig
    • Ebenfalls wurde nachgewiesen, dass die Waldatmosphäre den Parasympathicus aktiviert, der auch als „Nerv der Ruhe“ bezeichnet wird. Seine Aktivität dient der Regeneration, der Entspannung und dem Wiederaufbau körperlicher und geistiger Kraftquellen.
    • Zudem senkt die Inhalation von Waldluft den Blutdruck
    • Und allein der regelmäßige Aufenthalt in der Natur hilft gegen Schlafstörungen
  • Waldluft schützt das Herz und hilft bei Diabetes
    • Das von der Nebennierenrinde produzierte Hormon DHEA ist nach einem Waldaufenthalt verstärkt im Körper vorhanden. Es gilt als „Herzschutz-Substanz“ und schützt nicht nur das Herz, sondern auch den Menschen vor Diabetes und reduziert die Gefahr von Fettleibigkeit. (nachgewiesen von Yoshinori Ohtsuka, Professor für Diabetologie an der Universität von Hokkaido, Japan)

 

Der Wald schützt vor Krebs

Waldluft enthält „Anti-Krebs-Terpene“ mit anti-kanzerogener und immunstärkender Wirkung. Es wurde beobachtet, dass in bewaldeten Gebieten weniger Menschen an Krebs sterben als in Regionen ohne Wald!

Einer der beeindruckendsten Ergebnisse aus der Forschungsreihe von Qing Li  zeigt daher die positive Wirkung des Waldes auf unser Immunsystem mit seinen zugrundeliegenden Killerzellen.

Was sind Killerzellen?

Killerzellen sind eine spezielle Form der weißen Blutkörperchen. Als Teil unseres Immunsystems leisten sie lebenswichtige Aufgaben! Sie erkennen und entfernen entartete und/oder von Viren befallene Zellen. Damit halten sie unseren Organismus gesund und verhindern die Entstehung von Krebs bzw. fördern die Heilung im Falle einer Krebserkrankung!

  • Waldluft erhöht die Anzahl Deiner natürlichen Killerzellen
    • Bereits ein einziger Tag in einem Waldgebiet steigert die Zahl Deiner natürlichen Killerzellen im Blut durchschnittlich um fast 40%, bei zwei Tagen hintereinander bereits um 50%!
    • Nach einem einzigen Tag im Wald hast Du in etwa sieben Tage lang mehr natürliche Killerzellen im Blut als üblicherweise! Auch ohne in dieser Zeit nochmal in den Wald zu gehen. Nach 2 bis 3 Tagen bleibt die Anzahl der Killerzellen sogar noch 30 Tage lang erhöht!
  •  Waldluft macht Deine natürlichen Killerzellen aktiver
    • Bereits ein einziger Wald-Tag oder ein ausgedehnter Spaziergang durch den Wald erhöht die Aktivität Deiner natürlichen Killerzellen für etwa sieben Tage! (erhöhte Aktivität bedeutet, dass jede Killerzelle effizienter als sonst Viren, Bakterien und potentielle Krebszellen aufspürt und eliminiert).

Rüdiger Dahlke, seit 38 Jahren Arzt und Begründer einer ganzheitlichen Psychosomatik, bemerkt zu diesen Studien: „Welche Therapie kann das? Welche Psychopharmaka schaffen das?“ 

Artikel 8- Bäume als Heiler (3 von 8)

Wald aus Aleppo-Kiefern (Pinus halepensis) auf der kroatischen Insel Mljet

 

Der Garten als Heiler und Therapeut

Nicht nur der Wald, die Natur in ihrer Ganzheit hat ungeahnte Heilkräfte. Viele Kliniken und Therapieeinrichtungen bieten ihren Patienten heute bereits Gartentherapie an. Das ist nichts Neues. Im alten Griechenland gab es bereits Kliniken, an denen Gärten für die Patienten angelegt wurden. Der Aufenthalt in der Natur war damals ein fester Bestandteil der medizinischen Behandlung.

  • Bereits 1984 wies Roger Ulrich in einer Studie nach, dass alleine der Ausblick aus dem Fenster eines Krankenzimmers hinaus ins Grüne die Heilung nach Operationen beschleunigt. Besonders auffällig war, dass die Patienten in der „Baum-Gruppe“ nach der Operation weniger und dazu schwächere Schmerzmittel benötigten! Seine Ergebnisse wurden im Lauf der nächsten Jahre mehrfach bestätigt.
  • Ulrich stellte in weiteren, zahlreichen Studien fest, dass die Erfahrung der Natur selbst dann Schmerzen lindert, wenn sie nur über Filme, Fotos oder Tonband vermittelt wird!
  • Weiters konnte Ulrich an Krankenhäusern nachweisen, dass Schmerzpatienten weniger Schmerzmittel und Antidepressiva benötigten, wenn sie regelmäßig in einen Garten an der Klinik gehen.
  • Inzwischen weiß man jetzt auch, dass die Anwesenheit einer Zimmerpflanze die Genesung nach Operationen verbessern und die Notwendigkeit von Schmerzmitteln reduzieren kann!

Ich selbst durfte in meiner 15-jährigen Tätigkeit als Gartengestalter zahlreiche Ärzte und Ärztinnen zu meinen Kunden zählen. Viele davon bestätigten mir die nachweislich positive Wirkung der Natur auf die Gesundung von Patienten.

 

Wie Du das „Waldbaden“ richtig für Dich anwendest

Was Dich vielleicht erleichtern mag: In den japanischen Studien kam heraus, dass sowohl die Bewegung in der gesunden Waldluft als auch das Genießen des Waldes ohne Bewegung in etwa gleich effektiv sind.

Qing Li, der Medizinprofessor aus Tokyo, gibt für ein „optimales Waldbaden“ folgende Empfehlungen:

  • Mache einen Spaziergang oder eine Waldwanderung, die Deinen körperlichen Voraussetzungen entspricht und gehe in dieser Zeit 2-4km
  • Bei Müdigkeit lege eine Rast ein
  • bei Durst trinke Wasser oder Tee
  • Suche Dir einen Platz, der Dir gefällt, um dort bewusst zu verweilen und zu entspannen
  • Um das Immunsystem dauerhaft zu stärken plane pro Monat einen zwei- bis dreitägigen Aufenthalt in einem Waldgebiet, wobei Du Dich dabei etwa 4 Stunden pro Tag im Walt aufhalten solltest

Sehr ausführliche Übungen sind im Buch „Der Biophilia-Effekt“ von Clemens G. Arvay beschrieben. Sie geben Dir eine Idee davon geben, wie Du aktiv die Kraft des Waldes für Dich nutzen kannst.

Meine „Übungsempfehlung“ für Dich

Ich selbst möchte Dich viel mehr dazu inspirieren Deinen eigenen, inneren Impulsen zu folgen und vielleicht über folgendes nachzusinnen.

„Alles, was Du mit Freude tust, verbindet Dich mit der Kraft, die aller Schöpfung zugrunde liegt.“ (Eckhart Tolle)

Artikel 8- Bäume als Heiler (6 von 8)

Umarmung einer alten Lärche auf dem Pilgerweg nach Mariazell

Wie immer Du beschließt Deinen Waldaufenthalt zu gestalten, tu es mit Freude und so bewusst wie möglich! Ganz egal ob es 20 Minuten oder 3 Tage sind. 

Heilige den Moment

Wenn Du wirklich Deiner Freude folgst, dann heiligst Du den Moment. Dann genießt Du den Augenblick und bist ganz da. Und dann entfaltet die Kraft der Natur ihre größte Wirkung.

Eine Frage, Die Dir dabei behilflich sein könnte ist:

„Was ist meine Beziehung zum gegenwärtigen Augenblick?“

Und vielleicht sitzt Du dann gerade auf einem Bankerl im Wald und denkst über Terpene nach, machst Atemübungen oder gehst mit dem Hund gassi. Und während Du Dir diese Frage stellst, kann es sein, dass Du plötzlich ankommst,…… den Boden unter Deinen Füßen spürst oder den Baum hinter Dir als wunderbar angenehm empfindest. Dann trittst Du in bewussten Kontakt mit dem Wald und Deiner Umgebung. Vielleicht bemerkst Du dann, dass der Wald schon die ganze Zeit über mit Dir kommunizierte – Jetzt hörst Du zu. Das ist der Beginn von „Ganz-Werden“.

Auch, wenn es mich manchmal schockiert, wofür wir alles Studien brauchen, um gewisse Dinge anzuerkennen, bin ich sehr dankbar darüber, dass es sie gibt.  

Vor allem freue ich mich jetzt zu wissen, dass meine Veranstaltungen wie „Wildkräuterwanderungen“, „Wilde Pflanzenküche“ und „Pflanzengeister-Trance“ nicht nur gesunden Inhalt haben, sondern die Teilnahme alleine schon gesundheitsfördernd ist:-)

Mir ist es ein großes Anliegen diese Informationen in die Welt zu tragen. 

Wenn Du daher selbst Heilerfahrungen in der Natur gemacht hast, teile es doch als Kommentar mit – Du wirst dabei vielen aus der Seele sprechen. Vielleicht liest Du das ja auch gerade als Arzt/Ärztin, ApothekerIn, Krankenschwester oder TherapeutIn – Deine Meinung hat für andere Menschen besonderes Gewicht.

 

Ich freue mich über jedes – auch kritisches- Kommentar.

Denn es ist Zeit für ein neues Bewusstsein.

 

Herzlichst,

Alfred Zenz Jun. – Der Seelengärtner

 

Die wissenschaftlichen Informationen wurden aus dem Buch Der Biophilia-Effekt“ von Clemens G. Arvay entnommen. 

 

   Der Biophilia-Effekt – Heilung aus dem Wald

Dieses Buch bringt das auf den Punkt, was für manche Naturliebhaber selbstverständlich ist: Nämlich, dass die Natur mit uns kommuniziert und auf sehr gesundheitsfördernde Weise interagiert! Neben wissenschaftlichen Fakten gibt der Autor auch Anregungen zu zahlreichen Übungen in der Natur und hebt die Bedeutung von Garten und Wildnis hervor. Meiner Meinung nach, muss man dieses Buch einmal gelesen haben!