Noch einmal leben

Der Frühling ist da! Alles blüht in überschwänglicher Fülle und Üppigkeit! „Ist das nicht wahnsinnig schön, wie die Kirschen jetzt blühen!“, höre ich ein Pärchen im Park sagen.

Das alles läuft in einer Geschwindigkeit, ab, dass ich kaum mit dem Schauen, geschweige denn dem Erleben nachkomme. Oder ist es nur meine „innere“ Geschwindigkeit, die sich mir hier spiegelt, meine Gedanken darüber, was es noch alles zu tun, zu leisten, zu erledigen, zu regeln gibt?

Ich wollte heute ursprünglich einen Artikel über die Seele der Pflanzen schreiben. Als ich aber in meinem eifrigen Tun versunken im Garten saß, streifte mich die Erinnerung an ein wunderschönes Gedicht, das mir vor kurzem durch einen lieben Menschen zuteil wurde.

Dieses Gedicht möchte ich heute mit Dir teilen, weil es für mich gerade mehr aussagt als jeder Artikel, den ich gerade schreiben könnte.

 

Noch einmal leben

„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte,
 im nächsten Leben würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.

Ich würde nicht so perfekt sein wollen,
 ich würde mich mehr entspannen.

Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin,
 ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.

Ich würde nicht so gesund leben.
 Ich würde mehr riskieren,
 würde mehr reisen,
 Sonnenuntergänge betrachten,
 mehr bergsteigen, 
mehr in Flüssen schwimmen.

Ich war einer dieser klugen Menschen,
 die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
 freilich hatte ich auch Momente der Freude,
 aber wenn ich noch einmal anfangen könnte, 
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben.

Falls du es noch nicht weißt,
 aus diesen besteht nämlich das Leben, 
nur aus Augenblicken; 
vergiss nicht den jetzigen.

Wenn ich noch einmal leben könnte,
 würde ich von Frühlingsbeginn an
 bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen. 
Und ich würde mehr mit Kindern spielen, 
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.

Aber sehen Sie … ich bin 85 Jahre alt
 und weiß, dass ich bald sterben werde.“

(angeblich vom argentinischen Dichter Jorge Luis Borges, wahre Quelle ist unbekannt)

 

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Herzliche Grüße,

Alfred Zenz Jun. – Der Seelengärtner