Die Mutter unter den Nadelbäumen

Edel-Tanne, Weiss-Tanne

(botanisch: Abies alba)

 Warum die Tanne zu Weihnachten so bedeutend ist

Angelehnt an ihren glatten Stamm verspüre ich sofortiges Wohlgefühl. Eine mütterliche Wärme durchströmt mich und ich gleite ab in weihnachtliche Kindheitserinnerungen, wo ich mit leuchtenden Augen vor dem reich geschmückten Christbaum stand……

…..Jetzt, Jahrzehnte später, verstehe ich, was diesen Baum so besonders macht und dass sie nicht zufällig als Symbol für Weihnachten gewählt wurde….

Würde das Pflanzenwesen durch mich sprechen, was hätte es zu sagen?

„Hier im Walde, still und beständig, bin ich die Mutter aller Nadelbäume. Mein Geist ist milde, sanft und weich – ganz meinen Nadeln gleich. Ich bin die Tür zu Anderswelt in diesem Sinne, helfe beim Gebären, beim Standhaft sein und zügle was ist allzu Wilde. Mein Geist ist sanft und weich und doch so klar gerichtet. So streb ich hoch empor und ziele weit,  bringe Botschaft dir im Kleid des Schutzes und Geborgenheit. Ich richte auf gebrochene Gemüter, gesenkte Haupte, gebe Mut und Tapferkeit ganz in Treue zu Dir selbst zu leben, durchzustehen und zu bleiben, ganz hinter deinen eignen Träumen. Ich halte fest, was wichtig ist zu wachsen, ewig während immerfort, bin ich dir treue Dienerin, egal an welchem Ort. So wie ein Kind im Schosse seiner Mutter Zuflucht sucht, bin ich der Baum der dir nur Gutes tut.“

Meine Begegnung mit dem Pflanzengeist

Der Pflanzengeist erschien mir ganz unspektakulär in Form eines Nadelbaums. Inmitten der immergrünen Äste offenbarte sich aber bald eine massive Holztür. Ich öffnete und durchschritt sie und doch fand ich mich wieder im gleichen Wald wo ich gerade war –  Ich war woanders und doch am gleichen Ort?! Plötzlich erschien hinter einem dicken Tannenstamm ein altes Mütterchen, das mir eine Münze zuwarf. Auf der Münzvorderseite war ein Baum zu sehen, auf der Rückseite eine Art Tür. Und je nachdem wie ich die Münze drehte bestand sie einmal aus Metall, einmal aus Holz. Es war ein Geschenk aus der Anders-Welt.

Dann hatte ich plötzlich das Gefühl, dass mich etwas hoch empor hob, von wo aus ich einen weiten, klaren Blick hatte. Dabei fühlte ich eine Art angenehme „Dichte“, die es mir leicht machte mich zu zentrieren.

Die ganze Zeit über fühlte ich mich von der Kraft der Tanne unterstützt, getragen und geführt.

Was die Tanne für Dich tun kann

Auf der geistig-seelischen Ebene

  • Sie verleiht Dir innerliche Stärke
    Zapfen einer Kore-Tanne

    Zapfen einer Kore-Tanne

So wie sie als Baum aufrecht und erhaben Kälte, Wind und Schnee trotzt, verleiht sie auch Dir Rückrat, Halt und Standhaftigkeit. In herausfordernden Zeiten ist sie der Baum, der Dich

aufzurichten vermag und schwierige Lebensphasen gut durchstehen lässt. 

Sie verbindet in Dir die „Erde“ (Wurzelchakra) und den „Himmel“ (Scheitelchakra) und hilft Dir „ganz“ zu werden.

  • Sie stärkt Dein Vertrauen in das Leben

Die Tanne schafft ein Feld von Geborgenheit, Schutz und Wärme. Sie gleicht einer liebevollen Mutter, in deren Schoss man sich einkuscheln und Zuflucht suchen kann: „Alles ist gut…“ In diesem Feld fühlst Du Dich vom Leben liebevoll geführt, getragen und geliebt.

Ihre „erdende“ Eigenschaft lädt ein zum bewussten Hier-auf-Erden-Sein und „vollständig“ zu inkarnieren.

  • Sie unterstützt Dich treu Deinem Herzensweg zu folgen

Die Energie der Tanne hilft Dir an dem festzuhalten, was Dir wirklich wichtig ist im Leben. Sie fördert Die Treue Dir selbst gegenüber, Deinen Wünschen und Träumen zu folgen und niemals aufzugeben. Mit der Kraft der Tanne bleibst Du an der Sache dran!

„Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollen. Aber das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.“ (Joseph Joubert, franz. Schriftsteller) 

  • Sie „heilt“ alte Wunden

Ich konnte die Tannenenergie stark im Bereich des Herzens wahrnehmen. Für mich nährt sie die Herzenergie und fördert die Herzintelligenz. Ich empfinde die Tanne als wunderbare Weggefährtin! Bei alten Herz-Schmerz-Verletzungen ist sie wie wohltuender Balsam auf der Wunde.

  • Sie hilft Dir zielstrebig zu sein

Die Tanne macht den Blick klar und weit, zentriert und lenkt den Fokus auf das Wesentliche – im Gegensatz zur Fichte auf sehr sanfte Art und Weise. Es ist fast so, als ob man hoch empor gehoben wird, Übersicht gewinnt und in klarer, konzentrierter Absicht auf das nächste Ziel schaut.

Zusätzlich unterstützt sie hier mit Durchhaltevermögen und unbeugsamer Beharrlichkeit. Ganz nach dem Motto: Klarheit-Absicht-Umsetzung.

  • Sie bringt Dich in Deine Mitte

In der Energie der Tanne ist es leicht zu meditieren und in tiefe Einsicht zu gewinnen. Sie zentriert, beruhigt und verhilft zu einer tieferen Atmung.

Auf der körperlichen Ebene

Die schulwissenschaftliche Heilpflanzenkunde macht keinen Unterschied zwischen Tanne und Fichte. Beide werden ähnlich eingesetzt. 

  • Sie wirkt wohltuend auf die Atemwege

Sie ist hustenstillend, schleimlösend, auswurffördernd, entzündungshemmend und keimwidrig. Tannenöl als Duft reinigt und öffnet die Atemwege.

  • Sie beruhigt und stärkt die Nerven

Sie wandelt innere Unruhe, Nervosität und Angespanntheit um in Ruhe und Ausgeglichenheit – sie wirkt dadurch schlaffördernd.

  • Ihr Harz ist heilend

Für die äußerliche Anwendung wirkt das Terpentin oder Harzöl heilsam bei Gicht und Rheuma, bei Hautkrankheiten und neuralgischen Schmerzen.

Alfred Zenz jun. in einem Tannenwald nähe Mariazell

Alfred Zenz jun. in einem Tannenwald nähe Mariazell

„Vergessenes Wissen“ – was sie für unsere Vorfahren bedeutete

  • Sie spielte bei den Hebammen eine wichtige Rolle als wehenförderndes Mittel!
  • Die gekochten Samen fanden als Tee und zugleich als Umschlag bei Blutvergiftungen
  • Die heilige Hildegard von Bingen hielt die Tanne in großen Ehren. Sie bezeichnete sie als Ausdruck der Tapferkeit!
  • Die alten Griechen widmeten die Tanne Poseidon, dem Gott des Meeres. Die Schiffsmasten waren aus ihrem Holz hergestellt.

Wie sie als Christbaum (wieder) Einzug in unsere Herzen fand

In den Augen der Menschheit hielten immergrüne Bäume schon immer eine besondere Stellung als Verkörperung der ewigwährenden Kräfte des Lebens und der Versprechung der Rückkehr des Lichtes und des Frühlings.

geschmückter Weihnachtsbaum in der Wohnstube

geschmückter Weihnachtsbaum in der Wohnstube

Weihnachten – Das Ritual des Lebensbaumes

Der Lebensbaum (auch Weltenbaum genannt) war für unsere keltisch-germanischen Vorfahren so etwas wie der Ursprung allen Lebens, aller Schöpfung um den sich das Jahr und somit die Welt dreht. Dementsprechend war für sie die Natur in ihrer Ganzheit heilig und von göttlichen Kräften durchdrungen. So orientierten sich alle wichtigen Feste an Sonne und Mond.

Die Wintersonnenwende (21. Dezember) war eine dieser heiligen Tage, wo in den längsten aller Nächte, in der stillsten aller Stunden das Sonnenkind wiedergeboren wird.

Was der Weihnachtsschmuck wirklich bedeutete

Unter anderem wurden die Stuben zu Mittwinter mit immergrünen Pflanzen geschmückt, die das „Lebensgrün“ in das neue Jahr tragen sollten. Die Menschen holten sich damit Gesundheit und Lebenskraft ins Haus und nährten damit die Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings.

Daher auch der Spruch: „Grün ist die Hoffnung.“

Als Mutter- und Lebensbaum war die Tanne zu dieser Zeit ein Symbol der weiblich-schützenden und lebenserneuernden Kraft. Als immergrüner Baum, war sie Sinnbild für das ewige Leben. Sie grünt sogar dann, wenn die Sonne am längsten in der Unterwelt währt, in der dunkelsten Zeit des Jahres, den rauhesten Nächten.

 So gesehen ist der Weihnachtsbaum uralte Sitte. Der „Behang“ hatte jedoch eine weit tiefgehendere Bedeutung als heute:

  • Lichter und Kugeln sollen die himmlischen Einflüsse versinnbildlichen.
  • Nüsse und Äpfel stellen als „Samen“ die Fruchtbarkeit des kommenden Jahres dar. Sie sind die „heiligen Früchte“ der Ahnen.
  • Süßigkeiten sind Ausdruck der Süße der übersinnlichen, heiligen (heilen = ganzen) Schau.

Manch Ethnobotaniker erkennt im schmücken des Weihnachtsbaumes ein schamanisches Ritual zur Ehrung des Weltenbaumes.

„Das Hereinholen einer Tanne bedeutete ursprünglich das Hereinholen und Verehren des Waldschutzdämons.“ (Schöpf 1986:86)

Der reich geschmückte Tannenbaum erinnert uns einmal im Jahr an die Existenz des Lebensbaumes, an den Kosmos, an den immerwährenden Zyklus und an die Heiligkeit des Lebens und des Seins.

Als Weihnachtsbaum spielte die Tanne die zentrale Rolle bei der Wiederkehr dieses vollkommenen Sinnbildes des Lebens- oder Weltenbaumes.

geschmückter Tannenbaum zu Weihnachten

geschmückter Tannenbaum zu Weihnachten

 

Tja, vielleicht erscheint Dir die Tanne ja jetzt in völlig neuem Licht und der Weihnachtsschmuck wird für Dich zum Symbol für Weisheit und Unsterblichkeit. Und vielleicht berührt Dich ihre mütterliche Kraft und trägt Dich behutsam durch die Weihnachtszeit. Und wer weiß, vielleicht zeigt auch sie Dir eine Tür in die Anders-Welt, um Dich wieder mit den kosmischen Kräften des Himmels und den nährenden Kräften der Erde zu verbinden.

Dann wird auch die Tanne für Dich zu einem Baum des Lebens, einem Lebensbaum.

Lass die Menschen wissen, was die Tanne für Dich bedeutet und schreib einen Kommentar!

 

Herzliche Grüße und frohe Weihnachten!

 

Alfred Zenz – der Seelengärtner

 

 

 

 

8 Kommentare
  1. Wilma
    Wilma says:

    Ich lese die Beiträge immer gerne, aber diesmal „der Lebensbaum“ ist sehr gut gelungen. Ganz lieben Dank dafür und eine schöne Adventzeit.

    Antworten
  2. mona
    mona says:

    Lieber Alfred Zenz, ich schätze deine Arbeit sehr und die Berichte inspirieren mich – ich warte schon immer auf mehr 🙂
    Es ist spannend, ich empfinde Tannen und Fichten Energie als männlich, als „stützende“ „standhafte“ Energie…
    In meiner Heimat im Allgäu, gibt es sehr viele (Monokultur…) Fichten Wälder und ich war oft dort am meditieren.
    Interessant, ich versuche die Weißtanne in ihrer mütterlichen Qualität zu spüren, sollte mir eine begegnen…
    Ich hatte schon öfter das Bild von pilgernden Familien vor Augen, die statt den Baum in die Stube zu holen, in den Wald gehen und den Bäumen Geschenke bringen…
    Vielen Dank für den schönen Impuls und eine gesegnete Zeit zwischen den Jahren.
    mona

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    • Alfred Zenz
      Alfred Zenz says:

      Liebe Mona,
      Danke für deinen wertvollen Beitrag, über den ich mich sehr freue! Tanne und Fichte sind in ihrer Energie für mich sehr verschieden, auch wenn sie in der Literatur oft zusammengewürfelt werden. Die Fichte würde ich als „männliches“ Gegenstück zur Tanne beschreiben. Wenn du bisher in Fichtenwäldern meditiert hast wirst du daher die stützende, standhafte Energie der „männlichen“ Seite erfahren haben. Du wirst erstaunt sein wie ähnlich und doch ganz anders sich die Tanne anfühlt:-) Was dein Bild von in den Wald pilgernden Familien betrifft….: Wusstest du, dass es in Russland den Brauch gab, am Donnerstag nach Pfingsten in den Wald zu pilgern, eine junge Birke auszuwählen und diese farbenfroh zu schmücken und Geschenke darzubringen? Wer weiß, welch „innere Schau“ du da von „vergangenen Zeiten“ hattest:-)
      Danke und herzliche Grüße,
      Alfred

      Antworten
  3. Erika Klothilde
    Erika Klothilde says:

    Herzlichen Dank für Ihre schönen und tiefgehenden Beiträge!

    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie von Herzen eine gesegnete und beschützte Zeit!
    Alles Liebe
    Erika Klothilde

    Antworten

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