„Der Austausch von Nährstoffen, die Nachbarschaftshilfe im Notfall, ist anscheinend die Regel und führte zu der Feststellung, dass Wälder Superorganismen sind.“ (Peter Wohlleben, „Das geheime Leben der Bäume“)

Bäume, die sich einen erbitterten Kampf um Licht und Wasser liefern, sich gegenseitig den Lebensraum streitig machen und um jeden Quadratzentimeter Boden und jeden Tropfen Wasser ringen… Das Leben in der wilden Natur ist hart, ein gnadenloser Kampf ums Überleben. So zumindest, wenn es nach der gängigen Interpretation der Evolutionstheorie nach Charles Darwin geht, wo vom „Überleben der Stärksten“ die Rede ist. Wer schwach oder gar kränklich ist, wird unweigerlich aussortiert. Doch ist das wirklich so?

Wenn du bewusst durch einen naturgewachsenen Wald gehst, wirst du Qualitäten beobachten können wie Koexistenz, Symbiose und Synergien. In einem intakten Ökosystem herrscht ein immens komplexes Zusammenspiel von geben und nehmen, von leben und leben lassen. Beispiele dafür gibt es unzählige. In diesem Artikel möchte ich eines davon bringen, welches ich persönlich beobachten durfte und was mich sehr bewegt hat: Bäume helfen ihren schwächeren Artgenossen, zu überleben.

Wie sich Bäume gegenseitig unterstützen und sogar Nachbarschaftshilfe anbieten, weshalb naturgewachsene Wälder einen höheren Grad an Vernetzung der Bäume untereinander aufweisen als Forste und Plantagen und wie du vom Wald etwas über Solidarität und Gemeinschaftssinn lernen kannst, all das erfährst du in diesem Artikel.

Der lebendige Tannenstumpf im Wald

Bei einem winterlichen Spaziergang im Jänner entdeckten meine Partnerin und ich im nahegelegenen Wald inmitten eines Tannenforstes etwas höchst Eigenartiges – einen von Moos überwachsenen Baumstumpf einer Tanne, die vor geraumer Zeit gefällt wurde.  Jedoch war dieser Baumstumpf nicht „tot“ oder zumindest am Sterben, wie man es hätte erwarten können – es war ganz offensichtlich, dass der Baumstumpf noch biologisch aktiv war. Wir überprüften das zusätzlich, indem wir das Holz anritzten – und siehe da, unter der winterlichen, braunen, vermoosten Rinde fand sich lebendiges, grünes Gewebe. Dieser Tannenstumpf war immer noch am Leben!

Grundsätzlich lebt der Stumpf bzw. Stock eines gefällten Baumes nur noch so lange weiter, bis seine Reserven aufgebraucht sind. Manchmal versucht der sterbende Baum noch die klaffende Wunde zu überwallen, meistens reicht dafür die Kraft aber nicht mehr aus. Der Baumstumpf wird von Bakterien und Pilzen befallen, beginnt zu verfaulen und verwandelt sich innerhalb von ein paar Jahrzehnten (für Bäume ist das schnell) in Humus. Doch dieses rudimentäre Überbleibsel einer Tanne schaffte es, die Schnittstelle zu einem großen Teil mit Wundgewebe (Wundholz, Kallus) zu schließen. Dem Ausmaß der Überwallung nach zu schließen, unter Berücksichtigung der standörtlichen Voraussetzungen schätze ich, dass der Baum bereits vor 5-7 Jahren gefällt wurde. 

Eigentlich müsste dieser Tannenstumpf längst am Verfaulen sein. Und nicht nur das, der Baumstumpf begann sogar einen kleinen Seitentrieb auszubilden, was für eine Tanne außergewöhnlich ist, da sie über so etwas wie einen „Stockausschlag“ (Neubildung von Sprossen aus den Stümpfen gefällter Bäume) nicht wirklich verfügt. Manche Laubbäume besitzen diese Fähigkeit der Regeneration, Nadelbäumen jedoch fehlt diese Eigenschaft nahezu völlig.

Unterstützung aus der Nachbarschaft

Wie konnte sich dieser Überrest eines Baumes erhalten, wo die umgebenden Baumstümpfe längst am Verrotten waren? Schließlich verbrauchen die Zellen Energie, müssen atmen und zumindest ein wenig wachsen. Ohne Blätter, in dem Fall Nadeln, und damit ohne Fotosynthese, ist das aber unmöglich. Kein Baumstumpf, der auf sich alleine gestellt ist, hält eine mehrjährige Hungerkur aus und wehrt dabei noch Pilze und Bakterien ab. 

Die Antwort ist erstaunlich: Er bekommt Unterstützung aus der Nachbarschaft. Die benachbarten Tannen helfen der geköpften Artgenossin zu überleben. Dieses Phänomen, dass Bäume ihre Artgenossen versorgen und am Leben erhalten, hat erstmals Peter Wohlleben in seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ beschrieben. Darin erzählt er von der Entdeckung eines „bemoosten Steins“, der in Wirklichkeit ein vier bis fünfhundert Jahre alter Baumstumpf einer Rotbuche war. „Bei diesem Exemplar war es offensichtlich. Es bekam Unterstützung von den Nachbarbäumen, und zwar mithilfe von Wurzeln. Die umgebenden Buchen pumpten ihrem „behinderten Kollegen“ Zuckerlösungen hinüber, um ihn am Leben zu halten!“ 1 

Das Geheimnis dieser Verbundenheit liegt also im Bereich der Wurzeln.

Wood-Wide-Web – Das „Grüne Gehirn“ des Waldes

Bäume sind über ein weitverzweigtes, unterirdisches Wurzel-Netzwerk miteinander verbunden, das sowohl aus ihren eigenen Wurzeln als auch aus symbiotischen Pilzgeflechten besteht und in gewisser Weise dem neuronalen Verschaltungen unseres Gehirns gleicht. Wie dicht dieses unterirdische Wurzelgeflecht ist, können wir manchmal an ausgetretenen Wegen oder auch Böschungen sehen, wo die Erde vom Regen weggespült wurde.

Wie Bäume über Wurzeln und Pilze miteinander verbunden sind

Eine entscheidende Rolle in diesem System spielt das Myzel der Bodenpilze, der sogenannten Mykhorriza. Es bildet ein dichtes, fadenförmiges Geflecht, das den Informations- und Nährstoffaustausch zwischen den Bäumen ermöglicht. 

Dieses „Wood Wide Web“, wie es die Wissenschaft mittlerweile nennt, fungiert gewissermaßen als biologisches Kommunikationsnetzwerk, über das chemische, elektrische und sogar akustische Signale (Knacklaute) weitergegeben werden. Auf diese Weise können Bäume auf Umweltveränderungen, Schädlingsbefall oder Trockenstress reagieren und sich gegenseitig davon in Kenntnis setzen.

Forschungsergebnisse aus dem Harzgebiet in Deutschland belegen, dass dieses Wurzel-Pilz-System die meisten Individuen einer Art miteinander verbindet und dass der Austausch von Nährstoffen sowie Nachbarschaftshilfe im Notfall anscheinend die Regel ist.“1 Darüberhinaus zeigen Studien, dass Bäume die Wurzeln „fremder“ Arten und die ihrer eigenen Artgenossen sehr wohl zu unterscheiden vermögen.3 

Dazu kommt, dass so ein Pilzgeflecht sich im Laufe der Jahrhunderte über etliche Quadratkilometer ausdehnen kann und zusammenhängende Waldareale zu einem einzigen hochkomplexen Lebensraum vereint, wo alles wechselseitig und untrennbar miteinander verbunden ist. Wälder können daher ähnlich wie eine Ameisenkolonie, als Superorganismen betrachtet werden.1 

Der soziale Wald – Nachbarschaftshilfe im Notfall ist die Regel

Fazit: Bäume sind soziale Wesen, die, ganz im Gegensatz zur landläufigen Meinung, sich den Lebensraum nicht gegenseitig streitig machen, sondern einander unterstützen, zumindest was die eigenen Artgenossen betrifft. Die Gründe dafür sind die gleichen wie bei uns Menschen: Gemeinsam sind wir stark. 

Ein einzelner Baum vermag kein lokales Klima zu erzeugen und ist Hitze, Sturm und Klimaschwankungen schutzlos ausgeliefert. Ein Wald hingegen, der aus einem ganzen Kosmos an Pflanzen- und Tierarten besteht, bildet ein lebendiges Ökosystem, das Temperaturextreme ausgleicht, Unmengen an Wasser speichert, die Luft mit Feuchtigkeit anreichert und damit insgesamt ein lebensfreundliches Umfeld erschafft. In so einer Umgebung kann ein Baum geschützt wachsen und wenn man ihn lässt, sogar zu einem Urwaldriesen werden. 

Das Wohl des Waldes beruht daher auf Verbundenheit, in dem jedes Wesen Teil eines größeren Ganzen ist. Würden sich die einzelnen Bäume ausschließlich nur um sich selbst kümmern, wäre die ökologische Stabilität und Balance nicht gewährleistet. Unzählige Bäume würden frühzeitig absterben, was große Löcher im Kronendach zur Folge hätte wodurch die Sturmanfälligkeit erhöht und die Austrocknung des Bodens durch direkte Sonneneinstrahlung begünstigt wäre. Derartige Veränderungen würden die Lebensbedingungen des gesamten Baumbestandes verschlechtern. So ist jeder einzelne Baum von Wert für die Wald-Gemeinschaft und verdient es so lange wie möglich am Leben erhalten zu werden.

Der Grad der Verbundenheit hängt von der Natürlichkeit des Waldes ab

Fragt sich jetzt noch: Warum gerade dieser Baumstumpf, während alle anderen drumherum vor sich hinfaulen? Warum werden manche Exemplare am Leben erhalten und andere nicht? Anscheinend hat das mit dem Grad der Verbundenheit zu tun, die bestimmte Bäume miteinander haben, so ähnlich wie sie auch gute Freunde im Reich der Menschen aufweisen.

Laut Peter Wohlleben können derartige Baum-Freundschaften bis hin zum Versorgen von Stümpfen nur in natürlichen Wäldern festgestellt werden. Das rührt daher, dass ein naturgewachsener Wald, wo jeder Baum an dem für ihn geeigneten Standort gekeimt und gewachsen ist und seit Beginn an in einer Wurzel-Symbiose mit seinen Nachbarn lebt, sich in einem anderen Grad von Vernetzung mit anderen Bäumen befindet, als zum Beispiel ein Fichtenforst. 

Gepflanzte Plantagen und Forste, wie es die meisten Nadelwälder Mitteleuropas heute sind, scheinen aufgrund der dauerhaft geschädigten Wurzeln kaum fähig zu sein, sich zu einem funktionsfähigen Netzwerk zusammenzuschließen. Die Folge sind geschwächte, wind- und krankheitsanfällige Bäume, die kein hohes Alter mehr erreichen können.1 Das zeigen unter anderem die Stürme der letzten Jahre, wo ganze Fichtenwälder wie Streichhölzer umgeknickt wurden und ein Bild der Verwüstung hinterließen.

Naturgewachsene Wälder hingegen interagieren wie ein zusammenhängendes Geflecht, in dem alles und jeder seinen Platz zum Wachsen und Gedeihen hat und jeder einzelne zur Gesundheit des gesamten Systems beiträgt. In so einem Wald ist die gegenseitige Hilfe die Regel. Diese Wälder überstehen übrigens solcherart Naturgewalten auch größtenteils unbeschadet.

Was wir vom Wald über Rückverbindung zu unseren Wurzeln lernen können

Alles in allem liefern sich Bäume weniger einen erbitterten Kampf ums Überleben, sondern interagieren vielmehr als soziale Wesen. Und wenn du durch den Wald spazierst, bist du Teil dieser Gemeinschaft und erfährst ebenso Unterstützung und Heilung – ganz gleich, ob du ein vermeintlich guter oder schlechter Mensch bist. Natur ist damit aus meiner Sicht der unmittelbarste Zugang zu dem, was wir als bedingungslose Liebe bezeichnen. 

Was also geschieht, wenn du deine Wahrnehmung für diesen durch und durch verbundenen Waldraum öffnest, ist, dass du zurück zu deinen eigenen Wurzeln findest. Es mag die Verbindung zum eigenen Familiensystem oder „Stamm“ sein, vielleicht sogar zu deinen verstorbenen Ahnen und Vorfahren, von denen du nährende und unterstützende Impulse empfängst. In der systemischen Aufstellungsarbeit geht oft genau darum, erfolgte Traumata und Trennungen zu heilen und nährende Verbindungen wieder herzustellen. 

Und manchmal ist es sogar die Anbindung zu den einstigen, indigenen Völker – seien es die nordamerikanischen Ureinwohner, die Aboriginies oder Maori – die alle eines gemeinsam hatten: Die Natur als beseelt zu erfahren, wo Tiere und Pflanzen als Brüder und Schwestern galten und in der sie sich selbst als Teil der Schöpfung begriffen.

„Alles ist miteinander verbunden. Was der Erde geschieht, geschieht auch ihren Kindern. Der Mensch hat das Gewebe des Lebens nicht geschaffen, er ist nur ein Faden darin. Was immer er diesem Gewebe antut, tut er sich selbst an.“ (Aus der Rede Häuptling Seattles 1854)

Gerade für Menschen, die sich in der heutigen Gesellschaft mehr und mehr abgeschnitten von ihrer eigenen Natur fühlen, ist es heilsam, sich einmal mehr auf den nährenden Aspekt eines intakten Ökosystems einzulassen. Denn, indem du dich bewusst auf den Wald, die Natur rings um dich einlässt, jenseits aller Vorstellungen, Gedanken und Meinungen, richtest du dich auf die Kraft aus, die aller Schöpfung zugrunde liegt.

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Mit herzlichen Grüßen,

Alfred Zenz – Der Seelengärtner

Quellen:

1 WOHLLEBEN, Peter: „Das geheime Leben der Bäume – Was sie fühlen, wie sie kommunizieren – die Entdeckung einer verborgenen Welt“, Ludwig-Verlag, München, 13. Auflage

2 WOHLLEBEN, Peter: „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur – Erstaunliche Erkenntnisse über die 7 Sinne des Menschen, den Herzschlag der Bäume und die Frage, ob Pflanzen ein Bewusstsein haben“, Taschenbuchausgabe 03/2023, Ludwig-Verlag, München, 2. Auflage

3 Massimo Maffet von der Universität Turin im Magazin „MaxPlanckForschung“ (3/2007, S. 65) – aus Peter Wohlleben: „Das geheime Leben der Bäume“

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