„Der größte Zauberer ist derjenige, der am besten die Geheimnisse der Pflanzenwelt kennt.“ (Golowin 1973: 7)

Im ersten Teil dieser Artikelserie „Hexen, Teil 1 – Die Weisen Frauen unserer germanischen Vorfahren“, ging ich zurück bis zum Ursprung der Hexe, wo Frauen als Seherinnen hoch geachtet waren. Im zweiten Teil „Hexen, Teil 2 – Warum sie in der Gesellschaft von damals unentbehrlich waren“ gab ich einen Einblick, welche wichtigen Aufgaben Hexen bis ins hohe Mittelalter hinein ausübten. Im dritten und letzten Teil geht es um die mächtigen Pflanzenverbündeten der Hexe und ihren Einsatz in der Hexenmedizin à la psychedelisches Bier und Flugsalbe.

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Vor nicht all zu langer Zeit unternahm ich mit einem guten Freund eine Pilgerwanderung durch das mystische Waldviertel im Norden von Österreich. Nach einem langen Pilgertag erreichten wir mitten in einem Wald plötzlich eine Stelle, wo Biertische, Saufbuden und eine große Bühne für eine Band aufgestellt wurden. Ein 3tägiges Wackelstein bzw. Hexenfest sollte hier stattfinden. Auf dem Plakat war eine Hexe zu sehen, die anstatt auf einem Besen auf einer Gitarre durch die Luft reitet. Dieses Fest findet hier jedes Jahr statt – so wurde uns versichert. Eins war uns beim Anblick der Aufmachung jedenfalls ganz gewiss: Das gibt ein ordentliches Saufgelage!

Vielleicht wählten die Menschen einfach nur intuitiv den Begriff „Hexenfest“. Vielleicht waren sie aber auch noch stärker mit den keltisch-germanischen Wurzeln verbunden, die man im Waldviertel meiner Meinung noch besonders stark spürt. Die Hexe ist hier jedenfalls nicht ganz vergessen und wird mit ausgelassenen Feierlichkeiten und auch Lebensfreude in Verbindung gebracht. Schön fand ich das. Denn tatsächlich trug die Hexe ihren Teil dazu bei, dass die Feste entsprechend berauschend begangen wurden. Sie wußte um die geheimnisvollen Pflanzeningredienzen, um damit magische Gebräue zu fertigen, welche die Menschen in sinnliche Extase versetzten.

Hexen waren Meisterinnen im Umgang mit den Pflanzen und ihren innewohnenden Kräften. Ihre daraus resultierende Kunst war die sogenannte Hexenmedizin, die hoch wirksam und zugleich auch sehr gefürchtet war. Welche die mächtigen Zauberpflanzen der Hexe waren, warum Bier ursprünglich aphrodisierend wirkte und was die Flugsalbe mit dem Klischee von „auf Besen reitenden Hexen“ zu tun hat – das möchte ich dir in dem folgenden Artikel erzählen.

Zauberei als angewandte Kräuterheilkunde

Wie ich im letzten Artikel – Hexen, Teil 2 – beschrieben habe, hatte die Hexe in der Gesellschaft vielseitige Aufgaben inne – von der Kräuterheilkundigen bis zur Hebamme hin zur Seherin und  Liebesorakel. Pflanzen spielten dabei immer und ausnahmslos eine wichtige Rolle. Im Mittelalter war das Wort „Kraut“ gleichbedeutend mit „Zaubermittel“. In Venedig wurde die Zauberei oder Hexerei sogar als „Herberia“ – „Kräuterkunde“ – bezeichnet. Das heißt ursprünglich war die Zauberei angewandte Pharmakologie! (Christian Rätsch, Hexenmedizin, S. 98)

In der Heilkräuterkunde nutzte man jedenfalls das ganze Portofolio an Heilpflanzen, so viel ist sicher. Ganz besondere Aufmerksamkeit erfuhren dabei die sogenannten Zauberpflanzen. Sie waren Hauptbestandteil der geheimen Hexen-Rezepturen, die über Leben und Tod entschieden, die Zaubergetränke, die in sinnliche Ekstase versetzten oder die Flugsalben mit deren Hilfe die Hexen in andere Dimensionen „fliegen“ konnten.

Alraune, Tollkirsche & Bilsenkraut – Die Zauberpflanzen der Hexe

Die Zauberpflanzen der Hexe waren überaus mächtige Verbündete bei allen Aufgabenbereichen. Meistens waren es sehr giftige Vertreter aus der Pflanzenwelt, die gut dosiert werden mussten, wenn man bei der Anwendung nicht in die ewigen Jagdgründe eingehen wollte. Als einer der wichtigsten Hexenpflanzen galten Alraune, Tollkirsche und Bilsenkraut.

Alraune, Tollkirsche und Bilsenkraut

In Harry Potter gibt es eine Szene, wo Alraunen (Mandragora officinalis) umgetopft werden. Aber die Zauberlehrlinge müssen sich dabei die Ohren zuhalten, weil das Geschrei der „Alraunenmännchen“ lebensgefährlich sein kann. Es mag eine Szene aus einem Fantasy-Film sein und doch zeigt sie etwas von der magischen Kraft, der einst der Alraune zugeschrieben wurde. Wie die Tollkirsche und das Bilsenkraut gehört sie zu den Nachtschattengewächsen. Alle drei gelten als sehr giftig, sind stark psychoaktiv, erzeugen Halluzinationen und gehören zu den wichtigsten Aphrodisiaka und Ingredienzen für Liebestränke und Hexensalben.

Die mit ihren schwarzen, knopfgroßen Beeren unverkennbare Tollkirsche (Atropa belladonna) wurde bereits seit der Antike medizinisch verwendet, wo man sie vor allem als Schmerz- und Narkosemittel einsetzte. Auf der seelischen Ebene schrieb man ihr eine dämonenvertreibende Wirkung zu und heilte mit ihrer Hilfe verschiedene Geisteskrankheiten. Den Artnamen „belladonna“ erhielt sie unter anderem, weil junge Frauen sich ihren Saft in die Augen träufelten, um größere Pupillen zu bekommen. Das machte sie für die Männer attraktiver.

Und das Bilsenkraut (Hyoscyamos niger) mit seinen geheimnisvoll anmutenden Blüten, gehörte sogar zu den heiligsten Pflanzen der Germanen und Wikinger. Sie legten dazu sogar eigene Bilsengärten auf heiligen Äckern an. Das Bilsenkraut wurde ähnlich der Tollkirsche rituell, magisch wie auch medizinisch genutzt. In der Antike galt es als das bedeutendste Mittel für Wahrsagerei. In dem durch das Bilsenkraut ausgelösten tranceartigen Zustand konnte man hellsehen und Orakel geben. Vor allem war es aber ein sehr beliebter Bestandteil von berauschenden Getränken wie z.B. Bier.

Alraune (Mandragora officinalis) – Tollkirsche (Atropa belladonna) – Bilsenkraut (Hyoscyamos niger)

 

Pychedelisches Bier – Die Entstehung des Reinheitsgebotes

Ja, Bier. Denn bevor das Reinheitsgebot Einzug fand, hatte Bier noch eine ganz andere berauschende Wirkung als es heute hat. Bilsenkraut, Sumpfborst und Tollkirsche waren wichtige Bestandteile und lösten einen ekstatischen, berauschenden und stark aphrodisierenden Zustand aus. Die Frühjahrsfeste hatten in der heidnischen Bevölkerung immer etwas mit Fruchtbarkeit, Sexualität und Schöpferkraft zu tun. So wurde beispielsweise das Maifest auch entsprechend orgiastisch gefeiert und gelebt – sehr zum Mißfallen der Kirche. Da sie es aber nicht zuwege brachte die Feste zu verbieten, ließen sie sich etwas anderes einfallen. Sie nahmen ihnen die berauschende Grundlage.

Im Jahre 1516 wurde von dem Bayern-Herzog Wilhelm IV das Reinheitsgebot für Bier eingeführt. Fortan war es der ländlichen Bevölkerung verboten Bier zu brauen, dass jetzt einzig und allein der Kirche vorenthalten blieb. Um die Schäfchen zu zähmen wurden die gefährlichen Ingredienzen wie Bilsenkraut, Tollkirsche & Co entfernt und stattdessen etwas anderes beigegeben – nämlich Hopfen. Hopfen beruhigt, macht schläfrig und müde und fördert alles andere als eine ekstatische, sexuelle Ausgelassenheit.

Die neuen Bierbrauexperten waren jetzt die Mönche. Noch heute zeugen Namen wie „Stiftsbrauerei“ von der kirchlichen Übernahme. Und die machten sich dieses Getränk auch entsprechend zunutze. So durfte zur Fastenzeit zwar nichts gegessen, dafür aber getrunken werden. Zu dieser Zeit wurden Starkbiere gebraut, die mit sage und schreibe bis zu 5 Litern pro Kopf und Nase täglich vertilgt wurden. Prost!

Das Bilsenkraut als ehemaliger und heiliger Hauptbestandteil wurde aber nicht ganz vergessen. Wahrscheinlich ahnst du woher das „Pils“ seinen Nahmen hat – richtig von „Bilsenkraut“.

Die Flugsalbe – Wie die Hexe auf den Besen kam

Die Pappelsalbe – Grundbestandteil jeder Hausapotheke

Alraune, Tollkirsche und Bilsenkraut waren wichtige Grundbestandteile der sagenumwobenen Hexenschmiere oder Flugsalbe. Die Grundlage dafür bot die sogenannte, oft giftgrün gefärbte Pappelsalbe. Für ihre Herstellung wurden die Knospen der europäischen Schwarzpappel benutzt. Angereichert mit allerlei Heilkräutern galt sie als eine der wichtigsten Wundheilsalben und wurde praktisch in allen Kräuter- und Arzneibüchern seit dem 15. Jahrhundert angeführt. Bei den sorgfältig dosierten Zutaten findet man häufig Schlafmohn, Giftlattich, Tollkirsche und Cannabis (Hanf) beschrieben. Die Wirkung so einer Salbe kann grundsätzlich sicherlich als betäubend und schmerzlindernd verstanden werden. Derartige Pappelsalben waren in der frühen Neuzeit weit verbreitet, sehr beliebt und wurden ähnlich wie heute das Aspirin als universales Schmerzmittel, als Wundarznei, Rheuma,- und Hämorrhoidenmittel ganz offiziell eingesetzt. Für das einfache Volk war sie sozusagen ein Grundbestandteil der Hausapotheke.

Die Flugsalbe oder Hexenschmiere

Um die harmlosere Pappelsalbe zu einer Flugsalbe zu verwandeln, ergänzte man diese mit weiteren z.T. hochgiftigen und psychoaktiven Pflanzen wie z.B. Schierling, Bilsenkraut und Eisenhut. Die Hexen müssen hierbei Meisterinnen im Umgang mit der richtigen Dosierung gewesen sein. Denn derartig giftige Kräuter haben es in sich, die Seele (Astralleib) vom Körper zu spalten um in andere Dimensionen zu reisen bzw. zu „fliegen“. Die Kunst bestand jedoch darin, den Weg wieder zurück zum Körper zu finden.

Die nächtlichen Riten fanden dabei oft auf Anhöhen oder Hügeln im Schutze des Waldes statt, wo sich die Seherinnen und Zauberinnen, ähnlich den heutigen Schamanen, vollkommen nackt in Trance versetzten. Bei einer bestimmten Praktik dürfte die Flugsalbe dabei auf Holzstiele bzw. auch Besenstiele aufgetragen worden sein, welche die Frauen zwischen ihre Schenkel nahmen und sich daran rieben. Die hoch psychoaktiven Substanzen der Flugsalbe wurden dabei über die empfindlichen Schleimhäute der Schamlippen in den Körper aufgenommen.

Von außen beobachtet mag das für einen unbedarften Zuschauer höchst bizarr ausgesehen haben: Einen Haufen nackter Frauen, die in taumelnder Ekstase im Kreis um ein Feuer tanzen und dabei auf Besenstielen reiten. Vor allem ein frisch christlich missionierter Mensch mag hier, gepaart mit der damaligen Angst vor den „bösen“ Zauberinnen, die „auf Besen reitenden Hexen“ beobachtet haben, welche durch die Luft fliegen und Unheil anrichten. Das Klischee war geboren. Die Salben selber wurden deshalb auch Flugsalben genannt, im Mittelalter etwas abschätzig dann Hexenschmiere.

Die Flugsalbe in der Inquisition

Die Inquisitoren setzten übrigens die Flugsalbe als Wahrheitsdroge bei der Peinlichen Befragung ein. Sie sollte den Widerstand der Gefolterten brechen. Es gibt sogar Aufzeichnungen, wo man die Pappelsalbe an der Frau des Henkers ausprobiert hat:

„…erprobte sie and der Frau des Henkers. Die verfiel für drei Tage in eine Art Koma oder Tiefschlaf und beschwerte sich ärgerlich, als sie aus diesem Schlaf mit süßen Träumen voller erotischer Abenteuer gerissen wurde.“ (Aufzeichnungen des päpstlichen Leibarztes Andrés Laguna, Christian Rätsch, Hexenmedizin, S. 156)

Die Rückkehr des alten Wissens

All diese Methoden mit Hilfe von Pflanzen tranceartige Zustände zu erfahren, in jenseitige Welten zu reisen, einen Seelenflug zu vollführen – all das ist den heutigen Kulturanthropologen wohlbekannt. Sie gehören in den Bereich der schamanistischen Ekstasetechniken vieler Naturvölker. Und sie finden langsam auch wieder Einzug in unsere abgeklärte, vom logischen Verstand trocken gelegte Seelenlandschaft, die sich nach sinnlicher Ekstase, Lebendigkeit und Bewusstseinserweiterung sehnt.

Wir haben unsere Wurzeln nicht verloren, wir haben sie nur vergessen, den Riten und Festen andere Namen gegeben. Das Maifest zeugt z.B. noch sehr von der erotischen Komponente wegen derer es einst gefeiert wurde. Der Maibaum stellt für den aufmerksamen Beobachter auch heute noch den Phallus des Mannes dar, der sich mit der Yoni der Frau (der Maibaumkranz) vereinigt. Und selbst die Trinkgelage sind beim Maibaumaufstellen nach wie vor erhalten geblieben. Der Hopfen im Bier sorgt jetzt brav dafür, dass die lustvollen Ausschweifungen in Zaum gehalten werden. Die rituelle Trance der tanzenden „Priesterinnen“ alias Hexen, bleibt uns als das Bild der durch die Luft fliegenden Hexe als eine Art Erinnerung erhalten. Jetzt weißt du ja, wie es entstanden ist und kannst es vielleicht auch in transformierter Art und Weise sehen.

Dieses Muster kannst du übrigens bei allen unseren sogenannten „christlichen Festen“ beobachten. Unter einem dünnen, religiösen Schleier liegen unsere urheidnischen Wurzeln verborgen. Sie sind es, die uns wieder mit der Lebendigkeit des Lebens verbinden, mit der sexuell-schöpferischen Urkraft, die aller Natur innewohnt und somit auch jedem Menschen.

Und indem du dich wieder mit diesen Wurzeln verbindest, beginnst du dein wahres Potenzial zu leben – du beginnst zu deiner eigenen Natur zu erwachen.

Ich freue mich auf dein Kommentar!

herzliche Grüße,

Alfred Zenz Jun.

PS:

  • Mehr über die Völvas, Hexen und Magierinnen und ihren männlichen Kollegen den Druiden, erfährst du aktuell in meinem Vortrag „Druiden, Hexen & Zauberer“ am 04. Mai in Gröbming.
  • Wild- und Heilkräuter sind einer der besten Möglichkeiten mit der ursprünglichen Hexenmedizin wieder in Kontakt zu kommen! Die nächste Wildkräuterwanderung findet am Samstag, dem 05. Mai in Gröbming statt.

PPS:
Du möchtest richtig tief eintauchen und das Vergessene Wissen der Druiden, Kräuterhexen und Pflanzenheilkundigen in dir wieder zum Leben erwecken?

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Quellennachweis

  • Wolf-Dieter Storl, Claudia Müller-Ebeling, Christian Rätsch, Hexenmedizin, 10. Auflage, 2015

„Hexenmedizin ist wilde Medizin – sie ist unkontrollierbar, sie entzieht sich der herrschenden Ordnung, ist Anarchie. Sie gehört zur Wildnis. Sie macht Angst. Sie ist vor allem eines: heidnisch.“ (Claudia Müller-Ebeling)

Im letzten Artikel: „Hexen, Teil 1 – Die Weisen Frauen unserer germanischen Vorfahren“, ging ich zurück bis zum Ursprung der Hexe, wo Frauen als Seherinnen hoch geachtet waren. Im zweiten Teil gebe ich dir einen Einblick welche wichtigen Aufgaben sie bis ins hohe Mittelalter hinein ausübten, was sie für die Gesellschaft von damals unentbehrlich machte.

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Wenn heutzutage von Hexen geredet wird, dann meistens im Zusammenhang mit bösem Zauber. Wenn eine Sache nicht gelingen mag, dann ist sie irgendwie „verhext“, ein Mann im blinden Liebestaumel wurde von einer „schönen Hexe verzaubert“, und einen steifen Nacken oder Rücken bezeichnet man auch gerne als „Hexenschuß“ – man hat das üble Zaubergeschoß einer Hexe abgekommen. Meistens ist die Hexe hier nicht unbedingt die Heilbringerin. Dass diese Klischees noch immer bestehen, verdankt die Hexe einer jahrhundertelangen, massiven Manipulation durch die kirchliche Oberschicht.

Nicht, weil sie tatsächlich einen bösen Geist verkörperte, die mit dem Satan im Bunde stand, nein, sondern weil sie tatsächlich mächtige, heilerische Fähigkeiten besass. Das stellte natürlich eine strenge Konkurrenz zur Kirche dar, die für sich den Alleinanspruch auf Heilung erhob. Denn diese sogenannte Hexenmedizin war eine ganzheitliche Medizin und sie war mächtig und wirkungsvoll. Um es in den Worten von Claudia Müller-Ebeling wiederzugeben: „…Denn sie entscheidet über Leben und Tod und sie macht mehr als nur gesund: sie bringt Lust und Erkenntnis, Rausch und mystische Einsicht. Sie ist wilde Medizin. Sie macht Angst. Und sie ist vor allem eines: heidnisch“

Die im Laufe der Jahrhunderte erfolgte, strategische Verfolgung und Vernichtung dieser heilkundigen Frauen, liess uns schließlich vergessen, welch wichtige Rolle die Hexe in der Gesellschaft eigentlich wirklich spielte. Ohne sie hätte es keine Hausapotheke gegeben, keine Geburtshelferinnen, keine Empfängnisverhütung (ja, auch das kannte man damals schon!), keine psychologische Unterstützung in Lebens,- und Liebesangelegenheiten und vieles mehr. Die Hexe hatte viele und wichtige Aufgaben – sie war für die Menschen von damals unentbehrlich.

Die Hexe als Kräuterheilkundige

Frauen waren ursprünglich die ersten, die die Felder bestellten. Wie die Männer Wissen über die Tiere erwarben, die sie jagten, entwickelten die Frauen Sicherheit im Umgang mit Pflanzen. Bereits im Mädchenalter lernten sie, wo bestimmte Kräuter wachsen, welche heilkräftigen Eigenschaften ihnen innewohnen und wie man mit den Pflanzengeistern spricht, damit sie ihre Kräfte dem Menschen zur Verfügung stellen. Wenn es um die Geheimnisse der Pflanzen ging, dann waren vor allem die Frauen zuständig. Sie waren sozusagen die ursprünglichen „Kräuterhexen“, die noch bis in die Mitte des 20. Jahrhundert hinein die erste Anlaufstelle für Heilsuchende Menschen waren.

So erzählt z.B. meine 1917 geborene Großmutter aus Übelbach noch, dass, wenn es um schwere Krankheit oder Verletzungen ging, sie stundenlang zu Fuss zur „Lammer-Resi“ nach Passail (einem Ort nördlich von Graz) wanderten. Von dieser Kräuterfrau erhielten sie Heilkräuter in Form von Tees, Tinkturen oder Salben. Mehr dazu siehe Artikel: „100 Jahre Wildkräuter – Meine Großmutter erzählt aus ihrem Leben“

Die Großmütter als Weise Ratgeberinnen

Großmütter genossen zur damaligen Zeit noch eine ganz andere Wertschätzung als heute. Denn sie waren aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung und als Trägerinnen von überliefertem Wissen, wertvolle Ratgeberinnen, die man bei wichtigen Entscheidungen gerne aufsuchte. Sie wurden als sogenannte „Alte Weise Frauen“ hoch geschätzt.

„Jede Siedlung, jeder Clan hatte eine weißhaarige Alte, der die Ahnen- und Waldgeister oder auch die Göttin manch Geheimnis zugeraunt hatte.“ (Wolf-Dieter Storl, Hexenmedizin, S. 40)

Die Hexe als Hebamme und „Kinderbringerin“

Die ersten Hebammen waren Frauen, die selbst schon Kinder zur Welt gebracht hatten und ihre Erfahrung und Wissen mit anderen Frauen teilten. Viele entwickelten im Laufe der Zeit umfassende, naturheilkundliche Kenntnisse, die sie von Generation zu Generation weitergaben. Diese Tradition (über)lebte sogar noch bis weit ins 20. Jahrhunderts hinein.

Auch hier gibt es wieder eine Anektode von meiner 100jährigen Großmutter: Als ich sie fragte, wie dass denn mit den Geburten war und ob da ein Arzt ins Haus kam, oder sie ins Spital fahren musste, da sagte sie nur: „Nein, da war schon immer irgendwo eine Bäuerin, die selbst schon Kinder hatte oder selbst schon einmal dabei gewesen ist bei einer Geburt und sich ein bißchen ausgekannt hat. Dann ist das schon gegangen.“ Aus dem Artikel: „100 Jahre Wildkräuter – Meine Großmutter erzählt aus ihrem Leben“

Die Hebamme als Heilpflanzenkundige und Frauenärztin

Die Hebammen kannten sich meisterhaft mit Pflanzen aus, welche die Geburt unterstützten indem sie z.B. Krämpfe der angespannten Dammmuskeln lösten, zu starke Blutungen minderten oder die Wehen förderten. Hebammen waren aber nicht nur „Geburtshelferinnen“, sie waren auch „Frauenärztinnen“, die sich mit dem weiblichen Unterleib insgesamt sehr gut auskannten. So wurden sie auch bei allen möglichen venerischen und gynekologischen Beschwerden aufgesucht. Sie wußten um Pflanzen, welche die Fruchtbarkeit förderten oder eine ausbleibende Regel wieder in Gang setzen konnten. Gleichzeitig kannten sie natürlich auch Kräuter, um unerwünschte Leibesfrucht abzutreiben und wussten um Mittel zur Empfängnisverhütung. Pflanzen wie z.B. die Poleiminze, Diptam oder der Sadewacholder waren als Abtreibungsmittel gut bekannt. Und die Weide galt z.B. als hervorragendes Verhütungsmittel!

Aber die Hebamme war noch weit mehr als das. Sie war auch die „Kinderbringerin“, die den neuen Erdenbürger rituell in die Welt einführte.

Die Hebamme als „Kinderbringerin“ – Das Willkommens-Ritual

Der Kulturanthropologe und Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl beschreibt im Buch „Hexenmedizin“ einen Ritus, der bei den germanischen Völkern nach der Geburt stattfand.

Die Hebamme trat hierbei als Priesterin auf – als eine Art Vermittlerin zwischen der jenseitigen und der diesseitigen Welt. Dazu nahm sie das Neugeborene und legte es auf die strohbedeckte Erde um es der Erdmutter, der „Frau Holle“, zu weihen. Dabei „umschritt“ das Kind dreimal und „beschaute“ es. Das heißt sie begutachtete es in seinem Gesundheitszustand. War es gesund und lebensfähig, hob sie es auf. Daher stammt das Wort Hebamme (althochdeutsch „HEVANNA = HEBE AHNIN“). War das Kind hingegen schwächlich, lebensunfähig oder gar verkrüppelt, wurde es nicht aufgehoben sondern hinter der Hecke im Wald ausgesetzt.

Das „aufgehobene“ Neugeborene bekam von der Hebammen-Priesterin einen Segensspruch, wurde mit dem Lebenselement Wasser besprengt oder gebadet und dann auf den Schoß des Vaters gesetzt. Dieser nannte das Kind beim richtigen Namen, den er entweder geträumt oder als innere Stimme vernommen hatte. Denn man war davon überzeugt: der Mensch bringt seinen Namen mit, er wird nicht willkürlich benannt. Oft ist es der Name, den er schon vor der Wiedergeburt hatte. Häufig war es der Urgroßvater oder die Urgroßmutter, die da als reinkarnierte Seele dem Vater auf den Schoß gesetzt wurde. Das Wort „Enkel“ weist auf diesen ursprünglichen Bezug hin. Es bedeutet übersetzt nämlich so viel wie „Ähnchen“, also „Kleiner Ahne“.

Das Ritual des Aufhebens und der Namensgebung machte den Neuankömmling wieder zum Teil der lebenden Gemeinschaft. Er war jetzt wieder integriert und wurde von der Familie als wiedergeborene Seele willkommen geheißen.

Die Hexe als Seherin, Magierin und Zauberin

Frauen, deren Wissen weiter reichte als der praktische Umgang mit den Heilkräutern, wurden zu den „Weisen Frauen“ – den sogenannten „Seherinnen“ oder „Völvas“. Sie hatten ausgeprägte mediale Fähigkeiten und übten als Verkörperung der Großen Göttin in der Gesellschaft eine wichtige Funktion aus. Darüber habe ich in meinem letzten Artikel ausführlich geschrieben: „Hexen, Teil 1 – Die Weisen Frauen unserer germanischen Vorfahren.“

Die Pflanzen und Kräuterheilkunde spielte dabei noch immer eine wichtige Rolle. So wie die kräuterkundigen Frauen, wussten auch die Völvas von der arzneilichen Wirkung der einzelnen Pflanzen. Als Zauberinnen bzw. Magierinnen kombinierten sie jedoch ihre Heilmethoden mit Zauberformeln und Ritualen. Sie versetzten sich in Trance und gingen mit dem Pflanzengeist in Kontakt um die Krankheitsdämonen zu vertreiben und auf der geistigen Ebene Heilung zu bewirken. Ähnlich wie wir es heute noch von so manchen Indianerstämmen kennen, stellte die Pflanze einen wichtigen Verbündeten dar mit dem höchst achtsam und respektvoll umgegangen werden musste. Die Völvas selbst waren dabei Meisterinnen im Umgang mit den Pflanzendevas. Ihre Fähigkeiten waren hoch geschätzt sowie gefürchtet und sie hatten eine Vielzahl an Aufgaben inne. Die wichtigsten waren wahrscheinlich:

Weissagung

Diese Seherinnen wurden zu Rate gezogen, wenn es z.B. um Ernteerträge, den Erfolg einer Jagd oder eines Raubzuges ging, aber auch um das Schicksal von Einzelnen oder Liebespaaren vorherzusagen. Es gibt Berichte von den Römern, die sich darüber wunderten, dass große Schlachten nicht geführt wurden weil die Seherinnen davon abrieten.

Sexualmagie und Liebeszauber

Die Völvas wußten um all die Kräuter, mit denen sie eine Frau schön und attraktiv machen konnten um einen Mann zu verzaubern oder zu betören. Sie waren für ihre Kunst, Liebestränke zu brauen, Liebeszauber zu vollführen oder bestehenden Zauber zu brechen, legendär. Ebenso hatten sie Kenntnis über den Einsatz und die genaue Dosierung von aphrodisierenden Pflanzen um das sexuelle Feuer zu entfachen.

Wetterzauber

Wuchs das Getreide am Feld nicht, wurden Ernten durch Unwetter zerstört oder blieb der heiß ersehnte Regen aus, so vermochten sie darauf Einfluss zu nehmen. Ähnlich den heutigen Schamanen kannten sie Rituale um Regen zu machen oder Ernteerträge zu erhöhen und die irdischen wie himmlischen Kräfte wieder in Balance zu bringen.

Welche Pflanzen für diese Rituale Verwendung fanden, warum man die besonders giftigen Vertreter als Zauberpflanzen bezeichnete und mit welchen Ingredienzen das Bier gebraut wurde, bevor das Reinheitsgebot Einzug fand – all das erfährst du in meinem nächsten Artikel: „Hexen, Teil 3 – Die mächtigen Zauberpflanzen der Hexe“

Das Wiedererwachen der Hexenmedizin im Heute

Die Hexenmedizin, wie sie einst existierte, fiel der jahrhundertelangen Hexenverfolgung zum Opfer. Und alles, was do noch irgendwie überlebte, wurde durch die naturfremde Ratio der Aufklärung restlos getilgt. Das, was uns an Wissen heute erreicht, stammt vorwiegend aus kirchlichen Schriften à la Hildegard von Bingen oder wurde durch angesehene Gelehrte wie Dioskurides oder Paracelsus weitervermittelt. Den heidnischen Wurzeln selbst, denen das Wissen eigentlich entspringt, wurde jegliches Leben ausgehaucht……bis heute.

Es mag vielleicht kaum mehr was von den eigentlichen Kräuterhexen, Kinderbringerinnen und Magierinnen selbst nachzulesen sein, doch geschieht meinem Empfinden nach in unserer modernen Gesellschaft etwas viel Tiefgreifenderes als altes Wissen durch Recherche zugänglich zu machen. Immer mehr hochempfindsame Menschen bekommen ein neues Vertrauen in ihre Wahrnehmung, in die klare Eingebung ihrer Intuition. Als ob sie durch ein unsichtbares Band mit diesen einst heilkundigen Vorfahrinnen verbunden wären, lernen sie wieder selbst zu „sehen“ und die Heilkräfte der Pflanzen am eigenen Leib wahrzunehmen anstatt die Informationen aus einem Buch herunterzubeten.

Wir nennen das gegenwärtig „hellsehen“ oder „hellfühlen“ und die meisten verbannen es noch ins Reich der Esoterik. Dabei ist es in Wirklichkeit der einzige, wirklich wahre Zugang zum Geheimnis der Heilkräfte welche der Natur innewohnen.

„Lebendigkeit kann nur durch Lebendigkeit geschaut werden, nicht durch kühle Logik.“

Das ist die eigentliche Hexenmedizin – die uns ständig umgebende Vielfalt, Schönheit und wesenhaften Erscheinungen der Natur zu spüren und in all ihrer unerklärbaren Tiefe anzuerkennen. Wenn das geschieht, wenn du bereit bist, dich auf das ganze Feld einzulassen, dann beginnst du das gesamte dir als Mensch zur Verfügung stehende Potential zu leben. Du beginnst zu deiner eigenen Natur zu erwachen.

Ich freue mich auf dein Kommentar!

herzliche Grüße,

Alfred Zenz Jun.

PS:

  • Mehr über die Völvas, Hexen und Magierinnen und ihren männlichen Kollegen den Druiden, erfährst du aktuell in meinem Vortrag „Druiden, Hexen & Zauberer“ am 04. Mai in Gröbming.
  • Welche Seele den Pflanzen innewohnt und auf welch heilsame Weise sie mit uns kommunizieren, das ist Thema meines Vortrages „Die Seele der Pflanzen“ am Do. 12. April in Fernitz bei Graz.
  • Wild- und Heilkräuter sind einer der besten Möglichkeiten mit der ursprünglichen Hexenmedizin wieder in Kontakt zu kommen! Die nächste Wildkräuterwanderung findet am Samstag, dem 21. April in Raaba-Grambach statt.

PPS:
Du möchtest richtig tief eintauchen und das Vergessene Wissen der Druiden, Kräuterhexen und Pflanzenheilkundigen in dir wieder zum Leben erwecken?

…dann werden dich diese Veranstaltungen sicher interessieren:

„Zur Natur Erwachen“ – 4tages-Intensiv-Retreat zur Erweckung deiner (über)natürlichen Fähigkeiten; an einem wunderschönen Kraftort in Südkärnten

„Ausbildung zum Medium für Pflanzen- und Naturwesen“ – heuer erstmals im Programm! Sie findet in der Nähe von Graz statt und erstreckt sich über 3 Module.

 

 

 

Quellennachweis

  • Wolf-Dieter Storl, Claudia Müller-Ebeling, Christian Rätsch, Hexenmedizin, 10. Auflage, 2015
  • Ralph Metzner, Brunnen der Erinnerung, 3. verbesserte Auflage 2016
  • Helmut Birkhan, Kelten: Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur

Im letzten Artikel handelte von: „Die keltischen Druiden – die Baum-Weisen, die mit den Bäumen sprechen konnten“. Sie stellten das männliche Pendant zur Hexe dar. Weiß man über die Druiden nur Dürftiges, so gibt es über die Hexen weit mehr zu berichten. In diesem Artikel möchte ich mit dir zurück zu ihren Ursprüngen gehen und ein neues Licht auf ihr eigentliches Wesen werfen – nichts was etwas mit den modernen Klischees der Hexe gemein hat.

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Sie haben hakige, krumme Nasen, ein verunzeltes Gesicht mit schiefen Zähnen und wohnen irgendwo versteckt im Walde. Und sie sind natürlich böse. Das stellen sich zumindest die meisten Leute heutzutage unter einer Hexe vor, wenn sie das Wort hören. In so gut wie jedem Film repräsentiert sie die dunkle Macht, die andere Menschen verzaubert und ihnen Übles will. Und selbst wenn sie manchmal als schöne Frau erscheint, so verbirgt sich doch etwas zutiefst Hässliches hinter dieser verzaubernden Maske. Da müssen sich die Männer schon ordentlich in Acht nehmen! Eine Frau als „Alte Hexe“ zu bezeichnen, ist definitiv ein Schimpfwort und keine Liebkosung.

Das Klischee der Hexe

Fragt sich, womit hat die Hexe das alles verdient? War sie in ihrem Ursprung wirklich die „Böse Zauberin“, welche unschuldige Menschen mit Flüchen und Krankheiten belegte, kleine Kinder entführte oder gar heftige Unwetter heraufbeschwörte? Musste man wirklich Angst vor ihnen haben oder hatten sie für die herrschende Oberschicht einfach nur zu viel Macht inne, die ihnen letztendlich das Todesurteil bescherte?

Wahrscheinlich war es so. Denn, was kaum einer weiß – Hexen waren in ihrem Ursprung alles andere als Unheilbringend. Sie hatten vielschichtige Aufgaben in der Gesellschaft – von der Heilkundigen bis hin zur Hebamme und Seherin. Sie waren die Behüterinnen eines heiligen Wissens, das der klaren Quelle der Intuition, der Hellsichtig,- und Fühligkeit sowie einer unmittelbaren Schau der Natur entsprang. In ihrem Ursprung stellt die Hexe die Verkörperung der weiblich-schöpferischen Kraft der Erde da, um diese in ihrem heilenden Aspekt den Menschen zukommen zu lassen. Und ihr Wirken hatte Kraft und vor allem auch Macht, weshalb sie irgendwann auch gefürchtet wurden.

Um letztendlich die Rolle der Hexe zu verstehen, muss man weit zurück bis an die Wurzeln gehen. In eine längst vergangene Zeit, wo Frauen insgesamt ein hohes Ansehen genossen und weit mehr als nur liebende Mütter versinnbildlichten.

Zurück zu den Wurzeln – Der Beruf der Seherin

Die Herrschaft der Frau

Unsere urheimischen Wurzeln gehen zurück bis in eine Zeit um ca. 6000 v. Chr. Diese ursprünglichen, alteuropäischen Gesellschaften waren damals matrilinearisch ausgerichtet. Das heißt die Frau war die Herrschende und Gebietende und die Erde war ihr heilig. Denn es wurden die Naturgottheiten des Wassers, der Erde, des Wachstums, der Wonne, der Fruchtbarkeit und des Waldes verehrt. Allessamt nährende und beschützende Kräfte, die mit gefeierter Sexualität und üppiger Fülle in Verbindung standen. So fand man um diese Zeit herum 10x mehr Göttinnen-Statuen als Götter-Statuen, keinerlei Befestigungsanlagen, Waffen, Streitwägen oder sonstige kriegerische Utensilien! Allen Anschein nach kannten die alteuropäischen, weiblich ausgerichteten Kulturen keinen Krieg – zumindest nicht im herkömmlichen Sinne.

Die Vorfahren der Kelten und Germanen

Doch dieser Frieden währte nicht ewig. Im 3. und 4. Jahrtausend wanderten nomadische, patriarchalische Kriegerbanden ein und überfielen die einheimischen, matrilinearen Gesellschaften. Es waren die von Osten, also Asien, Russland usw., kommenden Stämme der Kurganen und Arier, die wir heute als Indoeuropäer bezeichnen. Diese männlich organisierten Nomadenvölker brachten ihre eigenen Himmelsgötter wie Wotan, Odin und Thor mit und integrierten die weiblichen Naturgottheiten in ihre religiöse Auffassung. Über die Jahrtausende verschmolzen diese Völker miteinander und wurden so die direkten Vorfahren der Kelten und Germanen.

Völvas – Der Beruf der Seherin

Obwohl durch die Vermischung dieser einwandernden und kriegerischen Hirtenvölker die weiblich organisierten Strukturen aufgelöst und verändert wurden, hatte die Frau dennoch eine wichtige Stellung inne. Vor allem war sie dem Mann auf Augenhöhe gleichgestellt. Etwas, was für die streng männlich organisierten Römer unverständlich erschien.

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus bemerkte dazu: „…dass die alten Germanen in ihren Frauen so etwas wie heilige Wesen mit Sehergabe“ erblickten und fügte hinzu, „dass sie den Frauen eine derartige Verehrung erwiesen, ohne dass man ihnen…in niedriger Unterwürfigkeit geschmeichelt oder gar Göttinnen aus ihnen gemacht hätte.“ (Auszug aus dem Buch „Kelten“ von Helmut Birkhan)

Die Frau hatte innerhalb des Clans, also des Stammes, sehr wichtige Aufgaben inne und wurde hoch geschätzt. Eine bestimmte Gruppe von Frauen repräsentierten die sogenannten Völvas oder Seherinnen. Das Wort „Völva“ bedeutet „Stabträgerin“ und baut auf dem altnordischen Wort „völ“ („Stab“) auf. Ralph Metzner beschreibt in seinem Buch „Brunnen der Erinnerung“, dass die Völvas bei ihren Wahrsageritualen unter anderem einen mit Bronze umwickelten Stab mit Steinen am Ende hatten und einen Dolch mit einem Griff aus Elfenbein bei sich trugen. Die Spitze des Dolches war dabei abgebrochen. Eine abgebrochene Spitze bedeutet immer, dass diese Waffe für eine Zeremonie und nicht für den Kampf gedacht ist. Völvas waren hochbegabte Medien mit außersinnlichen Fähigkeiten. Sie machten ihre Prophezeiungen und Weissagungen im Rahmen eines Rituals, das altnordisch „Zauber“ genannt wurde.

„…Die Seherin sitzt diesen Beschreibungen zufolge auf einer hohen Plattform. Zu Beginn der Zeremonie werden von jungen Mädchen Lieder und Beschwörungen angestimmt, die scheinbar eine Art Trance oder veränderten Bewusstseinszustand bewirken. Die Völva fängt dann an, heftig zu atmen, schließt ihre Augen, seufzt und wiegt ihren Kopf, manchmal auch Hände und Stab….“ (Ralph Metzner, Brunnen der Erinnerung, S. 150)

Die „Völva“ – Die „Stabträgerin“

Diese Seherinnen wurden zu Rate gezogen, wenn es z.B. um Ernteerträge, den Erfolg einer Jagd oder eines Raubzuges ging, aber auch um das Schicksal von Einzelnen oder Liebespaaren vorherzusagen. Manchmal wurde sie auch angerufen, um einen Zauberbann zu brechen oder einen neuen zu erwirken. In diesem Sinne galten sie als mächtige Magierinnen, die man auch zu fürchten wußte. Die erhaltenen Berichte weisen darauf hin, dass die Völvas ursprünglich in Neuner- oder Dreizehnergruppen umherreisten, um ihre Weissagunsrituale durchzuführen. So darf man annehmen, dass es sich bei dieser „Seherschaft“ um einen Beruf handelte, der von Frauen organisiert und ausgeübt wurde.

Wie wurde nun aber aus diesen hochangesehenen Völvas Hexen?

Die Geburt der Hexe – „Hagazussa“

Die Wilde Hecke als schützende, undurchdringliche Wand

Dazu musst du verstehen, dass unsere Vorfahren einst im und mit dem Wald lebten. Der Wald war ihnen heilig. Wolf-Dieter Storl beschreibt im Buch „Hexenmedizin“, dass noch bis ins frühe Mittelalter hinein die Baumdecke in ganz Europa so dicht war, dass ein Eichhörnchen von Dänemark bis Südspanien von Baum zu Baum hätte springen können, ohne auch nur jemals den Boden berühren zu müssen! So waren die ersten neolithischen Siedlungen winzige Inseln im Grünen Blättermeer von Wald!

Als die Menschen dann sesshafter wurden, begann man Bäume zu fällen, um Ackerbau zu betreiben. Aufgrund dessen, dass die Flächen stetig freigehalten und die ständig wuchernden Sträucher am Waldrand immer wieder zurückgeschnitten wurden, entstand irgendwann die legendäre Hecke. Bestehend aus Weißdorn, Wildrose, Brombeere, Schlehdorn und anderem wilden Gewächs, repräsentierte sie eine dichte, undurchdringliche Wand, die vor allem Schutz bot. Denn der Wald galt inzwischen als unheimlich. Es war der Ort, wo die wilden und gefährlichen Tiere lebten, vor denen man sich in Acht nehmen musste. Gleichzeitig hielt die Hecke auch das Wild davon ab, über die Ernte herzufallen. Die Hecke war der „lebende Zaun“, der die nötige Sicherheit vermittelte. Noch heute symbolisieren die dornigen Heckengewächse, vor allem der Weißdorn und die Wildrose, den geschützten, ungestörten Schlaf. Im Märchen von „Dornröschen“ scheint diese Symbolik beispielsweise stark auf.

Die Hagazussa – Die Heckensitzerin

So teilte sich die Welt allmählich in befriedetes Kulturland einerseits und andererseits in die Wildnis da draußen hinter der Hecke. Innerhalb der Hecke grasten die zahmen Nutztiere, außerhalb davon wohnten die gefährlichen, wilden Tiere. Bei den Menschen wohnten die freundlichen Haus- und Hofgeistern und jenseits des Dornengestrüpps hausten dämonische Gestalten. Aber so wie heute auch, galt der Waldrand, die natürliche Hecke, als der Standort, wo besonders heilkräftige Kräuter und Zauberpflanzen wuchsen. Da die Frauen als „Sammlerinnen“ seit Alters her den Pflanzen näher standen als es die Männer als „Jäger“ taten, wuchsen die Mädchen mit der Kunst des Kräutersammelns auf und lernten ihre Heilkräfte entsprechend einzusetzen.

So hielten sich gewisse Frauen wohl oft stundenlang im Bereich der Hecke auf, was ihnen die Bezeichnung „Hagadise, Hagezusse“ einbrachte – „das Weib“ („Zussa“) oder „der Geist“ („Dise“) „im Hag“ („der Hecke“). So und ähnlich nannten sie die verschiedenen germanischen Völker. Die alten Skandinavier tauften sie auch „Tunritha“ – „die Zaunreiterin“. Der Begriff Hexe lässt sich also ganz vereinfacht auf „hae“ – „Gebüsch“ oder „hag“ – „Hecke“ – zurückführen und bedeutet schlicht „Busch- oder Waldweib“.

So waren die ursprünglichen Hexen unter anderem heilkräuterkundige Frauen, die viel Zeit mit dem Sammeln von Pflanzen verbrachten. Aber nicht nur deshalb bekam sie die Bezeichnung „Heckensitzerin“, sondern auch, weil sie in der Ausübung als Völva mit der Anderswelt verkehren konnte. Denn die Hecke symbolisierte auch die Wand zwischen Diesseits und Jenseits. Sie war wie ein Schleier zwischen den Dimensionen der Wirklichkeit. Und die Seherinnen vermochten in diese anderen Welten zu reisen, um von dort Botschaft und Heilung zu erwirken. Ähnlich wie die heutigen Schamanen fielen sie dazu in eine Art Trance. Das Wort „Trance“ kommt übrigens aus dem lateinischen „transire“ und bedeutet so viel wie „hinübergehen“. Sie „gingen“ also jenseits der Hecke und vermochten sich durch den „Schleier“ der Welten hindurch zu bewegen.

Völvas waren hochbegabte Medien und Magierinnen, die umherreisten, um ihre Weissagunsrituale durchzuführen.

Das Wiedererwachen der Naturgöttinnen

Alles in allem war die Hexe ursprünglich also alles andere als böse. Eher galt das ihr zugrundeliegendes Prinzip als heilig und lebensbringend. Das englische Wort für Hexe – „witch“ – weist sehr direkt darauf hin. Es leitet sich nämlich aus der Bezeichnung „wicca“ ab, was so viel wie „die den Göttern geweihte“ bedeutet. Denn die Hexe hatte in der Gesellschaft überlebenswichtige Rollen, die ihr großes Ansehen einbrachten.

Welche Aufgaben sie als Kräuterheilkundige, Hebammen, Liebesorakel, Seherinnen wie Magierinnen ausübten, erfährst du in einem meiner nächsten Artikel. Denn hier gibt es so viel Spannendes zu erzählen, dass es den Rahmen hier sprengen würde.

Aber eines sei gewiss. Die Kraft der Hexe in ihrem lebensbejahenden und heilbringenden Aspekt beginnt heutzutage wieder neu zu erwachen. Auch wenn über die Jahrtausende alles Mögliche dazu unternommen wurde, dieses heilige Wissen von der Bildfläche verschwinden zu lassen – es kehrt zurück.

Heilkräuterkurse, Hildegardmedizin und Naturtherapien sind im Vorschreiten und rücken immer mehr ins Bewusstsein des modernen Menschen. Immer mehr Frauen entdecken ihre weibliche Schöpferkraft jenseits des Mutterseins und finden zurück zu ihren eigentlichen Wurzeln, die der tiefen Weisheit von Mutter Erde entspringen. Dabei geht es in dieser wiedererwachenden Naturmedizin um weit mehr als um das praktische Wissen von Heilkräutern im Einsatz für körperliche Beschwerden aller Art. Es geht letztendlich darum wieder eine ganzheitliche Schau der Natur zu erlangen. Sie nicht nur in ihrem stofflichen sondern auch in ihrem unsichtbaren, feinstofflichen Anteil wahrzunehmen und anzuerkennen.

Es ist die verschüttete Fähigkeit mit den Tieren und Pflanzen zu reden und mit den Natur- und Elementarwesen Kommunion zu halten. Wenn wir uns für diese Kräfte wieder öffnen, das was einst die Völvas, Seherinnen und Magierinnen taten, dann verbinden wir uns wieder mit allen uns zur Verfügung stehenden Ressourcen – wesenhafte Energien und Kräfte, die uns ständig umgeben. Und wenn das geschieht erkennen wir vor allem eines: Das wir selbst Teil der Natur sind und nicht von ihr getrennt leben. Wir kommen zurück nach Hause.

Ich freue mich auf dein Kommentar!

herzliche Grüße,

Alfred Zenz Jun.

PS:
Mehr über die Völvas, Hexen und Magierinnen und ihren männlichen Kollegen den Druiden, erfährst du aktuell in meinem Vortrag „Druiden, Hexen & Zauberer“, den ich derzeit in Teilen Österreichs halte.

PPS:
Du möchtest das Vergessene Wissen der Druiden, Kräuterhexen und Pflanzenheilkundigen in dir wieder zum Leben erwecken?

…dann werden dich diese Veranstaltungen sicher interessieren:

„Zur Natur Erwachen“ – 4tages-Intensiv-Retreat zur Erweckung deiner (über)natürlichen Fähigkeiten; an einem wunderschönen Kraftort in Südkärnten

„Ausbildung zum Medium für Pflanzen- und Naturwesen“ – heuer erstmals im Programm! Sie findet in der Nähe von Graz statt und erstreckt sich über 3 Module.

 

 

 

Quellennachweis

  • Wolf-Dieter Storl, Christian Rätsch, Claudia Müller-Ebeling, Hexenmedizin, 10. Auflage 2015
  • Ralph Metzner, Brunnen der Erinnerung, 3. verbesserte Auflage 2016
  • Helmut Birkhan, Kelten: Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur

 

„Glaube mir, denn ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern. Bäume und Steine werden dich lehren,
 was du von keinem Lehrmeister hörst.“
 (Bernhard von Clairvaux)


Sie scheinen Figuren aus einer anderen Zeit zu sein und doch sind sie in unserer Gesellschaft hoch lebendig – zumindest in der Film- und Fernsehwelt. Sie erscheinen dort als z.B. „Gandalf der Graue“ bei Herr der Ringe oder als der Oberzauberer „Albus Dumbledore“ bei Harry Potter. Und sie begeistern als diese Charaktere ein Millionenpublikum. Zudem erfahren Filme und Serien über die Kelten und Germanen, vor allem in Form der kriegerischen Wikinger, gerade einen unglaublichen Boom. Manch einer mag das vielleicht als eine Modeerscheinung abtun. Ich aber glaube, es ist weit mehr als das.

Es ist fast so, als ob ein längst Vergessenes Wissen beginnt erneut zu erwachen und sich seinen Weg zurück an die Oberfläche des Alltags-Bewusstseins bahnt. Das Vergessene Wissen der Medizinmänner, Weisen Frauen, Seherinnen und Pflanzenheilkundigen, das uns vor allem daran erinnert, dass wir einst die Fähigkeit besaßen mit den Tier- und Pflanzengeistern zu reden und die Natur als unmittelbarste Kraftquelle für Rat und Heilung zu nutzen wußten.

Einer der wichtigsten Naturvermittler dieser (scheinbar) vergangenen Zeit waren die sogenannten Druiden. Sie umhüllt ein ein mystisch-magischer Schleier, der sie in unserer Vorstellung zu Magiern, Zauberern oder „Weisen Alten Männern“ macht. Aber wer waren sie wirklich, die sogenannten „Baum-Weisen“, die mit den Bäumen sprechen konnten und à la Miraculix heilkräftige Zaubergetränke brauten? Welche Macht hatten sie tatsächlich in der Gesellschaft, wie sah ihre Ausbildung aus und welche Bedeutung hatten die RUNEN – die magischen Schriftzeichen der Kelten und Germanen – in ihren Praktiken?

Was das Wort „Druide“ eigentlich bedeutet

Das Wort Druide selbst setzt sich zusammen aus dru-wid, also „dru“ – was entweder Eiche, Baum, Wald oder Tür bedeutet und dem indoeuropäischen „wid“, das sich von Wissen oder Sehen herleitet. So waren die Druiden die „Eichenwissenden“, „Baumwissenden“ , „Waldwissenden“ oder auch „Türwissenden“ – sie konnten die Tür in die jenseitige Welt öffnen und diese wie die heutigen Schamanen bereisen. Welcher Begriff jetzt genau zutreffend ist, darüber streiten sich bis heute die Sprachwissenschaftler. Für mich ist es stimmig die Druiden allgemein als „Die Baum-Weisen“ zu bezeichnen – die, welche um der Bäume innewohnenden Weisheit wussten.

Die Stellung der Druiden in der Gesellschaft

Dank der ausführlichen Beschreibungen von Julius Cäsar und dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus, wissen wir so einiges über ihre Aufgaben innerhalb der Gesellschaft derer sie angehörten.

Sie hatten die höchste Stellung inne, waren verantwortlich für Opfer,- und Kulthandlungen und legten dazu auch die „religiösen“ Vorschriften fest. Sie waren bewandert in Astronomie und Naturwissenschaft und kannten sich mit den Gestirnen aus. Ebenso entschieden sie über private wie öffentliche Streitigkeiten – von schweren Verbrechen bis hin zu Grenzstreitigkeiten – und sprachen darüber Recht und Urteil aus. Fügte sich jemand nicht ihrem Spruch, so konnten sie die schwerste aller Bestrafungen verhängen und diesen Menschen aus der Gesellschaft ausschließen bzw. verbannen.

Diese Urteils- und Rechtssprechungen erfolgten an bedeutsamen und heiligen Stätten – sehr oft waren das alte Bäume, die eine Art direkter Draht zu den Göttern darstellten.

Das Thing – Die Ratsversammlung

1000jährige Eiche von Birnbaum

Von den Römern ist überliefert, dass, wenn die Kelten Rat hielten, sich zu einem „Thing“ versammelten, einer Art Ratsversammlung wo wichtige Entscheidungen getroffen aber auch Gericht gehalten wurde. Meist fand dieses „Thing“ unter alten Bäumen im Dorf statt. Noch heute kennen wir die Dorfeiche oder Dorflinde, die bis in die Jetztzeit noch eine Rolle spielen. Angeblich fielen dabei Urteile, die unter Eichen gefällt wurden, etwas „härter“ aus im Gegensatz zu Linden, wo das Urteil tendenziell – richtig geraten 🙂 – etwas „linder“ war.

Im Süden von Österreich gibt es z.B. die „1000jährige Eiche von Bierbaum“ bei Blumau. Auf einer am Stamm befestigten Gedenktafel kann man nachlesen, dass hier viele Dorffeste aber auch viele Gerichte stattfanden. Noch zu spätmittelalterlicher Zeit, so wird berichtet, wurden zum Tode Verurteilte an ihren Ästen aufgehängt.

Die 21jährige Ausbildung zum Druiden

So genoss das Amt des Druiden höchstes Ansehen. Dazu kam, dass sie für gewöhnlich nicht am Krieg teilnahmen, keine Steuern zahlten und auch von allen anderen Lasten befreit waren. Das war natürlich alles sehr verlockend. So wird berichtet, dass eine hohe Anzahl von jungen Männern Schlange standen, nur um in ihren Ausbildungskreis aufgenommen zu werden.

Die Ausbildung selbst dauerte ganze 21 Jahre! Alleine 7 Jahre davon verbrachten die Schüler im Wald, um von der größten aller Lehrmeisterinnen – Mutter Natur – zu lernen. Durch diesen intensiven und unmittelbaren Naturkontakt wurden sie nicht nur zu ausgezeichneten Beobachtern, die um die Naturgesetze wußten, sondern sie pflegten auch den innigen Austausch zu den feinstofflichen Geistwelten der Tiere, Pflanzen, Steine, Flüsse und Wälder. Sie wußten mit diesen Kräften zusammenzuarbeiten, um es z.B. regnen zu lassen, die Fruchtbarkeit der Felder zu erhöhen oder kranke Menschen zu heilen. Sie waren die Vorfahren der heutigen Schamanen und Medizinmänner, die Türen zu Welten und Dimensionen öffnen können, was dem normal Sterblichen verwehrt bleibt.

Und eines ist gewiss: Es war angewandte Praxis, nicht theoretisches Wissen sondern gelebte Weisheit, die der unmittelbaren Schau aller Dinge entsprang. Vielleicht war es ihnen deshalb nicht so wichtig irgendetwas aufzuschreiben…

Das Fehlen von schriftlichen Aufzeichnungen

Eines der Dinge, die Julius Cäsar am meisten irritierte, war, dass sie all diese magischen Fähigkeiten, all die Rituale, Zaubersprüche und Heilpraktiken, nicht schriftlich festhielten. All das heilige Wissen wurde ausschließlich mündlich weitergegeben.

Julius Caesar vermutet aus folgenden Gründen:

„Dort lernen sie, wie es heißt, eine große Menge von Versen auswendig. Es ist nämlich streng verboten, ihre Lehre aufzuschreiben.… Dies scheint mir aus zwei Gründen so zu halten:
Sie wollen ihre Lehre nicht in der Masse verbreitet sehen und zudem verhindern, dass die Zöglinge im Vertrauen auf die Schrift ihr Gedächtnis zu wenig üben…“ (nach der Beschreibung von Julius Cäsar aus dem Buch „Kelten“ von Helmut Birkan)

Was waren dann also diese magischen, sagenumwobenen RUNEN, wenn nicht ihre Schrift?

Das Geheimnis der RUNEN

Runen für magisch-rituelle Zwecke

Das Wort Rune stammt von „run“ oder „runa“ und bedeutet in allen germanischen und keltischen Sprachen „Geheimnis“ oder „Rätsel“. Für die Druiden waren die Runen der Schlüssel, der Zugang zum „Raunen“, das sie aus dem Wind, dem Rascheln der Blätter oder dem Knarren eines Baumes, als die Stimmen der Götter und Geistwesen vernahmen, die ihnen die Geheimnisse des Lebens offenbarten.

So dienten die Runen in erster Linie für magisch-religiöse Zwecke, für heilige Rituale, Weissagungen und Beschwörungen und waren definitiv so etwas wie Kraftsymbole, die große Macht und Zauber inne hatten. Sowohl Julius Cäsar als auch der römische Geschichtsschreiber Tacitus waren hoch beeindruckt von dem Vertrauen, dass die Kelten und Germanen in ihre Wahrsagekunst mittels Runen legten. So wurden z.B. große Schlachten nicht geführt, weil die Druiden oder Seherinnen („Völvas“die Weisen und hellsichtigen Frauen der Kelten) nach der Befragung mit den Runen davon abrieten. Das war für den logischen, römischen Hausverstand einfach nicht nachvollziehbar….

Woher das Wort „Buchstabe“ kommt

Die Runen wurden unter anderem mit den Ästchen von Bäumen gelegt – z.B. mit denen der Rotbuche, deren Holz aufgrund seiner Härte und Schwere gut dafür geeignet war. Der Name „Buch-Stabe“ dürfte davon abgeleitet sein.

Heilige Haine – Die Grünen Kathedralen der Druiden

Rotbuchenwald bei Graz

So heilig den Druiden die Bäume waren, so heilig waren ihnen natürlich die Wälder. Man muss kein Geschichtsforscher oder Ethnobotaniker sein, um nachzuempfinden, was für eine Schönheit, Kraft und Heiligkeit ein naturbelassener, sonnendurchfluteter Wald ausstrahlt. Dabei waren die Heiligen Haine sicherlich Kraftplätze, durchzogen von geomantisch auffälligen Energielinien, eingebettet in atemberaubend schönen Landschaften, bereichert mit Heilquellen und belebt von unzähligen Natur- und Elementarwesen.

Heilige Haine waren Heiligtümer, wo Rituale, Versammlungen, Opferhandlungen, Feste und Weissagungen stattfanden. Sie waren „lebendige Kathedralen“, deren Säulen die Stämme uralter Baumriesen waren und deren Dächer aus den mächtigen Kronen des Waldes gebildete wurden – Die „Grünen Kathedralen“ unserer keltisch-germanischen Vorfahren. Nicht per Menschenhand gebaut sondern direkt der tiefen Weisheit der Erde entspringend. Nichts, was ein Mensch jemals bauen könnte!

Der Untergang des Druidentums

Und es waren vor allem die Heiligen Haine, die im Zuge der Christianisierung das Ziel der gezielten Zerstörung heidnischer „Religion“ waren. Denn die Eroberer der damaligen Zeit wußten: Will man einer Kultur, einem Volk seine Kraft nehmen, so zerstöre man ihre Heiligtümer und töte ihre spirituellen Oberhäupter.

Es war der Bischof von Tours, der im Gallien des 4. Jahrhunderts den Brauch begann, aus religiösem Fanatismus heraus heilige Haine zu zerstören. Und ein Bischof wie Papst tat es ihm über die Jahrhunderte nach gleich.

Einer der Höhepunkte beschreibt im 8 Jahrhundert das Fällen eines „heidnischen Hauptheiligtums“ durch Karl des Großen. Es war die vollständige Vernichtung der „Irminsul bei Eresburg“. Eine Art „gigantische Säule“ – wahrscheinlich eine unvorstellbar riesige, uralte Esche – die wohl als internationales Zentrum des Geistlebens diente und für die Kelten so etwas wie den Weltenbaum, den Ursprung aller Schöpfung, symbolisierte. Diesem Massaker fielen in etwa 30.000 Sachsen zum Opfer. Das Ausmaß und die Bedeutung dieser Zerstörung ist vergleichbar, wie wenn man den St. Peters Dom im Vatikan dem Erdboden gleichmachen würde und alle Päpste und Bischöfe mitsamt der dort ansässigen Bevölkerung ermordet.

Die Zerstörung dieses bedeutendsten Heiligen Hains versetzte dem heidnischen Druidentum letztendlich den Todesstoß. Damit schnitt man uns von unseren Wurzeln ab und wir verloren den Kontakt zur Erde und somit zur Natur als beseeltes Wesen.

„Mehr als entwurzelte Bäume hinterließen sie entwurzelte Menschen zurück.“ (Fred Hageneder, Geist der Bäume)

Stonehenge – ehemals heilige Kultstätte der Druiden, in der Nähe von Amesbury in Wiltshire, England,

Das Wiedererwachen der Druiden im Heute

Es grenzt an ein Wunder, dass trotz jahrhunderter, wenn nich jahrtausenderlanger Verfolgung, Ermordung, Zwangsmissionierung und Entseelung der Natur im Zuge der Aufklärung und Industrialisierung dieses Vergessene Wissen noch immer da ist und stärker denn je in das Bewusstsein unserer modernen Gesellschaft rückt.

So mag vieles verloren gegangen sein, dennoch sind wir, wie über unsichtbare Energiebahnen, mit unseren keltisch-germanischen Vorfahren verbunden. Die Sehnsucht sich wieder bewusst mit der Natur zu verbinden, gewinnt an Kraft. Ich beobachte das mit Freude bei meinen Wildkräuterwanderungen, Pflanzengeisterworkshops, Naturseminaren und Wahrnehmungstrainings, wo Menschen über den Kontakt zur Natur zu ihrem innewohnenden Potenzial erblühen.

Und wenn dich dieser Artikel in irgendeiner Weise berührt hat, kann es sein, dass genau in dir diese Alte Weisheit der Druiden und Seherinnen wieder zum Leben erwacht und durch dich wieder in diese Welt gebracht werden möchte…

…um letztendlich ein neues Bewusstsein auf diesem Planeten zu schaffen – ein Naturbewusstsein, das uns wieder als Teil der Natur erfahren lässt – dass wir mit der Erde verbunden sind wie eine liebende Mutter mit ihrem Kind verbunden ist.

Ein Erwachen, das weit mehr ist als das Wieder-Aufleben von ur-heidnischen Bräuchen, sondern vor allem eine Not-Wendigkeit, wenn wir weiterhin gut auf diesem Planeten (über)leben wollen.

Ich freue mich auf dein Kommentar!

herzliche Grüße,

Alfred Zenz Jun.

PS:
Mehr über die Druiden und ihren Kolleginnen den „Weisen Frauen“ erfährst du aktuell in meinem Vortrag „Druiden, Hexen & Zauberer“, den ich derzeit in Teilen Österreichs halte.

PPS:
Du möchtest das Vergessene Wissen der Druiden, Kräuterhexen und Pflanzenheilkundigen in dir wieder zum Leben erwecken?

…dann werden dich diese Veranstaltungen sicher interessieren:

„Zur Natur Erwachen“ – 4tages-Intensiv-Retreat zur Erweckung deiner (über)natürlichen Fähigkeiten; an einem wunderschönen Kraftort in Südkärnten

„Ausbildung zum Medium für Pflanzen- und Naturwesen“ – heuer erstmals im Programm! Sie findet in der Nähe von Graz statt und erstreckt sich über 3 Module.

 

 

 

Quellennachweis

  • Wolf-Dieter Storl, Die Pflanzen der Kelten, 4. Auflage 2005
  • Ralph Metzner, Brunnen der Erinnerung, 3. verbesserte Auflage 2016
  • Helmut Birkhan, Kelten: Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur
  • Fred Hageneder, Der Geist der Bäume, 5. Auflage 2014

 

Wenn du mit offenem Herzen durch die Natur gehst, mag sich dir eine fantastische und magische Welt erschließen, die dich berührt und verzaubert. Manche Erscheinungen in der Natur sind so unglaublich konkret und ausdrucksstark, dass es manchmal schwer ist, dafür eine „vernünftige“ Erklärung zu finden. Es ist dann fast so, als ob sich die Naturgeister durch einen alten Baum, einem Stein, einem Wasserfall oder sogar durch die Flamme eines Lagerfeuers nur für dich zu erkennen geben 🙂

Sie wurde im August 100 Jahre alt – Meine Großmutter aus Übelbach. Trotz ihres Alters ist sie immer noch fit und vital und steigt sogar mehrmals täglich die steilen Stufen in den ersten Stock hinauf. Ich interviewte sie zum Thema Heilkräuter und bekam unglaubliche Geschichten erzählt. Wie man sich mit Asche die Zähne putzt, warum Holzhacken gegen Wehenschmerzen hilft und was ihr Geheimnis für ein gesundes, langes Leben ist – das alles erfährst Du in diesem Interview.

Indisches Springkraut
(botanisch: Impatiens glandulifera)

„Warte auf die rechte Zeit, das Leben zeigt sie dir – sei nur bereit!“

Warum das Indische Springkraut mehr als nur ein „aggressiver Neuankömmling“ ist

Seine Blüten zieren unsere Waldränder und Flussufer bis in den späten Herbst hinein. Es gibt inzwischen kaum mehr einen Menschen, der es nicht kennt, und viele die es verteufeln und gerne vernichtet sehen möchten – das Indischen Springkraut – einem sogenannten „Invasiven Neophyten“. Irgendwann in den 80er ist es aus den Tälern des Himalaya zu uns gekommen und breitet sich mit unglaublicher Vitalität aus. Angeblich soll es die heimische Flora verdrängen und viele Gemeinden rufen zum „Kampf“ gegen diesen Eindringling auf.

Ich wollte mir diese „unliebsame“ Pflanze einmal genauer anschauen, mit ihr in Kontakt treten und mir meine eigene Meinung von ihr bilden.
Als ich mir eine seiner Blüten ganz genau anschaue, muss ich staunen. Sie sind unglaublich ästhetisch und kunstvoll gebaut. Man könnte meinen, man blickt in den märchenhaften Palast eines Maharadschas hinein und der markante Duft ist beinahe etwas betörend, verzaubernd.

Muss man vor dieser Pflanze wirklich Angst haben?

Würde das Pflanzenwesen durch mich sprechen, was hätte es zu sagen?

„Zu wenig Platz um sich auszubreiten – das gibt den Stoff um den sich Menschen streiten. Fühl die Frische und die klare Luft, atme durch und rieche meinen Duft. Dann wirst du merken, dass ich für dich da, es immer bin und immer war.

Meine Kraft hilft dir im Warten dich zu üben, bei dir zu bleiben und dich nicht zu trüben. Sondern dem Ruf des Lebens folgen wie er hallt, wie eine Stimme die laut ruft: „Es ist jetzt Zeit!“ Und wenn die Zeit gekommen, wirst du vom Lebensrufe ganz benommen, aus tiefstem Herzen dich ergeben und grenzenlos die Freiheit leben.

Dann wirst du getragen und geführt und vielleicht vom Zauber namens Liebe tief berührt. Die dich in deinem Sein entfalten lässt, weil es dran ist, weil es ist dein eignes Fest! Denn erst wenn du bereit, dann führe ich dich ohne Scham und Eitelkeit, ganz ohne dieses Wollen, weg von dem, was du glaubst zu müssen und zu sollen.

Um wie versenkt in tiefer, innerer Stille, den einzig rechten Zeitpunkt wahrzunehmen, ohne des Verstandes Wille. Dann beginnst du kraftvoll nun zu fließen und zu gleiten, ohne Hadern, ohne Streiten. Alles wird im Einklang sein, wenn du dich hingibst dem, was wirklich Dein.“

Meine Begegnung mit dem Pflanzengeist

Blüte des Indischen Springkrauts

Ich fühlte mich sogleich verzaubert und fand mich in einem prunkvollen, palastähnlichen Raum wieder – prächtig, edel, glanzvoll und in ein herrliches Rosa getaucht. Alles strahlte vor Üppigkeit und Fülle und erinnerte mich an die Märchen aus 1000 und einer Nacht. In der Mitte des Raumes saß auf einem schwebenden Polster in meditativer Haltung vertieft eine königliche Gestalt – sie hatte die Erscheinung des indischen Gottes Ganesha (der Gott mit dem Elefantenkopf). Dann wurde mir eine kleine Statue in die rechte Hand gelegt. Es war eine Ballerina mit einem rosa Kleid. Die wurde plötzlich lebendig und begann in meiner Hand zu tanzen und zu einer lebensecht großen Gestalt heranzuwachsen. Sie begann kunstvolle, akrobatische Ballettsprünge zu vollführen. Es war ein Tanz der von Ästhetik und großer Kraft durchdrungen war. Auf einmal rannte sie kerzengerade auf mich zu und schoß geradewegs durch mich hindurch….Alles zerbarst in einem Lichtermeer aus Strahlen….Und plötzlich fand ich mich inmitten einer atemberaubend märchenhaft schönen Landschaft wieder. Von überall kam das klarste Wasser in Form von prächtigen Wasserfällen herabgeströmt. Wasser, das mich reinigte, klärte. Und ein wohliges, sanftes rosa Licht durchfloss mich – es war, als ob ich in einen erfrischenden Schlaf versank und eintauchte in die Welt der Träume.

Was das Indische Springkraut auf der geistig-seelischen Ebene für Dich tun kann

  • Es gibt Dir die Kraft zur rechten Zeit zu handeln

Eine der herausragendsten Wirkungen ist meiner Meinung nach wieder ein gesundes Verhältnis zu den Impulsen des Lebens zu bekommen.

Du kennst sicher die Momente, wo Du für etwas, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, einen unglaublichen Kraftaufwand benötigst. Oft geht das einher mit einer gewissen Überanstrengung, die letztendlich in Freudlosigkeit am Tun endet. Das geschieht, wenn wir aus einem zu starken Wollen heraus an unsere Projekte herangehen ohne auf die entsprechenden Impulse zu hören die sagen: „Ist noch nicht dran, geh es langsam an, es braucht noch Zeit…“

reife, schwarze Samen einer frisch explodierten „Kapsel“

Genauso kennst Du aber sicher auch die Momente, wo alles leicht von der Hand geht und schier Unglaubliches in kurzer Zeit vollbracht wird. Gleichzeitig sprühst Du dabei vor Freude und Enthusiasmus und hast das Gefühl einfach wunderbar „Im Flow“ zu sein.

Das Indische Springkraut hilft Dir diese Impulse wahrzunehmen, ihnen zu vertrauen und dadurch im richtigen Moment „aktiv“ zu werden. Es verhilft dir sozusagen zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein – nicht zu früh, nicht zu spät. Das drückt die Pflanze in ihrer Erscheinung selbst aus: Die Früchte sind sogenannte „Springkapseln“. Unreif, lassen sie sich nur zerquetschen, um dann zu den ohnehin noch unreifen Samen zu kommen. ABER! wehe es ist der richtige Zeitpunkt da! Dann reicht eine klitzekleine Berührung damit die Kapsel explodiert und den Samen bis zu 7 Meter weit in die Landschaft schleudert!

  • Es vereint und bündelt Deine Kräfte

Das Springkraut verbindet 3 Kraftzentren Deines Körpers sehr stark miteinander – den Bereich der Sexualkraft (Wurzelchakra), des Herzens (Herzchakra) und der Intuition bzw. Wahrnehmung (3. Auge). Es scheint diese Energiezentren zu aktivieren und zu öffnen wodurch ein gewaltiges Kraftpotential zur Verfügung steht. Wie eine Art „Schlüsselpflanze“, die die „Türschlösser“ aufspringen lässt.

Mich erinnert es an die extrem hohe Anspannung eines Olympia-Sprinters, der in den Startlöchern hockt und auf den Starschuss wartet. Bereit all seine Energie im Bruchteil einer Sekunde explodieren zu lassen und ALLES zu geben, ALLE Kräfte zu mobilisieren.

  • Es lässt Dich in Geduld üben und mildert inneren Leistungsdruck

Genauso, wie sie deine Kräfte zum „Bersten“ bringen kann, verschafft sie Dir gleichzeitig einen „kühlen Kopf“ und lässt Dich wieder gut zu dir kommen. Vor allem überhitzte und rastlose Gemüter erfahren durch das Springkraut eine gewisse „Besänftigung“. So wirkt es einer gewissen Überforderung entgegen und mildert den inneren Leistungsdruck. (Siehe auch Bachblüte `Impatiens` weiter unten)

  • Er vermittelt Dir Geistesklarheit und Frische

Es hat eine unglaublich erfrischende und klärende Wirkung für Geist und Seele. Es ist wie ein reinigender Wasserfall, der auf Dich herabströmt. Gleichzeitig wirkt es auch sehr harmonisierend und wohltuend.

Wie Du das Indische Springkraut für Dich nutzen kannst

  • Bewusste Begegnung (Meditation)

Wenn Du Dich inmitten einer Springkrautkolonie hineinstellst, wirst Du schnell seine erfrischende, reinigende Wirkung spüren und gut mit seinem seiner feinstofflichen Essenz in Kontakt kommen.

  • Als Heilpflanze äußerlich angewendet

    Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera)

Seine reinigende Wirkung findet sich auch auf der Körperebene wieder. Der frische Pflanzensaft (zerquetschte, frische Blüten, Früchte und Blätter) auf die Haut aufgetragen, mildert juckende Insektenstiche oder Nesselausschläge. Es wirkt hier wie ein lindernder Balsam.

Übrigens: In Nordindien, seiner Heimat, wird das abgekochte, blühende Kraut als abführendes, harntreibendes Purgiermittel eingenommen. Und mit den frisch zerquetschten Blüten werden Pilzinfektionen auf der Haut behandelt.

  • Bachblüte „Impatiens“

„Impatiens“ war eine der ersten Bachblüten von Edward Bach: die Essenz verwandelt Ungeduld, Gereiztheit und Voreile so, dass schnelles Handeln und Denken mit Geduld, Vergebung und Sanftmut einhergehen können. Es soll vor allem bei überaktiven Kinder Einsatz finden.

  • Als Wildgemüse

Die rosafarbenen Blüten sind eine duftige, leicht süß schmeckende und attraktive Deko. Die reifen, schwarzen Samen lassen sich frisch oder geröstet verzehren und haben einen angenehm nussigen Geschmack. Wir machen daraus gerne zusammen mit Haselnüssen, Brennnesselnsamen und anderen Zutaten ein Gourmet-Wildkräuer-Pesto. Die restlichen Pflanze ist aufgrund ihres hohen Gehalts an Seifenstoffen nicht genießbar.

Das Indische Springkraut wird auch Teil der Wildkräuterwanderung am kommenden Samstag, dem 23. September sein.

Es ist genug für alle da – Die Botschaft eines „Einwanderers“

Aber was ist jetzt damit, dass es die einheimische Flora verdrängt? Ist das so? Seit 15 Jahren sammle ich an entsprechenden Plätzen in der Natur Wildkräuter. Bis zu Johanni (also Mitte Juni) ist hier alles in reinster Vielfalt vertreten. Dann, im Laufe der Sommermonate beginnt das Indische Springkraut aufzuschießen und bevölkert ab September meterhoch die entsprechenden Landstriche….bis es nach dem Frost abstirbt und wieder Platz macht für die im Frühjahr aufschießenden Wildkräuter. Anscheinend ist doch genug für alle da. (Und das heißt nicht, dass ich es nicht ausreiße, wenn es mir an gewissen Stellen am Grundstück zu viel wird).

Zudem kann ich beobachten, dass die Bienen und Hummeln eifrig den Blütennektar sammeln. Zu einer Zeit, wo kaum mehr etwas blüht, erscheint es mir hier für die Insekten eher wie ein Segen anstatt wie ein Fluch.

Und mag es sein, dass es bestimmte, einheimische Arten bedrängt. Eines ist gewiss: Die Intelligenz der Natur macht nichts ohne guten Grund. Vielleicht ist die Pflanze sogar hier, weil sie eine unterstützende Kraft für unsere Natur darstellt? So, wie sie uns Menschen auf der geistig-seelischen Ebene hilft, vermag sie auch eine wichtige Funktion in der Landschaft zu haben – davon bin ich überzeugt.
Wie es oft so ist bei den Neophyten, wissen wir wenig über ihre Heilkraft und ihre Bedeutung für das Ökosystem. Ich bin mir sicher das würde sich ändern, würden wir uns näher mit der Pflanze befassen anstatt sie zu bekämpfen.

Blüten und „Springkapseln“ des Indischen Springkrauts (Impatiens glandulifera)

Die heilsame Kraft einer neuen Perspektive

Vielleicht wurde das Springkraut uns auch von Shiva gesandt – dem wichtigsten aller indischen Götter. Direktpost vom Fusse des Heiligen Himalaya-Gebirges 🙂 Vielleicht damit wir unsere Wahrnehmung für das Fantastische, Übersinnliche, Fabelhafte wieder entwickeln? Etwas, was in Indien und Nepal Teil der Kultur ist und bunte Paläste und Tempel entstehen lässt anstatt graues Gemäuer. Sozusagen „Im Auftrag ihrer Majestät.“ 🙂

Vielleicht gehörst ja auch Du zu den Menschen der „Neuen Zeit“, die sich lieber selbst von den Dingen überzeugen als ungefiltert „Wahrheiten“ zu übernehmen. Eines kann ich dir dabei versprechen: Du wirst eine Neue Perspektive gewinnen, die dir beim Anblick des Springkrauts anstatt Stress eher Wohlgefühl bereitet. Ist es nicht alleine das schon wert sich mit dem Wesen dieses Neuankömmlings näher zu beschäftigen?

Wenn ja, dann freue ich mich über einen Kommentar von Dir und wie Du für Dich das Indische Springkraut erlebst.

mit herzlichen Grüßen,

Alfred Zenz – Der Seelengärtner

 

 

 

Im ersten Teil  dieser Artikelserie „Die Natur als Coach“ durfte ich die Erlebnisse und Feedbacks von Naturseminar-Teilnehmern wiedergeben. Im zweiten Teil erklärte ich, warum die Natur so heilsam auf unser seelisches Befinden wirkt.

Im 3. und letzten Teil möchte ich Dir verraten, wie Du am besten mit den heilsamen Kräften der Natur in Kontakt kommst und Dir das ganze Potential ihres „Kraftfeldes“ erschließt.

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Wir sitzen zusammen im Halbkreis in einem wunderschönen Seminarraum mit Ausblick auf eine herrliche Blumenwiese. Es ist die Vorstellungsrunde der Teilnehmer eines Naturseminars. Für einen Teilnehmer war es eine besondere Auszeit, die er sich gönnen wollte, um wieder zurück in seine Kraft und Mitte zu finden.

Alex hatte gerade die Beendigung einer mehrjährigen Beziehung hinter sich und litt seit Wochen unter dem Trennungsschmerz. Als er an der Reihe war zu sagen, warum er heute hier ist, antwortete er: „…Sie konnte die Natur so gut wahrnehmen, sie konnte die ganzen Naturwesen sehen und spüren und mich dadurch so intensiv daran teilhaben lassen. Das konnte ich so sehr wertschätzen und ich vermisse diese, ihre Feinfühligkeit und Naturwahrnehmung. …Ich bin hier, um diese Fähigkeit in mir selbst zu entdecken und zu entwickeln und damit vielleicht auch wieder etwas Frieden in mir zu finden….“

Das war sein Ziel: Einen Teil dessen, was er für sich durch die Beziehung gefunden und durch die Trennung wieder verloren hat, wiederzugewinnen – seine Gefühlstiefe und feine Wahrnehmung.

Stellte sich die Frage: Würde es ihm überhaupt möglich sein, sich diese feinstoffliche Welt in so kurzer Zeit zu erschließen und entsprechend tief in seine Gefühlswelt einzutauchen? Oder wäre der Schmerz, der ihn dort erwartet einfach noch zu intensiv, zu überwältigend, so dass es für eine derartige Veränderung einfach noch zu früh wäre?

So viel sei gesagt: Alex ließ sich hingebungsvoll auf das ein, was ich als die „Gefühlsebene der Erde“ bezeichne und öffnete damit das Tor zu seiner „Wieder-Ganz-Werdung.“

Die Gefühlsebene der Erde – eine Grundschwingung liebender Freude

Eines der wichtigsten Dinge, die ich in meinen Wahrnehmungs-Trainings gar nicht oft genug betonen kann, ist, dass das „Bewusstsein“ der Natur nicht auf der mentalen sondern rein auf der emotionalen Ebene angesiedelt ist! (Das habe ich bereits im letzten Artikel beschrieben: „Die Natur als Coach Teil 2 – Warum die Natur so wirksam für Dein Seelenheil ist“)

Das heißt: Die Grundschwingung der Natur mit all ihren sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfen ist rein auf der Gefühls- oder Herzebene angesiedelt. Marco Pogacnik, einer der bekanntesten Autoren auf dem Gebiet der Naturwahrnehmung, bezeichnet sie wunderschön „…als eine Grundschwingung liebender Freude…“

Die Natur kommuniziert mit Dir über Dein Gefühl

Je mehr Du in Dein eigenes Gefühl, Dein eigenes Spüren kommst, desto mehr fühlst Du Dich auch verbunden mit allem Lebendigen. Diese emotionale Dimension der Landschaft ermöglicht es Dir überhaupt erst, dass Du Dich an der Schönheit und Erhabenheit eines Baumes oder einer Blume so sehr erfreuen kannst. Es ist eine Sprache der Gefühle.

„Blumen sind die Sprache des Herzens“

„Blumen sind die Sprache des Herzens.“ (persisches Sprichwort)“

Und intuitiv weißt Du das auch. Wenn Du von einem erholsamen Urlaub zurück kommst, und richtig gut in die Natur am Meer, in den Bergen oder am See eingetaucht bist, dann fühlst Du Dich: „..erholt, entspannt, regeneriert, aufgetankt,… bist richtig gut runtergekommen und konntest Deine `Seele baumeln lassen`. Es ist die Gefühlsebene auf welche die natürliche Umgebung so wohltuend einwirkt.

Und „Gefühlszustände“ sind es auch, nach was sich jeder von uns letzten Endes am allermeisten sehnt. Die tieferen Empfindungen von Einssein, All-Verbundenheit, Urvertrauen, inneren Frieden und Liebe.

So hilft Dir die Natur vor allem bei Einem: Zurück zu Dir selbst zu finden und Dich wieder so richtig zu SPÜREN.

Die 3 Geheimnisse für eine ganzheitliche Naturerfahrung

Wenn Du also in einen richtig tiefen Naturkontakt kommen möchtest, ist es gut Deine Aufmerksamkeit auf Deine Empfindungen zu lenken:

1. Vom Denken ins Fühlen – Gegenwärtigkeit

In dem Moment, wo Du einen Atemzug nimmst, trittst Du automatisch in eine heilsame Kommunikation mit Deinem natürlichen Umfeld – so oder so. Der oder das einzige, was Dich manchmal davon abhält, Dir das ganze Heilungspotential zu erschließen ist – Dein Verstand.

Die meiste Zeit sind wir entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft und verlieren uns in „der Welt da draußen“. Was nicht hätte sein dürfen, was noch alles gemacht werden muss usw. Dann bist Du nicht im gegenwärtigen Moment – du bist ab-wesend. Und auch, wenn das Naturfeld bewirkt, dass Du an-wesender wirst, kannst du das zusätzlich für Dich unterstützen, indem Du bewusst in Dein gegenwärtiges Fühlen gehst. Ganz nach dem Motto:

„Die Energie folgt der Aufmerksamkeit.“

Was siehst Du, hörst Du, riechst Du, spürst Du JETZT gerade?
Indem Du für Dich ganz Da bist, kannst du beginnen das Wunder wahrzunehmen, das IMMER da ist – Das Wunder Natur (wovon Du selbst Teil davon bist!).

2. Sei mit Deinem Herzen dabei – Herzöffnung

Baumumarmung mit Herz 🙂

Indem Du bereit bist Dein Herz zu öffnen und in liebevoller Achtsamkeit Deinen Garten, den Wald betrittst oder Deine Zimmerpflanze gießt, begibst du Dich auf die Schwingungsebene der Natur. Es ist, als ob eine Brücke entsteht, wodurch plötzlich eine lebendige Kommunikation mit der Natur und all ihren Geschöpfen möglich wird. Wenn das Denken zu stark wird, entfernt es Dich von dieser Gefühls-Ebene.

Grundsätzlich kann man sagen: Je stärker das mentale Feld (also das Denken), desto weniger Verbindung mit der Herzebene und damit der Lebendigkeit der Natur.

„Je stärker das mentale Feld, desto mehr entfernst Du Dich von der Natur und somit von Dir selbst.“

3. Vertraue in Deine Wahrnehmung – aufmerksame Beobachtung

Wenn du so aufgewachsen bist, dass Du Jahre oder gar Jahrzehntelang gehört hast: „Das gibt es nicht!“ „Das bildest Du Dir nur ein!“ „Was für ein Blödsinn!“ mag es Dir schwerfallen hier Vertrauen zu fassen.

Gemeint ist damit, dass alles, was an Bildern, Gefühlen, Empfindungen, innerem Hören und Sehen kommt – und sei es auch noch so fantastisch – zugelassen wird. Das ist Deine Fantasie, mit der Du an der magischen Welt, die Dich umgibt, teilhast.

„Fantasie ist wichtiger als Wissen….“

Indem die Fantasie wieder frei fließen darf, öffnest Du Dich für die Gaben, Geschenke, Botschaften und zauberhaften Bilder, die in natürlicher Umgebung auftauchen. Es ist wie ein bewusstes Entgegennehmen der Geschenke, die die Natur Dir in jedem Moment macht. Das sind unglaubliche Ressourcen und Hilfen auf Deinem Entwicklungsweg, die Du hier erhältst.

„Fantasie ist wichtiger als Wissen. Wissen ist begrenzt. Fantasie umfasst die ganze Welt.“ (Albert Einstein)

Das Vertrauen in Deine Wahrnehmung zu gewinnen und Deine (Über)-Sinne zu schulen, ist der Kern meiner Wahrnehmungstrainings. Das nächste dazu findet im September in der Nähe von Graz statt: „Mediales Wahrnehmen von Natur-und Pflanzenwesen“

Wie Du diese Qualitäten „auf die Erde“ bringst

Gegenwärtigkeit, Herzöffnung und aufmerksame Beobachtung sind Teil von z.T. jahrtausendealten Achtsamkeitsübungen wie z.B. QiGong, Tai Chi, Yoga oder stille Meditation. Und das hat seinen guten Grund.

Jede Art von Bewegung, also direkte Einbeziehung des Körpers, hilft Dir dabei diese „Tugenden“ zu pflegen und fördert somit die Aufnahmebereitschaft von heilenden Naturkräften. Umso bewusster Bewegung ausgeführt wird um so wirkungsvoller.

Die allerbeste Übung ist die, bei Der Du selbst am meisten Freude hast und die Dir am ehesten entspricht. Das kann Joggen, Yoga, QiGong oder auch nur das Sitzen auf dem Bankerl sein während Du die Geräusche des Waldes genießt. Freude dabei zu haben ist die Grundvorraussetzung für ein offenes Herz.

Die Rückverbindung zu Liebe – Wenn Wunder ganz natürlich geschehen

Was geschah jetzt eigentlich mit Alex und seiner Geschichte?

Alex hatte den Mut, das Herz und die Hingabe sich ganz auf die Gefühlsebene und die Naturkräfte vor Ort einzulassen. Und wie in Teil 1 beschrieben waren diese sehr stark und herausfordernd („Die Natur als Coach Teil 1 – Wenn Wunder ganz natürlich geschehen“).

Er war bereit die Reise anzutreten und eröffnete sich in kürzester Zeit eine Welt, von der er glaubte, dass nur „andere“ sie wahrnehmen können.

„Danke dafür, dass Du mir geholfen hast eine Türe zu meiner neuen Naturwahrnehmung zu öffnen. Einer Türe, von der ich bisher dachte, dass diese nur für andere offen steht! Danke!“

Aber es geschah noch viel mehr als das, was er sich eigentlich als Ziel gesetzt hatte. Das, was durch diesen Naturkontakt ausgelöst wurde, veränderte sein Leben auf allen Ebenen. Alex wurde wieder ein Stück ganzer und fand letztendlich in sich das, was er glaubte durch die Trennung verloren zu haben – sich selbst.

Ich möchte dazu einen Auszug aus seinem wunderbaren Feedback wiedergeben und ihn selbst sprechen lassen:

Teilnehmerstimme von Alex: „Zur Natur Erwachen in Südkärnten“:

„…Durch die 4 Tage ist bei mir, glaube ich, viel Transformation passiert,- wahrscheinlich ist es jetzt noch viel zu früh, um abschätzen zu können,- wieviel. Doch wenn ich meinen heutigen Tag ansehe, so kann ich Dir schon folgende Erfolgsmeldungen aus meinem Leben geben.

• Zum ersten Mal seit einigen Jahren, habe ich im Garten gefrühstückt. Und es sehr genossen, meinen Computer erst danach aufzudrehen 🙂 Meinen Kirschbaum begrüsst, und mich darüber gefreut, dass im Gemüsebeet der Girsch wächst 🙂

• Soeben habe ich einem Kunden mitgeteilt, dass ich keinen weiteren Rabatt geben kann, weil dies meinen Unternehmenswerten widerspricht. Und gerade eben habe ich darauf eine Antwort bekommen, dass der Kunde aufgrund meiner respektablen Unternehmensphilosophie keinen weiteren Rabatt haben will und hat mich beauftragt 🙂

• Und last but not least: Heute habe ich eine Nachricht erhalten, aus der ich massive Vorwürfe gegen mich herauslesen konnte… Es war mir möglich, die Vorwürfe so zu nehmen, ohne, dass es mich sonderlich kränkt, – ohne, dass ich in Selbstvorwürfe komme und ohne, dass es mich emotional komplett durcheinanderwirft. Ich kann es so nehmen, wie es ist, weil ich durch Euer Seminar die Zuversicht erhalten habe, dass ich gut aufgehoben und gut begleitet bin.

Danke vielmals für diese so wertvollen Tage in denen so viel Großartiges geschehen ist :)“

Alexander, Wien

Bergwald in der Bärenschützklamm, Mixnitz, Österreich

Ich bedanke mich bei der Gelegenheit bei allen Teilnehmern, die mir so aufrichtige und berührende Feedbacks zukommen ließen! Insbesondere bedanke ich mich bei Alex, Claudia und meiner Frau Diana, dafür, dass ich in dieser 3teiligen Artikelserie ihre private Geschichte für eine öffentliche Leserschaft teilen durfte! Es war mir eine große Ehre das so unmittelbar miterlebt zu haben – DANKE!

Wenn Du eine besondere Erfahrung durch und mit der Natur gemacht hast und das teilen möchtest, freue ich mich über Deinen Kommentar!

mit herzlichen Grüßen,

Alfred Zenz – Der Seelengärtner

Sie ist einer der größten, essbaren Wildpflanzen unserer Wiesen – die Kohldistel. Ihre angenehm mild schmeckenden Blätter erinnern an herben Kopfsalat und sind ein ausgezeichnetes Wildgemüse! Sie ist im Sommer mit ihren charakteristischen Blüten unverwechselbar, lässt sich aber auch alleine an ihren Blättern schnell und eindeutig bestimmen.

1984 erregte eine außergewöhnliche Krankenhaus-Studie die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit.

Der texanische Architekturprofessor Roger Ulrich wies in einem Experiment nach, dass dass Patienten, die nach einer Operation ein Zimmer mit Ausblick auf einen Baum hatten, sich schneller erholten als solche, die so einen Ausblick nicht genießen konnten. Es war sogar so, dass die Patienten in der „Baum-Gruppe“ nach er Operation deutlich weniger Schmerzmittel benötigen als die Vergleichsgruppe ohne Baum-Aussicht!

Die Studie war deshalb so aufsehenserregend, weil er damit den Beweis lieferte, dass: „Alleine der Blick auf einen Baum heilt!“ (Roger Ulrich)

Alleine der Anblick von Blumen ist bereits heilsam

Und es muss dazu auch kein Baum sein, dessen Anblick unglaubliches in unserer Psyche bewirkt. An der Kansas State Universität in den USA fanden Forscher heraus:

  • Dass allein der Anblick von rot blühenden Geranien emotionalen Stress bei Frauen deutlich reduziert

    Lavendelblüte (Lavandula angustifolia)

  • Dass sowohl das Aussehen als auch der Duft von Lavendel bereits starke Entspannungszustände auslöst und Angstzustände zu lindern vermag! (Die feinstoffliche Wirkung des Lavendels habe ich in meinem Artikel beschrieben: „Der Duft des Lavendels“)

Dabei konnte beobachtet werden, dass die Wirkung bei Frauen immer stärker ausfiel als bei den Männern. Aber die Männer kommen nicht zu kurz. Von der gleichen Universität stammt nämlich der Beweis:

  • Dass der Anblick von Blumen im Garten bei Männern angstlösend wirkt!
  • Und Blumen oder gar Blumengestecke am Besprechungstisch das männliche Konkurrenzdenken reduziert!

Ein Appell an alle Männer in einer Führungskräfteposition: Beim nächsten Geschäftsmeeting vorher einen Strauß Blumen besorgen (oder noch besser selber pflücken) und ganz selbstbewusst auf den Besprechungstisch stellen. Die Atmosphäre ist dann schon mal deutlich entspannter 🙂

Ich könnte hier noch seitenweise derartige Forschungsergebnisse aufzählen. Was ich damit aber zeigen will, ist, dass der „Faktor Natur“ viel mehr Einfluss auf unser psychisches Befinden hat, als man gemeinhin vielleicht annehmen würde.

Warum Natur so positiv auf Dein seelisches Befinden einwirkt

Die einen meinen, es sind vor allem die Einwirkungen auf der körperlichen Ebene, was unsere Psyche gesunden lässt. Andere wiederum sind zutiefst davon überzeugt, dass sie ihre Kraft aus der unsichtbaren, feinstofflichen Welt erhalten wie z.B. dem Pflanzengeist oder den Naturwesen.

Es ist sicherlich ein Zusammenspiel aller Faktoren. Die meiner Meinung nach wichtigsten Punkte sind:

  • Die positive Wirkung auf Deine körperliche Gesundheit – und somit auch auf Deine psychische Verfassung

Indem Du z.B. Waldluft einatmest, atmest Du einen Cocktail aus bioaktiven Substanzen ein, welche die Bäume aussenden. Diese Substanzen alleine bewirken in Deinem Körper eine deutliche Stressreduktion (Dein Cortisol- und Adrenalinspiegel im Blut sinkt) sowie eine erhöhte Abwehrkraft (Dein Immunsystem wird in seiner gesamten Funktion gestärkt und aktiver).

Ebenso wird vor allem in Verbindung mit Sonnenlicht vermehrt das Wohlfühlhormon Serotonin ausgeschüttet – Es hebt die Stimmung, macht gelassener und lindert Angstgefühle.

So hilft z.B. der Wald dabei, körperlich gesund zu bleiben. Und ein gesunder, kräftiger Organismus ist auch die Vorraussetzung um in einer guten psychischen Verfassung sein zu können.

  • Die Natur programmiert Dein Gehirn auf Entspannung

Alpha-Wellen als das „Tor zur Meditation“

Der Lavendel, wie oben beschrieben, wirkt unter anderem deshalb so entspannend auf uns, weil er die sogenannten Beta-Wellen im Gehirn deutlich reduziert.

Was sind Beta-Wellen?

Unser Gehirn schwingt im Wachzustand in sogenannten Beta-Wellen. Sie sind wichtig für Konzentration aber auch zuständig für Streß, Hektik und Sorgen, wenn sie all zu aktiv schwingen. Lavendel dagegen regt die Alpha-Wellen des Gehirns an. Diese sind zuständig für eine gelöste und entspannte Grundhaltung und werden auch als „Das Tor zur Meditation“ bezeichnet.

Diese Phänomen kannst Du selbst sehr gut überprüfen, z.B. wenn Du gerade irgendwo auf Urlaub bist und gemütlich „abhängst“.
Und dann kommt Dir plötzlich der Gedanke in den Sinn, dass Du Deine emails abfragen könntest. Noch während Du online bist und vielleicht zusätzlich durch Facebook & Co surfst, verändert sich Dein Zustand signifikant. Spätestens nach dem virtuellen Ausflug kannst Du wahrscheinlich eine deutliche Zunahme der körperlichen Anspannung fühlen – unerheblich davon, ob es „positive“ oder „negative“ Nachrichten im Netz gab. Das rührt daher, dass unser Gehirn bei derartigen Tätigkeiten sofort in den Arbeits-Modus wechselt und vermehrt in Beta-Wellen schwingt.

Wenn Du Dich dann aber wieder zurück in die Hängematte unter den Bäumen schwingst, weiß das üppige „Grün“ genau die „Knöpfe“ in Deinem Gehirn zu „drücken“, die Dein System wieder zurück in den Entspannungs-Modus bringen. Der Garten bewirkt hier übrigens das Gleiche.

Beim nächsten Urlaub einfach selbst ausprobieren und beobachten oder das Heim-Experiment im eigenen Garten durchführen 🙂

  • Die Natur lässt Dich so SEIN wie Du BIST

Immer wieder höre ich Teilnehmer in der Feedbackrunde meiner Naturseminare sagen: „Danke, dass ich hier so sein durfte, wie ich bin!“

Kennst Du das, wie Du erleichtert aufatmest, wenn Du nach einem gestressten Arbeitsalltag einen Waldspaziergang unternimmst?

„abhängen“ am Meer unter Bäumen

Das kommt vor allem daher, dass Du in der Natur nichts und niemandem mehr entsprechen musst. Der Wald, der Fluss, der Berg, der Adler, der am Himmel seine Kreise zieht, die Glockenblume auf der Wiese…sie alle interessieren sich nicht für Deinen Gehaltszettel, Dein Aussehen und Deine Leistungen. Die Sonne schickt dir keine Stromrechnung dafür dass sie Dich wärmt und das Wasser aus dem Bergquellfluss ist gratis. Alles ist in Hülle und Fülle da und erinnert Dich an Deine eigene, innere Fülle – daran, dass das Leben dich liebt und dass du Kind von Mutter Erde bist, die dich trägt, schützt, nährt und liebt – bedingungslos. Das gibt Dir den Raum ganz für Dich da zu sein und Dich in Deinem ganzen Wesen wahrzunehmen und zu erfahren.

In der Psychologie wird dieser Begriff sogar ganz professionell als „Being Away – Effekt“ bezeichnet. Womit gemeint, ist dass man „weg-von-einer-Welt“ ist, in der man ständig entsprechen muss und dadurch kaum Zeit findet zurück zu sich selbst zu finden. Das „So-sein-dürfen-wie-man-ist“ stellt inzwischen einer der bekanntesten psychologischen Heilwirkungen des Aufenthalts in der Natur dar!

  • Das Kraftfeld Natur öffnet Dein Herz

Was im Körper das Herz „das Tor zur Seele“ ist, ist im Außen die Natur als „das Tor zur allumfassenden Liebe“. (Alfred Zenz Jun.)

Das ist die Essenz, die all meinen Veranstaltungen zugrunde. Und es ist für mich mit Abstand einer der bedeutendsten und – wortwörtlich – berührendsten Faktoren.

Ich teile hier meine Wahrnehmung mit einem der bekanntesten Geomanten und Autoren zu diesem Thema im mitteleuropäischem Raum, Marco Pogacnik.

Er meint, dass die Grundschwingung der Natur mit all ihren sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfen rein auf der Gefühls- oder Herzebene angesiedelt ist. Marco Pogacnik bezeichnet sie wunderschön „…als eine Grundschwingung liebender Freude…“

Und wenn Du Dich z.B. von einem alten Baum oder einer Blume berührt fühlst, dann bist Du wahrscheinlich mit den „Natur- oder Elementargeistern“ des Ortes in Kontakt getreten. Und wenn Du Dich bewusst darauf einlässt, wirst Du Dich unweigerlich wieder in Deinem ganzen Wesen spüren und Dein Herz beginnt sich zu öffnen. Es ist wie eine Berührung mit dem Feld der „Liebe“. Und das vermag so einiges aus-zulösen wie auf-zulösen.

Letztendlich ist es die Liebe, die heilt

„Der höchste Grad der Arznei ist die Liebe – Was ist die Hilfe der Arznei anderes als Liebe?“

Diese Aussage stammt nicht etwa von einem Kräuterpfarrer oder spirituellem Lehrer, nein, sie kommt von Philippus Theophrastus Paracelsus, deutscher Arzt und Reformator der Medizin, der im 16. Jahrhundert herum gelebt hat. Er ging davon aus, „…dass der Mensch und seine Liebe die wichtigsten Arzneien für den Menschen seien.“

Paracelsus war zu damaliger Zeit ein hoch erfolgreicher Arzt – noch heute wird er regelmäßig in medizinischen Büchern zitiert.

Das, was Paracelsus damit sagt, ist, dass jedes Lebewesen, sei es eine Katze, ein Baum oder ein Mensch, in Dir diese tiefen Gefühle von Vertrauen, Verbundenheit und Liebe auslösen kann, durch die die eigentliche Heilung geschieht. Vom unmittelbarsten und größten Lebewesen sind wir ständig umgeben – Der Natur.

Rast an der Thaya bei Dobersberg, Niederösterreich

Die Natur als natürliches „Super-Psychopharmaka“

Mit dem was „Das Einatmen der Waldluft“ in unserem Körper bewirkt, in Verbindung mit dem unglaublichen Entspannungs-Effekt, dem Gefühl „SEIN“ zu dürfen und der tiefen Berührung auf der Herzensebene, ist die Natur so etwas wie ein natürliches Super-Psychopharmaka.

Und es wirkt sobald du Deinen Garten, den Park oder nahegelegenen Wald betrittst oder auch nur liebevoll Deine Zimmerpflanze gießt. So gesehen gibt es nichts, was Du tun musst, um in diese heilsame Kommun(ikat)ion zu treten – es geschieht ohnehin von selbst. Das oder der einzige, der Dich manchmal davon abhält das ganze Potential zu empfangen ist – Dein Verstand.

Wie Du damit am besten umgehst und Deinen Natur-Kontakt trotz „lärmender Gedanken“ vertiefen kannst, erfährst Du dann im 3. und letzten Teil dieser Artikelreihe: Die Natur als Coach Teil 3 – Wie Du am besten mit der Natur in Kontakt kommst

Zurück zu Deinen Wurzeln – Zurück zu Dir selbst

Wenn Du den nächsten Waldspaziergang machst, kannst Du ja einmal ganz bewusst die Waldluft mit all ihrer heilsamen Kraft einatmen und das Grün in seinen tausend Schattierungen spürbar auf Dich wirken lassen.

Und wenn Du Deinen Garten betrittst, kannst Du Dich vielleicht jetzt ganz anders auf den Anblick Deiner Gartenblumen erfreuen. Ganz im Wissen, dass sie wie eine energetische „Naturarznei“ auf Dein seelisches Befinden einwirken – jederzeit, wenn Du sie brauchst.

Und wenn Du dann still wirst, kannst Du auch die Berührung auf der Herzebene wahrnehmen. Eine Art liebevolle Lebendigkeit, die alles durchströmt und Dich daran erinnert, dass Du Teil dieses Wunders namens „Schöpfung“ bist.

„Mit der Natur in Berührung zu kommen, bedeutet letztendlich mit Deinem eigenen innersten Wesen in Kontakt zu treten. Und wenn das geschieht, bist Du im Frieden, in Liebe, in Gott.“ (Alfred Zenz Jun.)

Wenn Du den Impuls hast etwas zu teilen, dann freue ich mich sehr über ein Kommentar von Dir!

herzliche Grüße,

Alfred Zenz – Der Seelengärtner

PS:
Im 1. Teil habe ich die tiefe Transformation von Teilnehmern bei meinen Naturseminaren beschrieben, die durch den bewussten Naturkontakt ausgelöst wurden: Die Natur als Coach Teil 1 – Wenn Wunder ganz natürlich geschehen

PPS:
Das nächste Naturseminar findet Anfang September im Waldviertel Nähe Zwettl statt: „Zur Natur Erwachen im Waldviertel“, 01.-03. September