Ich spüre die weiche, feuchte Wiese unter meinen Füßen und mit jedem Atemzug fließt klare und frische Luft in meine Lungen. Eingehüllt in eine Klangwolke aus Vogelgezwitscher, Grillenzirpen und dem Rauschen des Flusses in der Ferne schaue ich in die erwachende Landschaft. Die Sonnenstrahlen erleuchten die ersten Berggipfel und der aufsteigende Wasserdampf lässt mystisch anmutende Nebelschwaden entstehen, die wie Geister über die Wiesen und Wälder ziehen.
Eigentlich wollte ich meditieren, doch will ich die Augen nicht schließen, um ja nichts von der uns umgebenden Schönheit zu verpassen. So stehe ich mit offenen Augen und wachen Sinnen und lasse mich von der Landschaft atmen, das ganze begleitet von einem tiefen Gefühl der Liebe und Verbundenheit zu Mutter Erde.
Seit ein paar Tagen genießen wir das einfache Sein inmitten des Triglav Nationalparks in Slowenien und erfahren am eigenen Leib, wie intakte Natur uns entspannt, entschleunigt, regenerieren lässt und uns wieder in Verbindung mit den eigenen Kraftquellen bringt.
Es wäre wohl weniger erstaunlich, wenn wir hier nicht gleichzeitig in einem ehemaligen Kriegsgebiet wären. Das Tal, in dem wir uns befinden war im ersten Weltkrieg Schauplatz der berühmt berüchtigten Isonzoschlachten, die unzählige Menschenleben forderten. Wie kann eine Gegend, in der sich so viel Leid und Zerstörung zutrug, sich zu so einem Naturjuwel auswachsen?
In diesem Artikel möchte ich etwas persönlicher über unsere Erfahrungen während dieser Tage in einem der ältesten und schönsten Nationalparks Europas berichten. Welches Heilungspotenzial intakte Natur für uns Menschen auf physischer wie psychischer Ebene birgt, welche sicht- und fühlbaren Spuren der erste Weltkrieg hier hinterlassen hat, wie dennoch ein Kraftort daraus erwachsen konnte und was wir daraus lernen können, wenn es um die Heilung alter Verletzungen geht, all das erfährst du in diesem Artikel.
Das Naturjuwel der Julischen Alpen mit dem türkisblauen Fluss
Der Nationalpark, der nach seinem höchsten Gipfel, dem 2.864m hohen Triglav benannt ist, umfasst mit einer Gesamtfläche von rund 84.000 Hektar den Großteil der Julischen Alpen und reicht bis zu den Staatsgrenzen Österreichs und Italiens. Es ist seit 10. Juli 2003 als UNESCO Biosphärenreservat ausgewiesen und gehört zu einer der eindrucksvollsten Naturlandschaften Europas – und das zu Recht.
Schwer zugängliche Schluchten, steil aufragenden Felswände, wilde Flusslandschaften, idyllische Bergwiesen und Gletscherseen bis hin zu dichten Wäldern, welche den zerklüfteten Berggraten ein anschmiegsames, grünes Kleid verpassen, erschaffen hier ein landschaftliches Naturjuwel, das seinesgleichen sucht.
Der Teil, in dem wir uns befinden, ist das Sočatal, durch welches einer der schönsten Flüsse Europas fließt – die Soča (italienisch „Isonzo“). Die Soča ist für ihre intensive türkis- bis smaragdblaugrüne Farbe bekannt, die jedes Jahr tausende von Touristen anlockt. Der Grund für diese Farbenpracht hat mit dem Karstgestein der Region hier zu tun, welches die chemische Zusammensetzung des Wassers beeinflusst und vor allem die blauen und türkisfarbenen Lichtanteile reflektiert – ähnlich wie bei manchen Gletscherseen. Das klare und saubere Wasser der Soča verstärkt die Farbintensität noch zusätzlich.
Was die Landschaft betrifft, die ist wahrlich eine Augenweide, ich würde sogar sagen Natur pur, obwohl das so nicht stimmt. Denn es ist eine Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte durch menschliche Nutzung geformt wurde, ohne die natürlichen Systeme vollständig zu verdrängen. Für mich ein vorbildliches Zusammenspiel von Mensch und Natur.
Die Kraft eines lebendigen Ökosystems – Wälder als die „Ozeane des Kontinents“
In meiner Wahrnehmung befinden wir uns hier in einer Art gigantischem Bioresonanzgerät mit Einstellung auf Regeneration. Man muss nicht feinfühlig oder empfindsam sein, um die wohltuenden Frequenzen und Schwingungen wahrzunehmen, die hier auf das Körper-Geist- System einwirken und das natureigene Erholungs- und Regenerationsprogramm starten. Man kommt in solche Nationalparks scheinbar, um Urlaub zu machen, zu wandern und doch scheint mir, dass es den meisten wohl unbewusst darum geht, ein Stück weit Heilung zu erfahren und die Medizin zu erhalten, die uns zuhause nicht mehr zugänglich ist – nicht mehr in dieser puren Form.
Was die Wälder betrifft, so würde ich sagen: Die sind gesund. Wohl, weil sie natürlich und relativ ungestört wachsen dürfen und vor allem, weil sie über eine große Fläche miteinander vernetzt und verbunden sind. Wald darf hier noch Wald sein. Wenn man aus dichter besiedelten Gebieten Deutschlands oder Österreichs kommt, wo Forst- und Plantagenwirtschaft die Regel ist, mag man sich über den hohen Laubbaum-Anteil hier wundern. Was man hier nicht sieht, sind düstere Fichtenmonokulturen oder stubenrein ausgeputzte Wirtschaftswälder. Dafür aber umso mehr belebtes, vitales Grün, das in Höhen von bis zu 1.900m hinauf gedeiht.
Zudem, was wir alle im Biologieunterricht theoretisch gelernt haben, durften wir hier ganz praktisch erleben, nämlich, dass Wälder „Regenmacher“ sind. Durch Verdunstung geben Bäume große Mengen Wasser an die Atmosphäre ab und beeinflussen dadurch Wolkenbildung und Niederschläge. Sie sorgen für einen funktionierenden Wasserkreislauf indem sie Wasser nicht nur zur Verfügung stellen, sondern sie filtern, reinigen und speichern es auch. Kein anderer Öksystemtyp enthält vergleichbar viel Wasser wie Wald.1 Indem solche Wälder Unmengen an Wasser speichern können und nur langsam wieder abgeben bieten sie Schutz vor Überschwemmungen und Austrocknung.
Davon durften wir uns hier selbst überzeugen. Wir erlebten zwei Tage lang durchgehend massive Regenschauer. Ohne Zweifel
hätten bei uns zuhause schon längst die Sirenen geheult, weil Keller überschwemmt und Straßen überflutet gewesen wären. Hier schauten wir aus dem Fenster und erwarteten Sturzbäche. Doch die zum Hof führende Schotterstraße erschien nahezu „trocken“. Am nächsten Tag gingen wir raus auf „unsere“ Wiese in der Erwartung, dass alles patschnass sei. Doch dem war nicht so. Es war gerade einmal feucht. Der Boden sog das Wasser auf wie ein riesiger Schwamm, nur, um es dann in Form von Dampf erneut auf die Reise zu schicken. Ja, Wälder sind „Regenmacher“, Wasserspeicher, Klimaregulatoren und Kühlsysteme – ohne Zweifel – und weit mehr als das.
In einem amerikanischen Baumgeschichtenbuch für Schulkinder erklärte Mary Curtis bereits vor 100(!) Jahren, dass Wälder für den Regen und damit auch für die Landwirtschaft bedeutsam sind und bezeichnete Wälder als die “Ozeane des Kontinents“ (Mary I. Curtis, 1925)1
Wenn wir begreifen, was solcherart Biosphärenreservate zu physischer und psychischer Heilung von uns Menschen beitragen, könnten wir wohl keinen einzigen, alten Baum mehr einfach so fällen, weil wir dann neben dem Holzwert vor allem seinen Wert sehen könnten, den er als lebendiges Wesen für uns hat.
Die Spuren des 1. Weltkrieges und die Heilung einer Landschaft
Es ist erstaunlich, wie schön und eindrucksvoll grün es hier ist. Erstaunlich deshalb, weil wir uns inmitten des Schauplatzes einer der umkämpftesten Stellen des ersten Weltkriegs befinden. Hier fanden am Oberlauf der Soča (italienisch „Isonzo“) zwischen 1915 und 1918 die Isonzoschlachten statt, die zwischen dem Königreich Italien und den verbündeten Mittelmächten Österreich-Ungarn ausgetragen wurden. Mit über einer Million getöteten, verwundeten und vermissten Soldaten gehörten die Isonzo-Kämpfe zu den verlustreichsten und historisch bewegendsten Schlachten des Ersten Weltkriegs.
Die Frontlinie selbst verlief als extrem zerklüftete Hochgebirgsfront entlang von Graten, Gipfeln, Pässen und Talengen und folgte meist den Höhenzügen westlich und südwestlich des Soča-Flusses. Der Fluss selbst war oft die natürliche Versorgungsachse im Hinterland, aber die eigentlichen Kampflinien lagen häufig hunderte Meter höher in den Bergen. Viele Stellungen befanden sich auf über 2.000 Metern Höhe. Was ich damit sagen will: Viele Wanderwege führen heute an Überresten dieser Front vorbei. An vielen der landschaftlichen Naturjuwele und ausgewiesenen Kraftorte, die von tausenden Touristen zu Erholungszwecken aufgesucht und fleissig fotografiert werden, fanden einst blutige Kämpfe statt.
„Fluss Soča, in den schönsten Farben der Welt kommst du aus den Bergen. Du hast das Leid der verwundeter Soldaten gesehen, den letzen Worten derer gelauscht, die in deiner Nähe gestorben sind…“
…so steht des auf einer Tafel an einer Gedenkstätte. Die Soča hat schon viel Schmerz gesehen. Hier hat sich unsägliches Leid zugetragen, das wortwörtlich in die Landschaft mit eingeflossen ist. Viele Mahnmale erinnern an das umkämpfte Gebiet. Noch heute entdeckt man dort Schützengräben, Kavernen, Maultierwege, Artilleriestellungen, Ruinen von Forts bis hin zu Granatsplittern, die 110 Jahre nach dem Krieg immer noch im kristallklaren Flusswasser zu finden sind.
Und die Natur hat mitgelitten. Fotografien aus dieser Zeit zeigen, dass hier ein Großteil des Waldes abgeholzt, zerstört und zerbombt wurde. Seit dieser Zeit gab es hier offensichtlich keine groß angelegte Waldbewirtschaftung mehr beziehungsweise wurde die Natur mehr oder weniger in Ruhe gelassen, da schon recht früh damit begonnen wurde, das Land unter Schutz zu stellen. Dieser Nationalpark ist ein eindrückliches Beispiel davon, wie schnell sich Natur – selbst nach totaler Verwüstung – wieder regenerieren und sprichwörtlich selbst heilen kann, wenn man sie nur in Ruhe lässt. Auch für uns Menschen beherbergt das Gebiet ein großes Heilungspotenzial – gerade und wegen des Geschehnisses des Krieges in Verbindung mit der Heilung einer Landschaft.
Die Natur als Therapeut – Was wir daraus lernen können
Auch heute tragen wir Menschen die Wunden dieser Vergangenheit noch in uns. Heute nennt man das „Transgenerationales Trauma“ – ein Begriff, der aus der Epigenetik stammt*3. Forschungen zu dieser Thematik deuten darauf hin, dass schwere Belastungen oder Traumata, wie sie beispielsweise bei den Holocaust-Überlebenden erfahren wurden, biologische Spuren in unserem Stresssystem hinterlassen können, die teilweise an Kinder weitergegeben werden und deren Anfälligkeit für psychische Belastungen beeinflussen.4
Das heißt, schlimme Prägungsereignisse können sich über Generationen hinweg „vererben“ und sind in unserem Nervensystem gespeichert, bis sie durch gegenwärtige Themen und Auslöser getriggert und damit wach werden. Jeder, der sich mit systemischer Aufstellungsarbeit tiefer auseinandergesetzt hat, konnte sicher schon einmal beobachten, welche Auswirkungen solche „Kriegsverletzungen“ im Familiensystem haben können.
Was hat das mit dem Nationalpark hier zu tun? Aus meiner Sicht können wir hier viel über traumatische Prägungen und das Wieder-Heilwerden lernen: Innerhalb von 110 Jahren hat sich dieses Gebiet wieder vollständig regeneriert und bildet ein harmonisches Idyll inmitten der Julischen Alpen. Man kann aus dem Fluss sauberes und klares Wasser trinken, in den Wäldern klare, saubere Luft atmen und sich sogar von der Wiese ernähren, was wir auch taten. Jeden Tag ernteten wir verschiedenste Wildkräuter wie Wiesenbärenklau, Wilden Kerbel und Brennnesseln und kochten damit. Wir können hier definitiv intakte, gesunde und ganzheitlich heile Natur bezeugen.
Was bedeutet das auf uns Menschen übertragen? Jeder von uns hat auf seine Art und Weise individuelle Prägungen oder Verletzungen – von kleinen bis großen Wunden – im Laufe seines Lebens erfahren, die ebenso geheilt werden wollen. Wir alle tragen zerstörte Wälder und verbrannte Erde in uns. Und wenn wir etwas von dieser Landschaft hier lernen können, dann das, wenn wir unsere Menschen-Natur immer wieder bewusst den nötigen Erholungs- und Regenerationsraum geben, in dem es noch echte Vernetzung und Verbindung gibt, sprich auf unseren Körper hören und uns die Nahrung (physisch wie seelisch) zuführen, die wirklich gebraucht wird, ebenfalls ein Stück weit ganz natürlich heilen können.
Gegenwärtig kommt aber mit jedem gerodeten Wald, der nicht nachwächst und mit jedem Gewässer, das austrocknet mehr an verbrannter Erde hinzu – im Außen wie im Innern. Denn wir sind ein Teil der Natur, unser Körper ist genauso „Erde“. Und jeder, der sich selbst ein Stück weit zu entwickeln und zu heilen vermag, leistet seinen Beitrag zum „Umweltschutz“, der nichts anderes meint, als die Bewahrung und Wertschätzung dessen, was uns am Leben hält.
Ich freue mich auf deinen Kommentar!
Mit herzlichen Grüßen,
Alfred Zenz – Der Seelengärtner
* Epigenetik ist ein Teilgebiet der Biologie und beschäftigt sich mit der Regulierung der Genexpression. Sie beschreibt vereinfacht gesagt, wie Erfahrungen und Umweltbedingungen beeinflussen können, welche Gene „an-“ oder „ausgeschaltet“ werden – ohne dabei die DNA selbst zu verändern.3
Quellen:
1 I feel slovenia – Triglav Nationalpark: https://www.slovenia.info/de/geschichten/mit-achtung-in-den-nationalpark-triglav
2 WOHLLEBEN Peter, L. IBISCH Pierre: Wald Wissen – Vom Wald her die Welt verstehen. Erstaunliche Erkenntnisse über den Wald, den Menschen und unsere Zukunft. Ludwig Verlag, München, Originalausgabe 2023
3 MAX-PLANCK-Gesellschaft: Holocaust-Überlebende geben Trauma an ihre Kinder weiter: https://www.mpg.de/9375561/holocaust-vererbung-epigenetik
4 OPEN SCIENCE – Epigenetik: Wie unsere Gene gesteuert werden – eine Einführung: https://www.openscience.or.at/de/wissen/genetik-und-zellbiologie/2022-11-04-epigenetik-1-wie-unsere-gene-gesteuert-werden-eine-einfuehrung/
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