Heute stelle ich Dir eine sehr bekannte und doch außergewöhnliche Pflanze vor – sie ist weitaus erstaunlicher, als Du denken magst:

Gänseblümchen, Massliebchen, Tausendschön
(botanisch: Bellis perennis)

 

Was das Gänseblümchen mit Sinneslust zu tun hat

Ich musste mich ein paar Mal dieser zarten Blume nähern, um mir sicher zu sein, dass die Gefühle angenehmer Erregung mit zum Teil erotischem Beigeschmack wirklich was mit diesem kleinen Pflänzchen zu tun haben. In der mittelalterlichen Blumensprache bedeutete das Gänseblümchen immerhin Unschuld und Reinheit. Lag ich hier also völlig falsch?

Würde das Pflanzenwesen durch mich sprechen, was hätte es zu sagen?

„Sieh hin und schau wie schön ich bin, frech und ungestüm, bereite ich dir Lust und Freude. Denn ich bin die Hingabe an das Leben in ungezügelter Leidenschaft, die Feier deines Körpers an die Schöpfung! Gänseblümchen nennt ihr mich, doch habe ich die Stärke eines Bären. Ich hab meinen eignen Willen, meinen eignen Sinn! Ich bin des Lebens Sehnsucht nach sich selbst – das ist`s was ich erwecke tief im Menschen. Ich bin die rassige Erotik deines Rasens, die dich küssende Göttin des wiederkehrenden Frühlings in all ihrer zauberhaften Verführung – und doch blinzle ich so unschuldig zu dir empor. Versuch nicht mich zu bändigen, es hat doch keinen Sinn. Denn, wenn des Lebens Rufe in dir schallt, dann überspringst du tiefste Gräben, erkletterst höchste Berge und erträgst die größte Last, dann ist nichts unmöglich, nichts dergleichen, nichts im Wege.“

Meine Begegnung mit dem Pflanzengeist

Pippi Langstrumpf für Erwachsene
Anfangs konnte ich den Pflanzengeist kaum ausmachen, es war als huschte es wie ein flinkes Wesen von Blütentuff zu Blütentuff und ist nicht zu „fassen“. Das war bereits ein Hinweis auf die unstete und eigenwillige Energie des Gänseblümchens. Letztendlich offenbarte sich das Wesen mir in Form eines jungen Mädchens – jung, frech, keck mit einem Blümchen im Haar.

Unscheinbar im Aussehen aber sinnlich erotisch in ihrer Ausstrahlung, ganz vor Gesundheit protzend. Unmissverständlich machte sie mir klar, dass Sie bekommt was sie will, komme was wolle! Diese kraftvolle Energie begann sich zu entfalten, vollführte zirkusreife Flick Flacks, die immer schneller und schneller wurden.

Zum Schluss erreichte sie eine so gewaltige Kraft und Geschwindigkeit, dass sie in einem atemberaubenden Rückwärtssalto himmelwärts wie ein Lichtblitz explodierte – Darauf folgte eine Art Erlösung, Ruhe und tiefe Entspannung. Es war ein Gefühl wie tausend unsichtbare Fallschirme, die ganz allmählich und gelassen zu Boden sinken. … tja, vom Gefühl her kam es dem eines Orgasmus nahe.

Woher das Gänseblümchen bzw. Massliebchen seinen Namen hat

Gänseblümchen3_Seelengärtner

Bellis perennis, Gänseblümchen, Massliebchen

 

Más ist ein altkeltisches Wort und bedeutet Anger. Unter Anger verstand man früher den freien Grasplatz inmitten des Dorfes, wo die Mädchen die Gänse hüteten. Sie blüht der Sonne zugewandt das ganze Jahr über. In England nannte man sie deshalb auch Day´s eye (Auge des Tages) oder kurz Daisy 🙂

 

Was das Gänseblümchen für Dich tun kann

 

Auf der geistig-seelischen Ebene

  • Es vermittelt Dir Durchsetzungskraft und Ausdauer

Dieses kleine Blümchen verleiht Dir Willensstärke. Anspüren mag sich das so, als ob Du plötzlich den Mut und die Kraft hast, Deinem Willen gemäß zu handeln. Das kann manchmal schon sehr eigenwillig wirken 😉 !

  • Es entfacht in Dir die Lust am Leben

Es erweckt in Dir die körperlichen Sinnesfreuden und Genüsse dieser Welt, entfacht die Lebensfreude in Dir. So motiviert es Dich dem Ruf des Lebens in Dir zu folgen. „Hinaus ins Grüne, hinaus in die Welt – es gilt zu leben – Jetzt!“

  • Es erweckt in Dir die weibliche Schöpferkraft

Eines der deutlichsten Gefühle, die mir das Massliebchen in der Meditation vermittelte, war dieses tiefe Gefühl von Hingabe und Loslassen, von Empfangen und sich Öffnen. An einer Stelle spürte ich Wärme und Erregung in meinem Unterleib und die zarte, prickelnde Energie, des sich Auflösens, des Loslassens. Für mich offenbarten sich darin die weiblichen Tugenden, die das Massliebchen zu fördern vermag – in der Frau, so wie im Mann. Als Frau fällt es Dir leichter, Deine natureigene Schönheit und Weiblichkeit wahrzunehmen und ganz selbstbewusst in die Welt zu tragen. Als Mann unterstützt es Dich dabei vom Denken ins Fühlen zu kommen und die Kontrollzügel etwas lockerer zu lassen.

Auf der körperlichen Ebene

  • Es vitalisiert und stärkt Dein Immunsystem
  • Der Saft ist wundheilend und hautreinigend
  • Es wirkt bei Erkrankung der Atemwege
  • Es hilft bei schmerzhafter und zu starker Menstruation 

 

Gänseblümchen4_Seelengärtner

Tuff von Gänseblümchen, Tausendschön

 

„Vergessenes Wissen“ – was sie für unsere Vorfahren bedeutete

  • Für unsere keltisch-germanischen Vorfahren verkündete der sich öffnende Blütenkelch des Gänseblümchens die Anwesenheit des Sonnengottes Baldur. „Und wo Baldur weilt, da bemächtigt sich Freude und Wonne aller Lebewesen!“ In England heißt es auch heute noch: „Wenn du mit einem Fuß auf sieben Gänseblümchen treten kannst, dann ist es Frühling.“
  • Im 18.Jahrhundert gab es sogar eine Verordnung, die den Bauern vorschrieb, das Massliebchen völlig auszurotten, weil die Pflanze böse sei! Es hatte sich herumgesprochen, dass die Pflanze zum Abtreiben unerwünschter Leibesfrucht missbraucht werden könne – was definitiv nicht stimmte.

Ich vermute ja, dass hellsichtige Menschen die Erweckung der körperlichen Freuden durch das Gänseblümchen spürten – und das war dem vorherrschenden, christlich geprägten Klerus wahrscheinlich nicht recht. Die Pflanze wurde vielerorts sogar mit Maria Magdalena, der „Sünderin“, oder mit der heiligen Margarete in Verbindung gebracht. Beide galten einst als zuständig für uneheliche Kinder.

  • Das Gänseblümchen war auf den britischen Inseln eine zuverlässige Orakelpflanze. Bis heute scheint das noch durch. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich selbst als Kind an den weißen Blütenpetalen zupfte: „Sie liebt mich, Sie liebt mich nicht …“
  • Spannend ist, dass der französische König Ludwig IX (1214-1270) das Gänseblümchen zusammen mit Lilien in sein Wappen aufnahm und sich einen Goldring anfertigen ließ, der einen aus den Blüten des Gänseblümchens geflochtenen Kranz darstellte. Vielleicht gehörte das Blümlein der Reinheit und Unschuld zur gezielten Imagepflege eines machtvollen Menschen? 

Wo Du sie finden kannst

  • Diese kleinwüchsige, auffällige Pflanze ist überall zu finden, wo kurz abgeweideter oder gemähter Rasen ist.

Was hat das jetzt alles mit Reinheit und Unschuld zu tun?

Vielleicht liegt des Rätsels Lösung ja in der Tiefe der Bedeutung von Reinheit und Unschuld.

Reinheit und Unschuld liegt für mich im Wiedererinnern meiner natureigenen Schönheit, hat für mich also etwas mit „Wahrheit“ zu tun. Und ein Zeichen dafür, dass ich gerade meine wahre Natur lebe, ist die Anwesenheit von Lebensfreude, Enthusiasmus, Sinnesgenuss, fröhliche Ausgelassenheit und Willensstärke. Und wenn Du das lebst, bist Du schön, kraftvoll, sinnlich und erotisch.

Mit der „Göttin“ zu sein bedeutet also auch zutiefst erotisch zu sein und Deine Sexualität zu feiern. Unsere Vorfahren lebten in Einklang mit der Natur und ich glaube, für sie war Reinheit und Unschuld genau das – Eins zu sein mit der Natur und ihrer alles durchdringenden Lebenskraft.

Mich würde jetzt natürlich sehr interessieren, wie denn Du dieses häufig anzutreffende und doch so außergewöhnliche Pflänzchen wahrnimmst.

Lass Dich vom Gänseblümchen verzaubern und in Deiner Lebensfreude beflügeln!

12 Kommentare
  1. Erika sagte:

    einen herzlichen Dank für diese wunderschöne Ausführung…. die Gänseblümchen sind ja auch allerliebst und sehr robust…. trotzen sie doch auch dem Rasenmäher, den meist so achtlosen „Schuhen“ und so mancher frostkalten Nacht… Danke Herrgott für die unermesslich vielen Wunder, die du geschaffen hast!

    Antworten
      • Kern Angelika sagte:

        Sehr nett zu lesen, lieber Alfred. Ich spüre wie Du in dieser Sache aufgehst.
        Werde sicher irgendwann mal bei Deinen Seminaren dabeisein.

        Angelika

        Antworten
        • Alfred Zenz sagte:

          Liebe Angelika,

          Das freut mich sehr:-) Und ja, ich genieße es sehr, dass das, worin ich meine größte Erfüllung finde gleichzeitig mein Beruf ist.
          Freu mich, wenn wir uns mal bei einem meiner Seminare sehen.

          glg. Alfred

          Antworten
  2. Andrea Kasper sagte:

    Lieber Alfred,
    sowas Geniales hab ich schon lange nicht mehr gelesen ! Danke ! Ich liebe das Gänseblümchen. Als kleines Mädchen hab ich
    daran gezupft, mir einen Haarreif oder Ring geflochten, kurzum dieses Blümchen hat es mir schon immer angetan. 😉
    Und auch jetzt im Garten unseres Hauses, wo wir mit drei anderen Bewohnern wohnen, blühen zig-fach Gänseblümchen !!!!
    Man sagt ja, dass immer das „Kraut“ bzw. die Pflanze am ehesten im Garten anzutreffen ist, die die Bewohner am meisten benötigen…..;-)
    lg
    Andrea

    Antworten
    • Alfred Zenz sagte:

      Liebe Andrea,

      Schön zu lesen, dass du das Gänseblümchen als Kind auch als „Orakelpflanze“ benutzt hast:-)
      Das mit: es wächst im Garten immer das Kraut, was die Bewohner am meisten benötigen, ist inzwischen schon fast wissenschaftlich bestätigt.
      Irgendwo haben sie festgestellt, dass das Kraut im eigenen Garten von den Wirkstoffen her optimal für den „Besitzer“ zusammengesetzt ist – beim Nachbargarten ist das gleiche Kraut bereits „weniger“ wirksam. Spannend, oder?

      glg. Alfred

      Antworten
  3. Theresia Rajsek sagte:

    Lieber Alfred!
    Danke vielmals für DIESE Beschreibung. Genauso will ich mehr über Pflanzen lernen und freue mich sehr auf den 2. Juni, da möchte ich gerne mitwandern, bitte! Heuer gibt´s ja besonders viele Gänseblümchen, nicht wahr? 😀
    Herzliche Grüße!
    Theresia

    Antworten
    • Alfred Zenz sagte:

      Liebe Theresia,

      Das freut mich wirklich sehr, wenn ich lese, dass der Artikel Dich so berührt und begeistert hat. Irgendwo hab ich mal gelesen, dass das innere Ziel eines jeden Menschen es ist, offen zu werden, für das sich entfaltende Bewusstsein in einem selbst und dieses „Licht“ in die Welt zu tragen. Vor ein paar Jahren konnte ich mir noch nicht vorstellen, dass das irgendwer „braucht“. Doch dadurch, dass die Pflanzen so mit und durch mich sprechen, erkenne ich selbst von Mal zu Mal, was denn wirklich wichtig ist im Leben – die „göttliches“ Essenz, die aus jedem Lebewesen strahlt wertschätzend und achtsam wahrzunehmen und zu erkennen, dass ich selbst ein Teil davon bin. Und dann liegt es an mir, ob ich meine Blüte öffne und die Welt an ihrer Schönheit teilhaben lasse.

      Tja, danke für deine inspirierenden Worte:-)
      Herzlichst, Alfred

      Antworten

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