Schaftlose Primel (auch Stängellose Schlüsselblume oder Himmelschlüssel)

Primula acaulis, Familie: Primelgewächse, Primulaceae

„Das Lächeln das Du gibst, kehrt zu Dir zurück.“ (unbekannt)

Die warmen Sonnenstrahlen des einkehrenden Frühlings berühren den noch kalten Boden und erwecken damit so manches Geschöpft zum Leben. Einer dieser Frühlingsboten zeigt sich bereits als gelber Farbklex auf so manchem Rasen in den Gärten. Es ist die Kissenprimel, oder auch Stängellose Schlüsselblume genannt. Sie ist die erste und auch die kleinste unter den Primeln. Denn im Gegensatz zu ihren höhergewachsenen Schwestern, die etwas später im Jahr erscheinen, werden ihre Blüten nicht von einem Stängel getragen. Bis zu 25 Blüten quellen dabei dicht gedrängt aus der Erde und bilden gelbe 5-10cm hohe, kreisrunde Blütenkissen, die sich wie gelbe Farbtupfer über den Rasen verteilen. Anhand ihrer Blüten und ihrer länglichen, abgerundeten Blätter ist sie als Kissen-Primel eindeutig zu erkennen.

Warum die Kissenprimel auch „Himmelschlüssel“ genannt wird

Für unsere keltisch-germanischen Vorfahren war die Kissenprimel das Symbol für die Wiederkehr der Lichtgöttin „Brigid“. Mit einem Bund aus Schlüsselblumen schließt sie sozusagen das Himmelstor auf und lässt de Frühling hinein. Das Christentum, das ständig darum bemüht war die heidnischen Naturgottheiten zu integrieren, setzte später Petrus als den neuen Himmelsherrn und Wettermacher ein. So verfügte fortan der Heilige Petrus über den magischen Schlüsselbund, mit dem er den frommen Seelen die Himmelstür öffnete. Einmal, so eine Volkssage, wollte sich der Teufel in den Himmel schleichen, wodurch sich Petrus so sehr erschreckte, dass er den Schlüsselbund auf die Erde fallen ließ, wo er sich sofort in Blumen verwandelte.

Ein magisches „Schwindelkraut“ sowie der Schlüssel zum Herzen

Kissenprimel (Primula acaulis)

Für heilkundigen Menschen von früher war die Kissen-Primel nicht nur eine wertvolle Heilpflanze sondern vor allem auch eine Blume, welche in die Anderswelt zu führen vermochte. So benutzten die Druiden, die Priester der Kelten, die Primel um den Saft der Begeisterung zu brauen. Ethnobotaniker vermuten, dass dieses zarte Blümchen somit Teil eines psychedelisch wirkenden Getränkes gewesen sein dürfte. Ihre magische Bedeutung hielt sich sehr lange. Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert schwörten so manche Seiltänzer darauf, dass das Kauen der Wurzel oder auch nur das bloße Tragen der Blume, schwindelfrei mache. Vielleicht kennst du ja die Bezeichnung „Primula-Schwindula“ noch aus deiner eigenen Kindheit. Vor allem aber vermochte das zarte Wesen der Primel die Herzen zu berühren. Wolf-Dieter Storl beschreibt in seinem Buch „Die Pflanzen der Kelten“, dass in der traditionellen, walisischen Blumensprache die Kissen-Primel „neue, zarte Liebe“ oder „der Schlüssel zum Herzen“ bedeutet. Das Überreichen einer solchen Blüte will besagen: „Ich mag dich, vielleicht liebe ich dich, aber es ist zu früh, es zu sagen.“

Im Gespräch mit dem Pflanzengeist der Kissenprimel

Als ich das erste Mal mit der Kissenprimel Bekanntschaft machte, war ich in etwas schwermütiger Stimmung. Als ich dann mit ihrer feinen Schwingung in Verbindung kam, staunte ich nicht schlecht, zu was dieses zarte Blümchen denn imstande ist. Im Gespräch mit ihrem Geist offenbarte mir die Primel folgendes:

„Ich bin das Licht, dass dich so sicher führt, das dich so lieblich sanft in deinem Herz berührt. Bin wie eine kleine Sonne welche in dir strahlt, und deine Welt in bunte Farben malt. Ich nehm dich zärtlich an die Hand und tanze mit dir übers Land. Erhebe das was trüb und schwer, fülle lichtvoll auf was grau und leer. So dass dein Herz sich gar erfreuen mag, an dem was bisher im Verborgenen lag.

Wie ein Windhauch flüchtig zart, erweiche ich was ist verschlossen, kalt und hart.
So weite ich des Herzens Enge und nehme dir des Alltags Strenge. Damit du sein kannst ohne Sorgen, um den Moment zu feiern ohne Gestern ohne Morgen. Sei ruhig, sei still und lausche deinem Herzen, und so Gott will verfliegen alle Seelenschmerzen.

Ganz elfengleich durchdringe ich dein ganzes Sein, auf dass dein Leuchten heller wird, dein ganzer Schein. So lass dich tragen wie ein Blatt im Wind, spiele, lache, tanze wie ein fröhlich Kind. Um all dein Strahlen in die Welt zu tragen, damit auch andere sich an deiner Freude laben.“

Meine Begegnung mit dem Pflanzengeist

Um mich mit dem Pflanzengeist der Kissenprimel zu verbinden setzte ich mich inmitten eines blühenden Feldes und schloss meine Augen. Schnell erschien mir ein kindliches, fast elfenhaftes Wesen, das mich an die Hand nahm und zusammen schwebten wir federleicht über die blühende Wiese hinweg. Die Leichtigkeit nahm dabei so zu, dass wir uns irgendwann in luftige Höhen wiederfanden. Die elfenhafte Gestalt begann jetzt einem spielenden Kind gleich fröhlich zu tanzen. Sie drehte sich dabei so schnell im Kreis, dass sein fast durchscheinendes Kleidchen sich weitete und einer sich öffnenden Blüte glich. Mir wurde immer leichter ums Herz und eine angenehme Müdigkeit begann sich in mir breit zu machen. Alles war so friedlich und ein Lächeln begann sich auf mein Gesicht zu zaubern. Es war als ob die Primel mein Herz aufschließt und die Sonne hereinlässt. Und als ich meine Augen öffnete, genoss ich den Anblick der blühenden Primeln auf der Wiese und dachte mir nur: „Wie schön ist es doch am Leben zu sein!“ Wenn dir die Kissenprimel jetzt im Frühling irgendwo begegnet – ob im eigenen Garten, im Park oder beim Spazierengehen – mag das eine Aufforderung sein, dich zu ihr hinzusetzen und ihrem Wesen zu lauschen. Du wirst staunen, was dieses zarte Pflänzchen an Wirkkräften in sich hat.

Was die Kissenprimel für dein Seelenheil tun kann

Sie vermittelt dir spielerische Leichtigkeit

Kissen-Primel (Primula acaulis)

Die Energie der Kissenprimel ist zart, fein, luftig und leicht. Gerade, wenn du dich schwermütig fühlst, dich etwas bedrückt oder die Frühjahrsmüdigkeit sich bleiern auf deine Gemütsverfassung auswirkt, ist es ratsam ihre Gegenwart aufzusuchen. Ihr durch und durch beschwingendes Wesen verleiht so manch schweren Gedanken Flügel und wirkt somit jeglicher Traurigkeit entgegen. Was zuvor zu viel an Ernst und Strenge da war, weicht jetzt einer sorglosen Fröhlichkeit, die aus den Tiefen deines eigenen Seins emporsteigt und dich wieder in deinem Licht erstrahlen lässt.

Sie öffnet dein Herz und fördert Selbstliebe

Das sanfte Wesen der Kissenprimel weiß in unglaublich behutsamer Art und Weise deine Herzgegend zu berühren. Es ist, als ob sich die Energie eines zutiefst liebevollen Lächelns sich bis in jede Zelle deines Körpers ausbreitet und du dadurch nicht anders kannst, als dein Herz zu öffnen. Die Kissen-Primel fordert dich auf, deine innere Sonne strahlen zu lassen und dich in deinem Wesen, so wie du bist, voll und ganz anzunehmen.

Sie öffnet deine Sinne für die Anderswelt

Das Wesen der Kissenprimel gleicht einer zarten Brise, die sich wie ein zarter Schleier über dich legt und alle deine Sinne verfeinert und sensibilisiert. Ihre Schwingung wirkt dabei auch auf das Chakra (Energiezentrum) deines 3. Auge, das für Hellsichtigkeit steht. Damit öffnet dich die Kissenprimel für die unsichtbare Welt der Naturwesen, insbesondere den Elementarwesen der Luft. So ist sie für mich als Blume auch eine Art „Feenvermittlerin“ oder „Elfenblume“ .

Sie wirkt beruhigend und besänftigend auf dein Gemüt

Die Schwingung der Kissenprimel wirkt insgesamt wohltuend und beruhigend. Es gleicht dem Gefühl von Schnee, der lautlos zu Boden fällt und die ganze Landschaft in eine stille, weiße Decke hüllt. So weiß auch die Kissenprimel Gereiztheit in Sanftmut zu verwandeln und nervöse Anspannung in entspannte Losgelöstheit. In ihrer zarten Berührung wirst du dich zudem schnell geborgen und beschützt fühlen.

Sie hilft dir Herausforderungen gelassen zu meistern

Dadurch, dass dir die Kissenprimel Leichtigkeit vermittelt, deine innere Sonne zum Strahlen bringt und dir ein gesundes Maß an Entspannung zuteil werden lässt, vermagst du auch gelassener mit momentanen Herausforderungen umzugehen. Was vorher als riesengroß und unüberwindlich erschien, geht mit genügend Primelenergie ganz leicht von der Hand.

Wie Du die Kraft der Kissenprimel am besten für Dich nutzen kannst

In der bewussten Begegnung

Die Kissenprimel liebt über die Jahre gewachsene Böden in halbschattiger Lage, weshalb du sie vorwiegend in alteingesessenen Gärten und Parkanlagen zwischen März und April finden kannst. Es reicht dabei schon, ihre hellgelb leuchtenden Blüten anzuschauen, um von ihrem Wesen erfaßt zu werden. Generell haben alle Primelarten eine ähnliche Wirkung auf der feinstofflichen Ebene. So kannst du auch mit einer großblumigen, farbenprächtigen Primel aus dem Floristikladen deine Wohnstube sowie deine Stimmung aufhellen.

In der naturheilkundlichen Anwendung

Volksmedizinisch wird die Primel nach wie vor genutzt, wobei hier vor allem die Wurzeln der höherwachsenden Frühlingsprimel (Primula veris) verwendet werden. Im Großteil Mitteleuropas stehen Primeln unter Schutz, weshalb du sie nur im eigenen Garten sammeln solltest und Wurzeln am besten in der Apotheke erwirbst.

  • Innerlich werden Primel-Wurzeln als Hustenmittel bei Erkrankung der Atemwege eingesetzt. Sie sind schleimlösend, auswurffördernd und erleichtern das Abhusten. Zudem haben sie harntreibende, antirheumatische und herzstärkende Eigenschaften. Für den Tee 1 Teelöffelspitze voll (nur 0,5g!) Wurzeln mit 1/4 lit. kochendem Wasser übergießen und 10-15 Minuten ziehen lasen. 1 bis 3 mal täglich 1 Tasse heiß trinken. Gemischt mit Fenchel, Anis und mit Honig gesüßt, sind Schlüsselblumenwurzeln ein hervorragender Hustentee.
  • Ihre Blüten enthalten zudem ein ätherisches Öl, dass die Nerven beruhigt und gegen Schlaflosigkeit hilft. Für den Tee 1-2 Teelöffel Blüten mit 1/4 lit. kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Mehrmals täglich 1 Tasse heiß trinken.

Achtung! Vor allem bei den Wurzeln können bei Überdosierung Übelkeit, Brechreiz und Durchfall auftreten! Bei bekannter Allergie gegen Primeln sollte auf die Anwendung verzichtet werden.

Kissenprimel oder auch Stängellose Schlüsselblume auf dem Rasen eines alteingewachsenen Gartens

Als Wildgemüse und Lebensmittel

Die Kissenprimel besitzt weiche, mild schmeckende Blätter, die als rohe Beigabe zu Salaten beigemengt werden können. Die fein-honig-aromatischen Blüten sind eine wunderbare, essbare Dekoration und können sogar zum Ostereierfärben verwendet werden.

Wenn du jetzt wo eine Kissenprimel entdeckst, vielleicht sogar in deinem eigenen Garten, dann nutze einmal die Gelegenheit dich bewusst mit ihrem Geist zu verbinden. Du wirst erstaunt sein, zu welchen Welten sie dir alles ein Schlüssel sein kann.

Ich freue mich auf dein Kommentar!

herzlichst,

Alfred Zenz – Der Seelengärtner

P.S.

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Im August 2017 interviewte ich meine Großmutter Susanne Url zu ihrem hundertsten Geburtstag. Der darauf folgende Artikel erzielte eine unglaublich große Reichweite. Die Worte meiner Großmutter bewegten viele Menschen – Jung wie Alt – und berührten so manches Herz. Eineinhalb Jahre später, am 25. Jänner 2019, starb sie friedlich in den Armen ihrer Tochter Aurelia. Ich empfinde es als ein großes Geschenk, dass ich sie noch zu Lebzeiten interviewen durfte um ihr Wissen und ihre Weisheit in schriftlicher Form für die Nachwelt zu bewahren. So ist das folgende Interview von ganzem Herzen meiner Url-Oma gewidmet.

„Damals konntest du nicht viel zum Doktor gehen. Bei uns haben sich die Leute selbst geholfen, die haben selber gewusst, die Kamille ist für dies und der Spitzwegerich ist für das. “ (Susanne Url)

Mit Wild- und Heilkräutern aufgewachsen

Sie sitzt entspannt da, ihre alten, gezeichneten Hände in den Schoß gelegt. Sie wurde am 02. August 2017 100 Jahre alt (!), auch wenn sie nicht so auf mich wirkt. Ihr schelmisches Lächeln erinnert eher an ein aufgewecktes Mädchen. Für ihr Alter ist sie noch unglaublich fit und vital. Auf die Frage, ob es ihr gutgeht, sagt sie nur: „Oh ja, die Füsse wollen halt nicht mehr überall mit.“

Mit ihren 100 Jahren steigt sie sogar noch ganz alleine die steile Treppe hinauf in den ersten Stock und näht uns Enkeln nach wie vor warme Winter-Wollsocken zu Weihnachten. Aber sie ist nicht nur körperlich fit, auch ihr Geist ist von erstaunlich reger Natur und weiß noch unglaublich Spannendes von längst vergangener Zeit zu berichten. Heute mache ich etwas, was ich schon seit Jahren vorhabe und bis jetzt noch nie schaffte – Ein Interview mit meiner Grossmutter aus Übelbach in der Steiermark.

Ich kann mich gut erinnern, als ich sie im Jahre 2014 nach meinem Berufswechsel vom Gartengestalter hin zum Seelengärtner einmal besuchte. Neugierig fragte sie mich damals, was denn das sei – ein „Seelengärtner“ – und was ich denn da mache. Ich erklärte ihr, dass ich den Menschen die Wilde Natur näher bringe. Als Beispiel dazu erwähnte ich die Wildkräuterwanderungen, wo ich den Leuten zeige, was sie an sogenannten „Unkräutern“ essen und verwerten können. Ungläubig schaute sie mich damals an und fragte erstaunt: „Des is a Beruf??“ (auf gut Deutsch: „Das ist ein Beruf??“). Es war ein bißchen so, als ob ich erzählte, dass ich mein Geld damit verdiene den Menschen den Unterschied zwischen Sonne und Mond zu erklären. Für sie war die Welt der Wild- und Heilkräuter etwas so Selbstverständliches wie die Luft zum Atmen. Etwas, mit dem sie seit ihrer Kindheit aufgewachsen ist.

Wie man sich mit Asche die Zähne putzt, warum Holzhacken gegen Wehenschmerzen hilft und was ihr Geheimnis für ein gesundes, langes Leben ist – das alles erfährst Du im folgenden Gespräch.

Ich führte das Interview gemeinsam mit meiner Oma, der Mutter meines Vaters Alfred Zenz sen. (geb. 1935), Susanne Url, und ihrer Tochter Aurelia, die ich kurz Reli nenne. Mit ihren inzwischen 76 Jahren weiß auch sie viel von ihrer Kindheit und der damaligen Zeit zu berichten und unterstützt meine Grossmutter beim Erinnern und Erzählen.

Im Gespräch mit einer 100jährigen

Liebe Oma, du bist am 02. August 100 Jahre alt geworden! Das ist ja nichts Selbstverständliches. Wie geht es Dir so im Alltag? Bist du noch gut beinander?

Alfred Zenz Jun. mit seiner Oma aus Übelbach

Oma: „Ja, finde ich schon. Ich meine, ich kann gut schlafen. Die Füße machen halt nicht mehr so mit und das Kreuz tut halt manchmal weh.“

Aber du gehst noch immer die Stufen rauf? (Anm.: Die Stufen in den oberen Stock, wo sie auch schläft. Es sind wirklich sehr steile Stufen!)

Oma:Ja sicher! 3 Mal am Tag! Und wenn es schön ist, dann gehe ich wieder runter zum Sitzen. Dann geh ich wieder rauf, hör die Reli (Anm.: ihre Tochter) schreien, dass es einen Kaffee gibt und geh wieder runter in die Küche. Bewegung ist wichtig, weißt du! Viel zum Sitzen darf man halt nicht anfangen, dann werden die Füsse steif.“

Ja, und du bist ja auch noch ganz fit im Kopf, so scheint mir, oder?

Oma: „Ja, das hoffe ich! Manchmal sag ich halt auch einen Blödsinn 🙂

Ich glaube, das tun wir manchmal alle (lache). Liebe Oma, ich möchte dich heute gerne ein bißchen über die Heilkräuter befragen. Mein Vater hat mir bis jetzt immer wieder davon erzählt, wie er als Bub Kräuter sammeln gegangen ist. Hattet ihr damals so etwas wie eine Hausapotheke?

Oma: „Ja, für Tee haben wir gesammelt, wenn mal wer erkältet war. Es war ja damals Kriegszeit, du hast ja nichts gekriegt. Das chemische Klumpat (Anm.: synonym für minderwertiges Zeugs), das hätt vielleicht mehr geschadet als es geholfen hätte. Da hat man doch lieber Kräuter gesammelt, nicht?“

Wie war das denn damals eigentlich mit dem Arzt? Hattet ihr einen Arzt, wo ihr hingehen konntet?

Oma: „Na, wir hatten schon einen Arzt, einen Gemeindearzt. Aber wir haben nicht oft einen Arzt gebraucht.“

Reli: „Ach, alle paar Jahre mal vielleicht. So weit ich mich erinnern kann ist der nie gekommen.“

Und der Arzt, hat der mit Kräutern gearbeitet?

Oma und Reli (schütteln beide den Kopf): „Nein, nein überhaupt nicht.“

Reli: „Nein. Weißt du, früher sind wir oft zur Nachbarin gegangen und haben uns was ausgeborgt, wenn wir was gebraucht haben. Weißt, früher haben sich die Frauen untereinander ausgeholfen.“

Dein Mann, also mein Großvater, der hat ja auch Lärchenpech gesammelt, so viel ich weiß. Wie habt ihr das denn genau verwendet? (Anm.: Lärchenpech ist das Harz der Lärche)

Oma: „Salben haben wir daraus gemacht. Für Wunden und so, oder wenn du irgendwo ein Geschwür oder so gehabt hast, dann hast du das aufgetragen und mit einem Verband fixiert. Ein Doserl davon hatten wir immer zuhause.“

Url-Oma mit Kräuterelixier

Und habt ihr dann überhaupt jemals so etwas wie Antibiotika genommen?

Oma: „Anti…Was?“ (Sie versteht das Wort nicht)

Reli übernimmt die Antwort: „Wir haben immer Krenn (Anm.: Meerrettich) genommen. Wenn wir verkühlt waren, haben wir die Wurzel in Radeln aufgeschnitten und die dann aufgefädelt und um den Hals gehängt. So, dass man sie ständig riechen kann. Das waren unsere Antibiotika.“

Aber auch als Kind, habt ihr da nie Antibiotika nehme müssen…(ich schaue meine Oma an)…hast du überhaupt jemals Antibiotika genommen?

Oma: „Nein. Weil, wenn du diese Anti…dieses starke Zeug da, die Antibiotika nimmst, dann helfen die Kräuter nicht mehr! Da sind die Kräuter dann viel zu schwach.“

Habt ihr denn nicht irgendwann einmal eine gefährliche Krankheit gehabt, wo wer daran hätte sterben können?

Oma: „Ernstlich krank waren wir nie, auch der Vater (Anm.: ihr Ehemann) nicht.“

Reli (denkt nach): „Ich hatte einmal Lungenentzündung gehabt, da ist dann schon der Arzt zu uns nach Rastbühel (Anm.: Heimatort) raufgekommen. Dann hat er mich einmal ordentlich zusammengeschimpft (Anm.: getadelt), weil ich so geschrien habe und dann ist er wieder gegangen. Und dann ist der Vater am nächsten Tag gleich zur Lammer-Resi (Anm.: die Kräuterfrau von Passail, einem Ort nördlich von Graz) gegangen. Und die hat einen Tee zusammengestellt, während die Oma Brustwickel gemacht hat.“

Also gab es eine Kräuterfrau, wo ihr hingegangen seid. Was war eigentlich mit den Essbaren Wildkräutern, wie Giersch, Brennnessel, usw.

Reli: „Damit haben wir nur Tee gemacht und so.“

Aha, also nur als Heilkraut verwendet, nicht gesammelt und gegessen?

Reli: „Genau“

Wart ihr da eine Ausnahme, dass ihr selbst die Kräuter und das Lärchenpech gesammelt habt oder haben das alle Leute hier gemacht?

Oma: „Nein, nein, das haben nur wir so gemacht. Aber grundsätzlich konnten die Leute früher nicht viel zum Doktor gehen, das hast ja selber zahlen müssen – das war zu teuer! Bei uns haben sich die Leute selber geholfen. Tee gemacht oder wenn es notwendig war Umschläge gemacht, eingewickelt, rein ins Bett, schwitzen und am nächsten Tag ist es wieder besser gegangen. Wir haben selber gewusst, die Kamille ist für dies und der Spitzwegerich für das. Und das haben wir halt gesammelt und hatten immer einen Vorrat davon zuhause, auch für den Winter. Und wenn wir es nicht gebraucht haben, dann haben wir es halt den Kühen gegeben.“

Reli: „Bei uns war es so: Zuerst sind die Menschen dran gewesen mit dem Tee. Den hat man dann nicht weggeschüttet, sondern anschliessend dem Tier gegeben. Da war das Vieh fast gleichgestellt wie der Mensch.“

Ja, und wie war das mit dem Zahnarzt?

Reli (erinnert sich an den Zahnarztbesuchs ihres Vaters): „Wieviel hat denn damals der Vater für seine Zähne gezahlt und mit was, weißt du es noch Oma? Mit einem Kitzerl (Anm.: Junge Ziege) oder?“

Oma: „Ach so, ja. Es war ja damals so eine schlechte Zeit, da hast du selber drauf schauen müssen auf dich. Der Zahnarzt war froh, wenn er ein Fleisch bekommen hat. Und wir haben damals eine Goass (Anm.: Ziege) gehabt und ein Kitzerl und das haben wir abgestochen und ihm gegeben.“

Reli: „Der Vater hat sozusagen mit dem Kitzerl seine ganze Zahnprotese bekommen.“

Was war denn das für eine Zeit, von der ihr redet? Gabs da überhaupt schon eine ordentliche Zahnpflege?

Reli: „1945, 1946/47. Ja, das war früher schon alles möglich. Und Zahnpflege, die hat man sich selber zusammengestellt. Der Vater hat sich immer mit Asche seine Zähne geputzt.“

(Ich ungläubig) Mit Asche!?

Reli: „Ja, mit Flugasche.“

Oma: „Das hat mein Stiefvater auch gemacht, das haben wir alle gemacht. Zahnbasta hat es vielleicht schon gegeben, aber du hättest sie dir eh nicht kaufen können.“

Reli: „Auf der Asche ist oben drauf so eine lockere Schicht. Das ist die Flugasche, die kannst du wegblasen und die ist auch nicht scharf. Die andere Asche kannst eh nicht gut blasen. Die Zahnbürste wurde in die Asche getunkt und damit haben wir Zähne geputzt, das weiß ich.“

Aber wenn so gut wie nie der Arzt gekommen ist und sich den eh niemand leisten konnte, dann frage ich mich, wie das denn mit den Geburten vonstatten ging? Bist du zum Gebären nie im Krankenhaus gewesen, Oma?

Oma: „Nein, da war schon immer irgendwo eine Bäuerin, die selbst schon Kinder hatte oder selbst schon einmal dabei gewesen ist bei einer Geburt und sich ein bißchen ausgekannt hat. Dann ist das schon gegangen.“

Reli: „Im Grunde genommen ist es eh natürlich. Heutzutage macht man so ein großes Ding draus.“

(Ich zu Reli gewandt) Und wie war das bei deiner Geburt mit der Hebamme? Da weiß ich, da gibt´s ja eine besondere Geschichte dazu, oder?

Oma: „Ja, die Hebamme ist gekommen, als das Kind schon da war (lacht). An dem Tag, ich glaube es war Pfingsten, da war der ganze Hof gerade voll mit dem Geäst, das wir vom Wald runtergezogen haben. Wir mussten das weghacken (Anm.: kleinhacken und verarbeiten), damit wir überhaupt in den Keller hineingekonnt haben. Und da habe ich als Hochschwangere auch fleissig gepeckt (Anm.: gehackt). Und dann habe ich plötzlich gespürt, dass ich Wehen kriege und bin losgerannt. Schnell, dachte ich mir, noch für den Vater (ihren Mann) das Nachtmahl richten. Es war ja schon nach 4, ist bald 5 Uhr geworden. Dass er was zum Essen hat, wenn er von der Arbeit heimkommt. So habe ich schnell einen Salat geholt, das Vieh in den Stall gebracht und geschaut dass die Kinder ins Bett kommen. Das habe ich gerade noch zusammengebracht und mich dann ins Bett gelegt – und dann war sie da – die Reli!“

Aber warum ist denn dein Mann überhaupt fort gewesen an diesem Tag? Du warst ja hochschwanger und das Kind konnte jeden Moment kommen, oder?

Reli: „Ja, heute bleibt ein Mann zuhause, wenn so etwas wäre. Damals hat man die Frauen alleine gelassen mit den Kindern. Da hast du keine Zeit gehabt zum Nachdenken. Und ich finde, als Frau hast du sehr viel zum Denken gehabt, damit alles am Hof läuft.“

Aber nur damit ich das richtig verstehe: Jedesmal, wenn du Wehen bekommen hast, Oma, bist du rausgegangen Holz hacken?! Ich kann mir das nicht vorstellen.

Reli: „Ja, wenn sie Wehen bekommen hat, hat sie wieder einen Ast (Anm.: Ein Stück Feuerholz) gehackt und hat den Schmerz damit übertrumpft.“

Oma: „Damals hast halt müssen Bewegung machen. Und je mehr Bewegung du gemacht hast, desto weniger hast du gespürt. Heute wartest du als Frau ja, und wenn eine Wehe kommt, ja, die tut dann ordentlich weh!“

Susanne Url, 100 Jahre alt

Reli: „Ja, heute nehmen die Frauen halt Schmerzmittel oder bekommen Infusionen..das war ja damals alles nicht.“

Habt ihr damals eigentlich auch so etwas wie Schafgarbe und Beinwell verwendet?

Oma: „Ja, Schafgarbe hat den Stoff drinnen, was zusammenzieht. Bei Wunden und Verletzungen haben wir Schafgarbe gekocht, einen Fetzen mit gekocht, aufgelegt, drüber gebunden. Der Schmerz hat dann schon nachgelassen – das war ja wichtig, nicht?“

Heute weiß man, ist die Schafgarbe eines der wichtigsten Mittel bei Menstruationsbeschwerden, habt ihr das damals gewusst?

Oma: „Ja, natürlich.“

Verwendete man Kräuter auch bei seelischen Leiden, wie z.B. heutzutage Johanniskraut als Unterstützung bei Depressionen?

Reli: „Es hat damals nicht viel Depressionen gegeben. Da hat jeder schauen müssen, damit er über die Runden kommt, damit er wieder was zu essen und zum Anziehen hat. Da bleibt alles andere im Hintergrund.“

Okay, zusammengefasst habt ihr also die Wildkräuter vor allem zu Heilzwecken verwendet. Dann habt ihr sicher auch Tinkturen gemacht und Salben, oder?

Oma und Reli: „Ja, Arnika-Salben und Arnika-Tinkturen haben wir gemacht. Für die Salben nahmen wir meistens Schweineschmalz oder Hasenfett. Damit wird die Salbe noch viel feiner. Darin haben wir die Kräuter schön langsam und nicht zu heiß gekocht bzw. geröstet. Das Fett ist dann schön gelb geworden. Dann liessen wir es mitsamt den Kräutern über Nacht stehen, damit es noch gut ausziehen kann. Am nächsten Tag haben wir das Fett dann abgesiebt und das war dann die fertige Salbe.“

Und wie lange haben die Salben gehalten?

Reli: „Du, das ist alle Jahre frisch gemacht worden bei uns. Und wenn wirklich was übrig geblieben ist, dann haben wir das für das Vieh verwendet.“

Und wie habt ihr damit das Vieh behandelt?

Reli: „Du, oft waren die Kühe wundgetreten oder von den Bremsen (Anm.: blutsaugendes Insekt) zerstochen – die haben oft ganze Löcher in die Haut gebissen. Die haben wir dann eingeschmiert. Und für das hat der Vater dann das Lärchenpech-Öl verwendet, das haben die Bremsen und die Fliegen gemieden. Ja, früher hat das Vieh schon auch was mitgemacht. Manches Jahr war es nämlich auch sehr warm und die Kühe waren oft komplett zerstochen. Zudem haben sie sich oft zusätzlich verletzt, wenn sie wild durch den Wald gerannt sind. Und wenn es ein schlechtes Wetter gab, trat manchmal auch die Rotseuche auf. Das ist eine Art Nierenentzündung, wenn die Kühe wo zu lange auf kaltem Boden gelegen sind. Wir hatten immer damit zu tun, darauf zu schauen, dass das Vieh gesund bleibt.“

Und was habt ihr dann bei Rotseuche eigentlich gemacht?

Oma und Reli: „Erst einmal in Stall gestellt. Sie hatten ja auch Fieber. Dann haben wir meist mit Kamille und anderen Kräutern, die gerade verfügbar waren, einen Tee gekocht und sie damit eingerieben und auch zum Trinken gegeben. Jedenfalls mussten sie trocken und warm haben in der Nacht.“

Wow, das sind ja alles sehr spannende Geschichten. Liebe Oma, was ich dir zum Abschluss jetzt noch gerne fragen möchte: Was glaubst denn du, was dein persönliches Geheimnis ist, dass du mit 100 Jahren noch so fit und kräftig bist? So etwas wie: weil ich DAS gemacht habe bin ich so gesund geblieben.

Oma: „Naja du, wenn man irgendwie gläubig ist, würde man sagen, es ist Gottesgabe, dass du immer halbwegs gesund bist, dass du dies und jenes schaffen kannst. Und ich meine, es war vor allem meine gute Ehe! Eine gute Ehe führen, das ist wichtig, dass du gut mit deinem Lebenspartner zusammenpasst, alles ausreden kannst mit ihm und nicht ständig streiten musst. So richtig böser Streit, das hat es bei uns nie gegeben. Wir hatten immer eine glückliche Ehe!“

Reli: „Oma du musst sagen, dass du auch gute Gene gehabt hast, weil deine Großmutter auch 80 Jahre alt geworden ist – für die damalige Zeit ist das sehr viel! Und die hat ein Auto zusammengeführt, zu der Zeit! – das musst du dir einmal vorstellen!“

Aber das heißt, so wie ich das so heraushöre, ist das harmonische Miteinander in der Partnerschaft für dich ein ganz wichtiger Teil gewesen für deine körperliche Gesundheit…

Oma: „Ja, sicher, für alles! Auch von der Denkeinstellung her. Ich meine, da gibt´s so viele Leute, so viele Ehepaare, die sich gegenseitig nicht wirklich verstehen. Wenn du eine gute Ehe führen willst, dann musst du dich da richtig hineindenken. Und auch wenn gute Worte schwer zu finden sind, wenn dir etwas nicht passt beim Partner, dann musst du es auch ansprechen. Durch das gute Gespräch und das Ausgleichen danach wird die Situation immer besser. Aber auch nachgeben ist manchmal wichtig. Diejenigen, die niemals nachgeben wollen, die streiten dann auch ständig. Ob du eine gute Ehe führst mit deinem Partner oder nicht, das geht immer von dir selbst aus!“

Und ihr habt euch in der Ehe viel Kraft gegeben…

Oma: „Ja, sicher. Wenn es in der Ehe gut geht, dann geht alles gut, der ganzen Familie, der ganzen Wirtschaft. Und geht es in der Ehe nicht gut, dann passt in der ganzen Familie was nicht. Und weißt du, bei uns hat es so etwas nicht gegeben, wir haben uns immer gut verstanden.“

Liebe Oma, vielen lieben Dank! Ich könnte dich wohl noch ewig weiterfragen. Du hast mir damit ganz viel altes und authentisches Wissen vermittelt. Ich werde dich gerne weiterhin dazu befragen und freue mich auf ein nächstes Wiedersehen! Vielen lieben Dank für dieses Interview!

Mein Vater, Alfred Zenz sen. (82 Jahre) mit seiner Mutter Susanne an ihrem 100jährigen Geburtstag

Vielleicht kennst Du ja von Deinen Großeltern auch solche Erzählungen. Und vielleicht hat Dich dieses Interview auch dazu inspiriert Deine Oma oder Deinen Opa einmal zu diesem oder jenem genauer zu befragen. Indem Du bewusst nachfragst, hörst Du auch bewusst zu und plötzlich erscheinen Dir selbst altbekannte Geschichten in völlig neuem Licht.

Für mich war es sehr heilsam. Es verband mich wieder mit meinen familiären Wurzeln, mit meiner Herkunft. Aber das größte Geschenk für mich war es, dass ich mir die Zeit nahm mich einmal ganz bewusst meiner Oma zu widmen, ganz bei ihr zu sein, mit ihr mitzuleben. Jetzt, wo sie noch als Mensch da ist, greifbar ist…. Das erste Mal begriff ich, wie diese Geschichten auch Teil meiner eigenen Geschichte ist. Und ich glaube, erst wenn das geschieht, erst dann erfahren diese Geschichten auch wirklich Wertschätzung und können von Generation zu Generation weitergetragen werden. Erst dann sind sie verinnerlicht.

Irgendwer hat mir einmal gesagt: „Das größte Geschenk, dass Du einem Menschen machen kannst ist Zeit.“ Danke, dass ich diese Zeit mit dir verbringen durfte, liebe Großmutter – DANKE!

In Gedenken an meine liebe Großmutter alias „Url-Oma“ – der besten Oma der Welt!

 

 

Aus ganzem Herzen,

Alfred Zenz Jun. – Der Seelengärtner

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Das ungekürzte Interview als PDF zum Downloaden HIER.

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„Magie ist die Kunst, die Dinge zu nutzen, die die Wissenschaft noch nicht erforscht hat.“ (Maz Bour, Therapeutin für alternative Therapietechniken)

Jetzt um die Adventszeit, rückt neben der Tanne noch eine andere Pflanze in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – die Die Mistel. Jetzt, wo die Bäume ihr Laub verlieren, kannst du sie als grüne, kugelige Büsche häufig auf Pappeln, Birken, Weiden oder alten Äpfelbäumen sehen. Besonders auffällig sind dabei ihre glänzend-weißen Beeren, was ihr auch den Namen „Weiße Mistel“ (Viscum album) eingebracht hat. Nicht nur, dass sie als Strauch ohne Erde auskommt, auch in anderen Aspekten scheint sie gegen jeglichen Naturrhythmus zu wachsen. So blüht die Mistel dann, wenn alles andere schläft – zwischen Mitte Jänner bis Anfang April. Von der Blüte bis zur Reife der weißen Beeren vergehen dann circa neun, symbolträchtige Monate.

Weiße Mistel auf Apfel (Viscum album)

Auf den Märkten bekommst du sie jetzt in Sträußen angeboten. Einerseits für weihnachtliche Dekorationszwecke, andererseits um sie als „Schutzpflanze“ über die Eingangstür zu hängen. Ein Überbleibsel ihrer einstigen Bedeutung, die sie als magische Zauberpflanze für unsere keltisch-germanischen Vorfahren einmal hatte.

Im letzten Artikel berichtete ich von den Druiden, den heilkundigen Männern unserer keltischen Vorfahren: Wer sie waren, welche Stelllung sie innehatten und welche Fähigkeiten sie besaßen: „Die keltischen Druiden – Die „Baum-Weisen“, die mit den Bäumen sprechen konnten“ In diesem Artikel möchte ich dir das Geheimnis hinter dem sagenumwobenen Mistelkult offenbaren. Was hatte es wirklich damit auf sich? War dieses Ritual nur Esoterik und Aberglaube, wie es uns die moderne Wissenschaft gerne glauben lässt, oder hatte es tatsächlich magische Kraft?

Die Mistel – Eine heilige Pflanze der Druiden

Du kennst sicher das Bild von Miraculix, dem Druiden mit langem, weißen Bart und weißem Gewand, der mittels einer goldenen Sichel eine Mistel von einem (Eichen)Baum schneidet – eine wichtige Zutat für den Zaubertrank, der übermenschliche Kräfte verleiht und das gallische Dorf unbesiegbar macht. Was wir als Comic von Asterix und Obelix kennen, verrät in Wirklichkeit so einiges über die Geschichte unserer keltischen Vorfahren. Nämlich dass Pflanzen – in diesem Fall die auf Bäumen wachsende Mistel – so heilig waren, dass man sie mit höchster Achtsamkeit begegnete und mit besonderen Werkzeugen und Ritualen erntete. Für sie waren es Wesen, in denen die „Götter“ und mächtige Naturgeister wohnten. Die Druiden selbst waren die Schamanen, Magier und Medizinmänner, die mit diesen Wesen reden konnten und von ihnen wichtige Botschaften und (übermenschliche) Heilkräfte vermittelt bekamen.

Für die christlich kultivierten und aufgeklärt denkenden Römer waren die seltsamen Rituale und Beschwörungen der „Wilden Heiden“ unnachvollziehbare und bestenfalls abergläubische Handlungen. Gott sei dank haben sie darüber sehr gestaunt und uns deshalb entsprechende Aufzeichnungen hinterlassen.

Aufzeichung von Plinius über den Mistelkult der Kelten

(Auszug aus dem Buch „Die Kelten“ von Helmut Birkan)1

Weiße Mistel mit Beeren

„Die Druiden…halten nichts für heiliger als die Mistel und den Baum, auf dem sie wächst, wenn es eine Steineiche ist…Sie nennen die Mistel in ihrer Sprache `Allheilmittel`…. In weißem Kultgewand besteigt der Priester den Baum und schneidet die Mistel mit einer goldenen Hippe (falcea aureum) ab und fängt sie in einem weißen Wolltuch auf…. Sie glauben, dass durch Mistelabsud jegliches unfruchtbare Tier fruchtbar werde und daß er ein Gegengift gegen alle Gifte sei….“

Wobei es sich um die Eichenmistel (Loranthus europaeus) handelte. Die Weiße Mistel (Viscum album) dürfte aber in gewisser Weise ähnlich wirken.

Welche Heilkraft die Druiden der Mistel zusprachen

Dieser Kult mag den Römern sehr suspekt erschienen sein, denn die Mistel war für sie ohne Wert. Aber war sie das tatsächlich? Für die Druiden hatte sie große Bedeutung.

  • Sie war DAS Symbol der Fruchtbarkeit schlechthin. Die weißen, schleimig-klebrigen Beeren galten als die Spermatropfen des kosmischen Stiers, der die große gebärende Göttin befruchtet.2
  • Sie galt als einer der mächtigsten und magischsten Zauberpflanzen welche die Türen in die Anderswelt öffnet. Als eine Pflanze, die zwischen Himmel und Erde angesiedelt ist und entgegen der natürlichen Rhythmen wächst und blüht, ist sie ein „Zwischenwesen“. So eine Pflanze ermöglicht das zauberische Handhaben des Zwischenraums, des unkontrollierbaren Chaos, in dem alles möglich, aber nichts fixiert ist. (Wolf-Dieter Storl, Die Pflanzen der Kelten)
  • In ihrer reinen, göttlichen Kraft galt sie auch als Symbol des Friedens. In ihrem Zeichen versöhnten sich die Feinde und gaben sich den Friedenskuss.
  • Sie galt als DIE Allesheilerin und wurde bei beinahe jeder Art von Krankheit eingesetzt. Bekannt ist zum Beispiel dass Fallsüchtige und andere von bösen Geistern besessene mit einem blutgetränkten Mistelzweig berührt wurden, um sie wieder gesund zu machen.2

Die Rituale, wo die Mistel zauberisch gebraucht wurde, fanden oft in Verbindung mit Opferhandlungen statt, wie man den römischen Texten entnehmen kann. Im niederösterreichischen Waldviertel, einem Gebiet nahe der tschechischen Grenze, zeugen noch sehr viele Relikte von diesen Riten. So gibt es z.B. „Opfersteine“ mit (Blut)Rinnen, wo mit hoher Wahrscheinlichkeit Tieropfer gebracht wurden.

Keltischer Opferstein bei Groß Gerungs, Waldviertel

Weiße Mistel mit Beeren (Viscum album)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was wir heute über die tatsächliche Heilkraft der Mistel wissen

Hunderte, wenn nicht tausende von Jahren sind vergangen und man fragt sich, ob dieser einstige Kult um die Mistel nicht einem abergläubischen Mehr-Götter-Glauben eines „Wilden Volkes“ entspringt. Weit gefehlt. Die Heilkraft der Mistel ist heute in vielerlei Hinsicht wissenschaftlich bestätigt.

Sie gilt als einer der wirksamsten, natürlichen Anti-Krebs-Mittel

Heute weiß man, dass die Weiße Mistel eine der wichtigsten Naturheilmittel bei Krebs darstellt. Über 100 klinische Studien bestätigen ihre antitumorale Wirkung. Diese besteht vor allem darin, dass das Immunsystems gestärkt und der Tumorwachstum durch den „programmierten Zelltod“ (Apoptose) gehemmt wird. Zum anderen schützt sie die Erbsubstanz der Immunzellen und anderer gesunder Zellen vor schädlichen Einwirkungen wie zum Beispiel Zellgiften.3 Insgesamt führt das zu einer Verringerung der Nebenwirkungen bei der Chemotherapie und/oder Strahlentherapie – so das Ergebnis vieler Forschungen.

Sie hat ein enorm breites Anwendungsspektrum in der Naturmedizin

Aber die Mistel kann weit mehr als das: So findet sie auch Anwendung bei Bluthochdruck, Arteriosklerose, Kopfschmerzen, Herzschwäche und Wechseljahresbeschwerden um nur ein paar wenige Anwendungsgebiete zu nennen. So ist sie definitiv eine „Allesheilerin“ unter den Pflanzen und dabei sind viele ihrer Heilkräfte sicherlich noch gar nicht entdeckt. In der Volksmedizin gilt die Mistel übrigens nach wie vor als fruchtbarkeitsfördernd. Aus einem Interview mit der bekannten Kräuterfrau Maria Treben ist zu entnehmen: „Der frische Mistelsaft kann die Unfruchtbarkeit einer Frau beheben.“ 2

Achtung! Die Mistel, insbesondere die Beeren sind (leicht) giftig! Jede Behandlungsform muss durch einen Arzt begleitet werden! Ich kenne einen Fall, wo die gleichzeitige Behandlung mit dem Mistelpräparat die Chemotherapie aufgehoben hat – die Pflanze hat einfach Kraft und ist mit Vorsicht zu verwenden!

Eine extrem lichtvolle Pflanze – Meine eigene Wahrnehmung

Kuss unter einem Mistelstrauch

Für mich bringt die Mistel vor allem Licht in das seelisch-leibliche System und erhöht die körpereigene Schwingung enorm. Jeder, der bei einem meiner Pflanzengeisterworkshops schon einmal die Mistel als Kraftpflanze hatte, weiß wovon ich spreche. Aus dieser Perspektive betrachtet, erhöht sie natürlich die Widerstandskräfte und hält Fremdeinflüsse von Außen fern. So sollen auch heute noch die über den Türen aufgehängten Mistelbüsche vor Weihnachten Schutz bieten und die Liebe der sich darunter Küssenden segnen. Der Friedenskuss hat sich hier wohl in anderer Form erhalten und mit dem Aspekt der Fruchtbarkeit verbunden.

 

Sie hat Macht über die Polaritäten

Zudem vermag sie „negative“ Schwingungen in „positive“ umzuwandeln und wirkt somit extrem harmonisierend – was Radiästheten und Geomanten heute bestätigen. So kommen sie vor allem auf Bäumen vor, die auf für sie ungünstigen Plätzen wachsen (oft in Kombination mit Wasseradern) und dadurch geschwächt sind. Entgegen der verbreiteten Meinung Misteln sind nur Schmarotzer, die den Baum töten, HILFT die Mistel in den meisten Fällen dem Baum dabei besser mit den Bedingungen zurecht zu kommen! (Und klarerweise gilt auch hier der Grundsatz der Dosierung. Ein zu-viel der Mistel tut einem Baum natürlich auch nicht mehr gut.) Um ihre polarisierenden Kräfte aufrecht zu halten, darf sie bei der Ernte auch nicht auf den Boden fallen, weil sie dadurch an Kraft verlieren würde.

Es wird hier sichtbar, wie sehr dieses alte Ritual der Kelten auch heute noch Sinn macht, wenn man nur diese wenigen Punkte anerkennt. Deshalb wird sie auch mit einem weißen

Tuch aufgefangen, um nicht den Boden zu berühren, deshalb war sie als ultimatives Allheilmittel eines der wichtigsten Zutaten für den berühmten „Zaubertrank“. Auch die goldene Hippe macht Sinn. Denn Eisen galt als „wach machend“ und „erdend“ und würde verhindern, dass die feinen, astralen Schwingungen der Pflanze erhalten bleiben, wenn man sie mit einem Stahlmesser schneidet. Gold als Edelmetall fördert die Verbindung. Auch heute noch ernten traditionelle Kräutersammler ihre Heilpflanzen mit Keramikmesser oder per Hand.

Wie du die Kraft der Mistel für dich selbst anwenden kannst

Die Mistel kannst du heutzutage in Form verschiedener Präparate wie z.B. Misteltee oder Mistelsaft in der Apotheke kaufen. Du kannst sie natürlich ganz traditionell zum

Sonnenaufgang der Wintersonnenwende am 21. Dezember ernten und dir ein Bad aus Mistelzweigen bereiten. Es ist nicht unbedingt eine Wellness-Erfahrung, da ihr Element die Kühle ist und du das Bad so kalt wie möglich „genießen“ sollst. Aber es hat eine zutiefst reinigende Wirkung und ist ein willkommenes Ritual für den Eintritt ins bevorstehende, neue Jahr. Zudem macht es dich empfänglich für die feinen kosmischen Schwingungen und erhöht deine (über)natürliche Wahrnehmungsfähigkeit.

Rezept für ein Mistelbad (von einem schamanischen Lehrer übermittelt)

Zu allererst ist es wichtig, dass du bei dem Baumbesitzer um Ernteerlaubnis fragst. Dann pflückst du die leicht abzubrechenden Ästchen oder sägst, wenn möglich, den Ast mit der Mistel ab. Sie sollte auf keinen Fall den Boden berühren. Im Bedarfsfall kannst du ein weißes Tuch à la Miraculix spannen oder ein Zweiter fängt sie unten auf. Dann schneidest du die Blätter in fingergroße Stücke. Die Beeren lässt du aufgrund ihrer Giftigkeit weg. Zirka 3 bis 4 Hand voll der Blätter setzt du dann in etwa 3 Liter kaltem Wasser über Nacht an. Den Kaltauszug gibst du dann dem Badewasser zu. Das Bad solltest du dabei so kalt wie möglich nehmen.

Weiße Mistel (Viscum album) – Eine „kalte“ Zauberpflanze

Die Wiederentdeckung einer Zauberpflanze

Eines ist jedenfalls gewiss, der Mistelkult hat auf moderne Art und Weise längst wieder Einzug in in die Naturheilkunde gehalten. Vielleicht entdeckst du die Mistel für dich ja als Heil- und Zauberpflanze in buchstäblich neuem Licht wieder und lernst ihre innewohnende Heilkraft zu schätzen. Wenn du jedenfalls das nächste Mal ein Bild von Miraculix mit der goldenen Sichel in der Hand siehst, kannst du dich daran erinnern, dass Vergessenes Wissen immer in Form von Geschichten, Märchen und in dem Fall sogar in Form eines Comics, weitergegeben wurde.

Ich freue mich auf ein Kommentar von dir!

Herzlichst,

Alfred Zenz Jun. – Der Seelengärtner

Weitere Artikel und Videos zur Botanik und feinstofflichen Wirkung der Mistel

Artikel: Die Weißbeerige Mistel – Die Heilerin von einem anderen Stern

VIDEO: Die Weißbeerige Mistel – Eine magische Pflanze im Zeichen von Licht, Schutz und Heilung

Quellennachweis

  • 1 Helmut Birkhan, Kelten: Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur
  • 2 Wolf-Dieter Storl, Die Pflanzen der Kelten, 4. Auflage 2005
  • 3 ttps://www.misteltherapie.at/die-misteltherapie/wirkung

Der Kaffee aus Eicheln zubereitet war zu Kriegs- und Nachkriegszeiten DER Kaffeeersatz. Tatsächlich schmeckt das gemahlene und geröstete Eichelpulver je nach Dosierung angenehm süßlich-mild mit leicht herben Beigeschmack. Eichelkaffee wirkt zudem heilsam auf gereizte Verdauungsorgane, hat einen positiven Einfluss auf die Bauchspeicheldrüse und vermag den Blutzuckerspiegel zu senken. Er ist also nicht nur wohlschmeckend sondern hat insgesamt eine kräftigende und wohltuende Wirkung auf den gesamten Organismus! In diesem Artikel zeige ich dir, wie du ihn in 7 Schritten ganz einfach selbst zubereitest.

Kultur-Rose

(botanisch: Rosa-Hybriden Familie: Rosaceae, Rosengewächse)

„Der Mensch wird geboren, um zu leben – und nicht, um sich auf das Leben vorzubereiten!“ (Boris Leonidowitsch Pasternak)

Sie verziert seit Ende Mai mit ihren unvergleichlichen Blüten unsere Parks und Gärten und gilt seit der Antike als „die Königin unter den Blumen“ – DIE ROSE. Ihre Symbolkraft ist seit tausenden von Jahren ungebrochen. Kein Festbankett, keine Hochzeit und keine Trauerfeier kommt heutzutage ohne die Rose aus. Rote Rosen wurde bereits seit dem Altertum im Zeichen der Liebe, Freude und Erotik verschenkt, weiße Rosen hingegen stehen als Symbol für Unschuld, Reinheit und Heiligkeit. 4

Die Blume des Eros – keine Liebe ohne Schmerz

Die Rose war in der griechischen Mythologie der Aphrodite, dem Eros und Dionysos geweiht. Auch die ägyptische Gott-Königin Cleopatra wußte angeblich die Rose und ihren Duft für seine die Sinne anregende und verführerische Wirkung auf Männer einzusetzen.

„Rosenöl ist bekannt als Duft der reinen und feinen Liebe….Kaum eine Duftpflanze vereint Anmut und Wirksamkeit so sehr wie die Rose“, (Diplom-Aromapraktikerin Ingrid Karner)

Englische Strauchrose `Leonardo da Vinci`

Bei den Kelten und Germanen war sie die Blume der Freya, die Göttin welche unter anderem ihren AnhängerInnen Sexualmagie lehrt – die Kunst anderen seine Liebe zu schenken um dadurch magische und transformierende Kräfte zu erhalten.

Aber sie wurde auch mit Tod in Verbindung gebracht. Man weiß, dass die Germanen Rosen gerne auf Opferplätze und Gräber pflanzten. In der Ostschweiz und im Allgäu werden heute noch abgelegene Friedhöfe als Rosengarten bezeichnet. 4 Seit jeher wird die Rose also nicht nur mit Liebe sondern auch mit Vergänglichkeit und Schmerz in Verbindung gebracht. So erzählt eine römische Mythologie, dass „..die Schönheit und der Duft der Blüten das Sinnbild der Liebe sind, die Dornen aber das der Wunden, welche die Liebe oft verursacht. (aus dem Buch „Geschichten von Blumen und Kräutern“, Miriam Wiegele) 5

Diese Eigenschaften wurden der Rose seit Anbeginn ihrer Entdeckung zugeschrieben. Wurde ursprünglich die Wildform verehrt, wie z.B. die „Hagebutte“ oder „Hundsrose“, so fand im Laufe der Zeit die Kulturrose immer mehr Einzug in unsere Gartengesellschaft.

Wo die Königin der Blumen ihren Ursprung hat

Während die einmalblühenden Sorten im Herbst mit einem Fruchtschmuck aus Hagebutten belohnen, beehren uns die mehrmals blühenden Züchtungen über Wochen und Monate hinweg mit ihrem Blütenflor. Kaum eine andere Pflanze kann so sehr als „Dauerblüher“ bezeichnet werden wie die Kulturrose.

Wir kennen heute tausende von Rosensorten, die sich in Wuchshöhe, Blütenform,- und Farbe sowie ihrem Duft voneinander unterscheiden. Das hat die Rose einer mehr als 2000 Jahre langen Züchtung zu verdanken. Verehrt wurde sie jedoch schon lange vorher. In China legt man den Beginn der Rosenkultur in die Zeit des legendären Herrschers Shennong (3. Jahrtausend v. Chr.) und aus Ägypten stammen Zeugnisse aus der Zeit von Ramses II († 1224 v. Chr.). Dass sie heute ein unabdinglicher Teil unserer Gartenkultur ist, verdanken wir vor allem der europäischen Kaiserzeit, wo Rosen über die Jahrhunderte aus allen Ländern der Welt importiert und in Glashäusern gezogen bzw. weitergezüchtet wurden. 4

Aber die Rose war nicht nur der Schönheit ihrer Blüten wegen begehrt, sondern auch wegen ihres eindringlichen Duftes, der einigen Rosenarten-, und Sorten innewohnt.

Rosenöl – Das duftende Gold der Rose

Rosenöl als eines der teuersten Öle

Rosenöl gehört zu einer der teuersten ätherischen Öle weltweit. Im Großhandel kostet ein Liter echtes bulgarisches Rosenöl bis zu 10.000€! Vor dem Anstieg des Goldpreises in den frühen 1970er-Jahren war Rosenöl sogar teurer als Gold! Das mag damit zu tun haben, dass die Ausbeute sehr gering ist. Für nur einen Liter (!) Rosenöl benötigt man in etwa 4 bis 5 Tonnen (!) Rosenblütenblätter! 4 Das entspricht in etwa dem Gewicht von 3-4 Kleinwägen! Das heißt, dass etwa 30 frisch erblühte Rosen 1 Tropfen Rosenöl liefern, der durchschnittlich 2-3 Euro kostet! 1

Der Ursprung für die Gewinnung von Rosenöl selbst wird im alten Persien vermutet. Dort werden seit tausenden von Jahren die besonders duftenden Blüten der Damaszener- und Zentifolien-Rosen gezogen und verarbeitet. Heute stammen etwa 2/3 der Weltproduktion des echten Rosenöls aus Bulgarien. Verwendet wird es allem voran in der Parfümindustrie wo es neben Jasmin einer der am häufigsten eingesetzten Blumendüfte ist. 4

Im Gespräch mit dem Pflanzengeist der Kulturrose

Der Rose wohnt also ein sehr besonderes, kulturträchtiges und von Menschen innig verehrtes Wesen inne. Und sie kann weit mehr als nur deinen Garten schmücken oder deine Nase beglücken. Wenn ich die Rose bei einem meiner Pflanzengeisterworkshops mit dabei habe, ist sie eine der am meist gewählten Pflanzen. Gerade die Kulturrose weiß dem Menschen auf geistig-seelischer Ebene auf sehr individuelle Art und Weise zu unterstützen.

Würde das Pflanzenwesen durch mich sprechen, was hätte es zu sagen?

„Ich bin die Tänzerin in deinem Garten, die Diva, die sich prächtig präsentiert, mit meiner Schönheit will ich auf dich warten, und mein Duft ist das was dich betört. Ich strahle aus des Herzens Mitte, ich erhöhe deinen Wert und breche jede Sitte. Ich weiß zu herrschen und zu trennen, dich aufzurichten, stolz zu dir zu stehen und dich als wertvoll zu benennen.

Ich bin die Liebe welche durch die Herzen fließt und sich wie fruchtbar Regen auf erwartungsvolle Erde gießt. Ich bin das Plus, das für das Minus scheint und sich in einem feurig Funkenregen hell vereint. Ich bin die Lebenslust, die dich verführt, die Königin, die dich mit einer Krone kürt. So klar, so sicher, aufbegehrend, küssend, um die Schönheit dieses Lebens, in Freude wie im Schmerze wissend.

Denn meine Kraft ist groß und mächtig, so betörend schön und einzigartig prächtig. Es ist die Sonnenhitze die mich durchströmt, die dich so sanft und liebevoll verwöhnt. Doch sagen meine Dornen dir, dass du in Achtung willst begegnen mir. Dass jede Berührung mag ganz sanft geschehen, um meine Weiblichkeit wertschätzend zu begegnen. Und weißt du nicht dich achtsam zu gebären, wird dich der Schmerz gar eines Besseren belehren.

Mein Prinzip ist Einzigartigkeit und noble Geste, Grenzen setzen und zu feiern wilde Feste. Durch mich lernst du die Opferschaft und auch Vertrauen, willig anzunehmen deine Sanftheit wie auch deine miesen Launen. In all der Wildheit die dir eigen ist, in all der Lebenslust, die durch dich fließt. In all Erotik all der Leidenschaft, schenk ich dir Freude, schenk dir Lebenskraft.“

Meine Begegnung mit dem Pflanzengeist der Rose

Der Pflanzengeist erschien mir als sehr erotische Frau. Schnell kam sie auf mich zu und begann mich sanft zu umschmiegen. Sofort aktivierte es mein Lustzentrum. Es war gut diese Nähe zu spüren. Ihre Berührung und ihr Duft übten eine betörende Wirkung auf mich aus. Und doch merkte ich gleichzeitig eine Art versteckten Dolch, den sie in ihrer Hand hielt und mit dem sie meine Haut ebenso streichelte. Es war ein komisches Gefühl zwischen Erregung und Angst, sie könnte mich damit verletzen. Dann ging sie einen Schritt zurück, drehte sich einmal um die eigene Achse und verwandelte sich in eine Frau mit schwarzem, eng anliegendem Abendkleid. Sie nahm mich an die Hand und wir begannen einen wilden, feurigen Tanz, der mich an leidenschaftlichen Tango erinnerte. Im Rausch der Sinne wirbelten wir herum bis wir uns in ekstatischer Vereinigung in einem einzigen Funkenregen auflösten.

Was die Rose für dein Seelenheil tun kann

  • Sie erweckt deine Sinnlichkeit und Erotik zum Leben

Polyantharose

Die der Rose innewohnende Energie vermittelt zwischen dem männlichen (Yang) und dem weiblichen (Yin) Prinzip. Es ist wie wenn Plus und Minus aufeinandertreffen und es zu funken beginnt. Damit erzeugt sie in deinem Körper-Geist-System eine gewisse Spannung, die anregend und aktivierend wirkt. Mit der Rose will das Leben gefeiert und in seinen ganzen Zügen genossen werden. Insbesondere deine Erotik, Sinnlichkeit und Sexualität vermag sie ordentlich zu beflügeln und wieder Leben einzuhauchen. „Du bist als Mensch ein sinnliches Wesen – lebe es!“ Das könnte das Motto der Rose sein. So gleicht ihr Wesen einem erotischen Tanz der Verführung, Eroberung und Vereinigung, ständig in Bewegung, ständig zwischen dem männlichen und weiblichen Pol wechselnd.

„Life ist found in the dance between your deepest desire and your greatest fear.“ (Anthony Robbins)

  • Sie betört mit ihrem DUFT der Hingabe und Verführung

Ihr Duft wirkt sehr besänftigend, beruhigend, macht gefügig und fördert innere wie äußere Hingabe. Bei Frauen öffnet er das Herz, schenkt Vertrauen, Schutz und Geborgenheit – Grundvoraussetzungen um sich beim Liebesspiel genussvoll hingeben zu können. Für den Mann ist es vor allem ein Kuschelduft, der bewirkt, dass er sich ganz auf die Frau einlässt und gleichzeitig die Bindung zu ihr bestärkt. Der Duft der Rose in Verbindung mit anderen Ingredienzen wurde seit jeher bevorzugt für Liebeszauber eingesetzt, um einen Mann zu verzaubern und zu betören.

„Die drei Hauptprobleme der Menschheit sind: Zuviel Ernsthaftigkeit, zu viel Zögern und zu wenig Ekstase!“ (Richard Bandler)

  • Sie harmonisiert und gleicht Extreme aus

Die Rose hat einerseits duftende, liebliche, wunderschöne Blüten, andererseits harte und spitze Dornen, an denen man sich ordentlich verletzen kann. Sie trägt beides in sich – die verführerische, betörende Venus (extrem starker Yin-Pol) und ebenso den kriegerischen wie schützenden Mars (extrem starker Yang-Pol). Dadurch vermag sie Gegensätze zu vereinen und extreme Gefühlszustände auszugleichen, also zu harmonisieren. So kann sie beispielsweise aggressive Gemüter besänftigen während allzu passive Menschen dazu aufgefordert werden durchaus einmal konstruktive Wut zu zeigen.

  • Sie öffnet dein Herz und hilft seelische Wunde zu heilen

Die Rose macht einerseits bestehende, seelische Verletzungen sichtbar und vermag gleichzeitig den auftauchenden Schmerz zu lindern. Wie Balsam wirkt sie auf das Herz und fördert die in dir angelegte Liebesfähigkeit. So ist die Rose in ihrer Essenz herzöffnend, hilft Herzschmerz auszuheilen, fördert Einfühlungsvermögen wie Verständnis – und damit die Fähigkeit zu vergeben.

  • Sie verleiht dir einen gesunden Egoismus und Wehrhaftigkeit

Die Kulturrose fördert in dir einen gesunden Egoismus, gut auf dich zu schauen und das zu tun, was zuallererst für dich am besten ist. Sie ist eine hervorragende Begleiterin für ein selbstbewusstes Auftreten und ermutigt dich in deiner ganzen Größe zu zeigen und zu präsentieren. „Hinaus auf die Bühne!“, könnte ihr Motto sein. Denn sie bringt auch die Diva in dir zum Vorschein, die sich in vollem Selbstvertrauen in den Mittelpunkt stellen darf. Mit der Kraft der Rose willst du gesehen und beachtet werden – zumindest von dir selbst.

In dieser Bestärkung der Individualität bringt sie natürlich auch die Eigenschaft der Wehrhaftigkeit mit ein. Mit der Rose vermagst du Grenzen zu setzen, dein Terrain zu bewahren, zu schützen und den Raum zu verteidigen, worin du dich sicher fühlst. Und wenn es nötig ist, kann sie dich dazu bewegen martialische Kräfte an den Tag zu legen, was sich in konstruktiver Wut oder einem kraftvollen NEIN ausdrücken kann.
Insgesamt bestärkt sie dich den Tanz des Lebens mitzutanzen anstatt nur auf der Zuschauertribüne zu sitzen und Beobachter zu sein.

Für wen die Rose besonders gut geeignet ist

Strauchrose `Mozart`

  • für eingeschlafene Beziehungen in dem das Feuer und die Leidenschaft erloschen ist; der Duft von Rosenöl öffnet bei Frauen den Schoß und bei Männern das Herz und ermöglicht (neue) lustvolleBegegnungen, bis hin zu ekstatischer Vereinigung;
  • bei Antriebsschwäche, Lustlosigkeit oder chronischer Langeweile, wo die Lebendigkeit im Leben verloren gegangen ist
  • bei altem Herzschmerz, Gram und Groll einem anderen Menschen gegenüber, wodurch Vergebung nicht möglich ist und man selbst in der Opferhaltung stecken bleibt
  • für notorische Mauerblümchen und Menschen, die sich klein machen, abwerten und deshalb davon abgehalten sind ihr ganzes Potenzial zu leben
  • Menschen, die es vermeiden ihren Wünschen und Träumen zu folgen, aus Angst von anderen dann nicht mehr geliebt, beachtet oder wertgeschätzt zu werden

Wie du die Kraft der Rose am besten für dich nutzen kannst

  • In der bewussten Begegnung

Es gibt unzählige von Rosensorten, die du dir in deinen Garten pflanzen kannst. Die Begegnung mit der Rose ist hier immer mit der Aufforderung verbunden ihr achtsam zu begegnen und sie sorgsam zu hegen und zu pflegen – so wie du es dir selbst gleichtun solltest.

Affirmationen für die Begegnung mit der Rose:

„Das Leben ist der Tanz und ich bin der Tänzer. Diesem Tanz gebe ich mich hin und lass mich berühren von der Liebe, die als Freude, Lebensgenuss und Schönheit durch mein Herz in die Welt fließt. So bin ich da, um der Welt auf meine ganz besondere und einzigartige Weise Ausdruck zu verleihen. Und ich beginne damit JETZT – Let´s dance!“

  • in der naturheilkundlichen Anwendung

Volksmedizinisch:
Blütenblätter (Rosa gallica): Wurden früher aufgrund des Gerbstoffgehaltes gegen Durchfall, als Gurgelmittel und zu Bädern bei schlecht heilenden Wunden angewendet. Für Räuchzwecke getrocknet, schaffen sie ein herzöffnendes Feld und fördern Vergebung.
Rosenöl: Hat seinen Einsatz unter anderem als angst- und stresslinderndes Mittel bei der Geburts- und Sterbebegleitung. Da es entzündungshemmend, tonisierend, wundheilend, nervenberuhigend ist und einen positiven Einfluss auf die Narben- und Faltenrückbildung zeigt, ist es auch in vielen Hautpflegeprodukten enthalten. Wegen seines betörenden und aphrodisierend wirkenden Duftes ist es einer der am häufigsten verwendeten Öle in der Parfümindustrie. Weitere Anwendungsmöglichkeiten bei Bronchitis, Libidoverlust, Depressionen, Ängsten und Herzrhythmusstörungen. Rosenöl wirkte nachweislich entspannend und beruhigend.
Rosenwasser: Ist ein Nebenprodukt bei der Destillation von Rosenöl aus den Rosenblütenblättern. Es wird auch Rosen-Hydrolat genannt. Du kannst es einfach als Raumspray benutzen oder auch zum Aromatisieren von Süßspeisen kulinarisch genießen.

Was du noch über die Rose und ihrem Duft wissen solltest

Der Geruch von Geborgenheit und Zuhause

Der Duft von Rose gleicht dem Geruch des Fruchtwassers im Mutterleib. Dafür hauptverantwortlich ist „Indol“, welches im Zuge von Abbauprozessen im Fruchtwasser gebildet wird. In Reinform riecht es nach überreifen Früchten und bildet erst in Kombination mit vielen anderen Substanzen den typischen Duftcocktail, der dem Blütengeruch der Rose ähnelt. So weckt Rosenduft in uns vorgeburtliche Erinnerungen an unsere Zeit im Mutterschoß, weshalb wir ihn unbewusst sofort mit Wärme, Geborgenheit, Genährt- und Geliebtsein in Verbindung bringen. 3

Die Berührung mit der Liebe

Vielleicht erkennst du ja in der Rose mit all ihren vielfältigen Erscheinungsformen für dich eine ganz wertvolle und königliche Pflanzenverbündete, die weit mehr als nur eine Gartenzierde darstellt. Vielleicht beginnst du jetzt anders mit ihr zu sprechen und sie achtsam zu hegen und zu pflegen, in dem Bewusstsein auch dich selbst in deiner Einzigartigkeit und Selbstliebe anzuerkennen und zu nähren.

Und wenn du das nächste Mal an einem Parfüm schnupperst, dir eine Hautpflegecreme aufträgst oder deine Wohnung mit ihrem Duft aromatisierst, wirst du dich vielleicht daran erinnern, dass du trotz aller Individualität und Einzigartigkeit als Menschenwesen dennoch Teil von etwas allumfassend Großen bist, was die meisten Menschen als Liebe bezeichnen.

Wenn dein Herz in irgendeiner Weise von der Rose in diesem Artikel berührt wurde, freue ich mich, wenn du diese Gefühle in einem Kommentar mit mir und der Welt teilst – Danke!

herzlichst,

Alfred Zenz Junior – Der Seelengärtner

Quellennachweis:

1 Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, Eliane Zimmermann, S. 499
2 Das Handbuch der Heilpflanzen, Ingrid und Peter Schönfelder, S. 386
3 aus dem Buch Biophilia-Effekt, Clemens G. Arvay, S. 208
4 Wikipedia, Rosen: https://de.wikipedia.org/wiki/Rosen#Mythologie,_Religion_und_Symbolik
5 aus dem Buch „Geschichten von Blumen und Kräutern“, Miriam Wiegele

„Der größte Zauberer ist derjenige, der am besten die Geheimnisse der Pflanzenwelt kennt.“ (Golowin 1973: 7)

Im ersten Teil dieser Artikelserie „Hexen, Teil 1 – Die Weisen Frauen unserer germanischen Vorfahren“, ging ich zurück bis zum Ursprung der Hexe, wo Frauen als Seherinnen hoch geachtet waren. Im zweiten Teil „Hexen, Teil 2 – Warum sie in der Gesellschaft von damals unentbehrlich waren“ gab ich einen Einblick, welche wichtigen Aufgaben Hexen bis ins hohe Mittelalter hinein ausübten. Im dritten und letzten Teil geht es um die mächtigen Pflanzenverbündeten der Hexe und ihren Einsatz in der Hexenmedizin à la psychedelisches Bier und Flugsalbe.

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Vor nicht all zu langer Zeit unternahm ich mit einem guten Freund eine Pilgerwanderung durch das mystische Waldviertel im Norden von Österreich. Nach einem langen Pilgertag erreichten wir mitten in einem Wald plötzlich eine Stelle, wo Biertische, Saufbuden und eine große Bühne für eine Band aufgestellt wurden. Ein 3tägiges Wackelstein bzw. Hexenfest sollte hier stattfinden. Auf dem Plakat war eine Hexe zu sehen, die anstatt auf einem Besen auf einer Gitarre durch die Luft reitet. Dieses Fest findet hier jedes Jahr statt – so wurde uns versichert. Eins war uns beim Anblick der Aufmachung jedenfalls ganz gewiss: Das gibt ein ordentliches Saufgelage!

Vielleicht wählten die Menschen einfach nur intuitiv den Begriff „Hexenfest“. Vielleicht waren sie aber auch noch stärker mit den keltisch-germanischen Wurzeln verbunden, die man im Waldviertel meiner Meinung noch besonders stark spürt. Die Hexe ist hier jedenfalls nicht ganz vergessen und wird mit ausgelassenen Feierlichkeiten und auch Lebensfreude in Verbindung gebracht. Schön fand ich das. Denn tatsächlich trug die Hexe ihren Teil dazu bei, dass die Feste entsprechend berauschend begangen wurden. Sie wußte um die geheimnisvollen Pflanzeningredienzen, um damit magische Gebräue zu fertigen, welche die Menschen in sinnliche Extase versetzten.

Hexen waren Meisterinnen im Umgang mit den Pflanzen und ihren innewohnenden Kräften. Ihre daraus resultierende Kunst war die sogenannte Hexenmedizin, die hoch wirksam und zugleich auch sehr gefürchtet war. Welche die mächtigen Zauberpflanzen der Hexe waren, warum Bier ursprünglich aphrodisierend wirkte und was die Flugsalbe mit dem Klischee von „auf Besen reitenden Hexen“ zu tun hat – das möchte ich dir in dem folgenden Artikel erzählen.

Zauberei als angewandte Kräuterheilkunde

Wie ich im letzten Artikel – Hexen, Teil 2 – beschrieben habe, hatte die Hexe in der Gesellschaft vielseitige Aufgaben inne – von der Kräuterheilkundigen bis zur Hebamme hin zur Seherin und  Liebesorakel. Pflanzen spielten dabei immer und ausnahmslos eine wichtige Rolle. Im Mittelalter war das Wort „Kraut“ gleichbedeutend mit „Zaubermittel“. In Venedig wurde die Zauberei oder Hexerei sogar als „Herberia“ – „Kräuterkunde“ – bezeichnet. Das heißt ursprünglich war die Zauberei angewandte Pharmakologie! (Christian Rätsch, Hexenmedizin, S. 98)

In der Heilkräuterkunde nutzte man jedenfalls das ganze Portofolio an Heilpflanzen, so viel ist sicher. Ganz besondere Aufmerksamkeit erfuhren dabei die sogenannten Zauberpflanzen. Sie waren Hauptbestandteil der geheimen Hexen-Rezepturen, die über Leben und Tod entschieden, die Zaubergetränke, die in sinnliche Ekstase versetzten oder die Flugsalben mit deren Hilfe die Hexen in andere Dimensionen „fliegen“ konnten.

Alraune, Tollkirsche & Bilsenkraut – Die Zauberpflanzen der Hexe

Die Zauberpflanzen der Hexe waren überaus mächtige Verbündete bei allen Aufgabenbereichen. Meistens waren es sehr giftige Vertreter aus der Pflanzenwelt, die gut dosiert werden mussten, wenn man bei der Anwendung nicht in die ewigen Jagdgründe eingehen wollte. Als einer der wichtigsten Hexenpflanzen galten Alraune, Tollkirsche und Bilsenkraut.

Alraune, Tollkirsche und Bilsenkraut

In Harry Potter gibt es eine Szene, wo Alraunen (Mandragora officinalis) umgetopft werden. Aber die Zauberlehrlinge müssen sich dabei die Ohren zuhalten, weil das Geschrei der „Alraunenmännchen“ lebensgefährlich sein kann. Es mag eine Szene aus einem Fantasy-Film sein und doch zeigt sie etwas von der magischen Kraft, der einst der Alraune zugeschrieben wurde. Wie die Tollkirsche und das Bilsenkraut gehört sie zu den Nachtschattengewächsen. Alle drei gelten als sehr giftig, sind stark psychoaktiv, erzeugen Halluzinationen und gehören zu den wichtigsten Aphrodisiaka und Ingredienzen für Liebestränke und Hexensalben.

Die mit ihren schwarzen, knopfgroßen Beeren unverkennbare Tollkirsche (Atropa belladonna) wurde bereits seit der Antike medizinisch verwendet, wo man sie vor allem als Schmerz- und Narkosemittel einsetzte. Auf der seelischen Ebene schrieb man ihr eine dämonenvertreibende Wirkung zu und heilte mit ihrer Hilfe verschiedene Geisteskrankheiten. Den Artnamen „belladonna“ erhielt sie unter anderem, weil junge Frauen sich ihren Saft in die Augen träufelten, um größere Pupillen zu bekommen. Das machte sie für die Männer attraktiver.

Und das Bilsenkraut (Hyoscyamos niger) mit seinen geheimnisvoll anmutenden Blüten, gehörte sogar zu den heiligsten Pflanzen der Germanen und Wikinger. Sie legten dazu sogar eigene Bilsengärten auf heiligen Äckern an. Das Bilsenkraut wurde ähnlich der Tollkirsche rituell, magisch wie auch medizinisch genutzt. In der Antike galt es als das bedeutendste Mittel für Wahrsagerei. In dem durch das Bilsenkraut ausgelösten tranceartigen Zustand konnte man hellsehen und Orakel geben. Vor allem war es aber ein sehr beliebter Bestandteil von berauschenden Getränken wie z.B. Bier.

Alraune (Mandragora officinalis) – Tollkirsche (Atropa belladonna) – Bilsenkraut (Hyoscyamos niger)

 

Pychedelisches Bier – Die Entstehung des Reinheitsgebotes

Ja, Bier. Denn bevor das Reinheitsgebot Einzug fand, hatte Bier noch eine ganz andere berauschende Wirkung als es heute hat. Bilsenkraut, Sumpfborst und Tollkirsche waren wichtige Bestandteile und lösten einen ekstatischen, berauschenden und stark aphrodisierenden Zustand aus. Die Frühjahrsfeste hatten in der heidnischen Bevölkerung immer etwas mit Fruchtbarkeit, Sexualität und Schöpferkraft zu tun. So wurde beispielsweise das Maifest auch entsprechend orgiastisch gefeiert und gelebt – sehr zum Mißfallen der Kirche. Da sie es aber nicht zuwege brachte die Feste zu verbieten, ließen sie sich etwas anderes einfallen. Sie nahmen ihnen die berauschende Grundlage.

Im Jahre 1516 wurde von dem Bayern-Herzog Wilhelm IV das Reinheitsgebot für Bier eingeführt. Fortan war es der ländlichen Bevölkerung verboten Bier zu brauen, dass jetzt einzig und allein der Kirche vorenthalten blieb. Um die Schäfchen zu zähmen wurden die gefährlichen Ingredienzen wie Bilsenkraut, Tollkirsche & Co entfernt und stattdessen etwas anderes beigegeben – nämlich Hopfen. Hopfen beruhigt, macht schläfrig und müde und fördert alles andere als eine ekstatische, sexuelle Ausgelassenheit.

Die neuen Bierbrauexperten waren jetzt die Mönche. Noch heute zeugen Namen wie „Stiftsbrauerei“ von der kirchlichen Übernahme. Und die machten sich dieses Getränk auch entsprechend zunutze. So durfte zur Fastenzeit zwar nichts gegessen, dafür aber getrunken werden. Zu dieser Zeit wurden Starkbiere gebraut, die mit sage und schreibe bis zu 5 Litern pro Kopf und Nase täglich vertilgt wurden. Prost!

Das Bilsenkraut als ehemaliger und heiliger Hauptbestandteil wurde aber nicht ganz vergessen. Wahrscheinlich ahnst du woher das „Pils“ seinen Nahmen hat – richtig von „Bilsenkraut“.

Die Flugsalbe – Wie die Hexe auf den Besen kam

Die Pappelsalbe – Grundbestandteil jeder Hausapotheke

Alraune, Tollkirsche und Bilsenkraut waren wichtige Grundbestandteile der sagenumwobenen Hexenschmiere oder Flugsalbe. Die Grundlage dafür bot die sogenannte, oft giftgrün gefärbte Pappelsalbe. Für ihre Herstellung wurden die Knospen der europäischen Schwarzpappel benutzt. Angereichert mit allerlei Heilkräutern galt sie als eine der wichtigsten Wundheilsalben und wurde praktisch in allen Kräuter- und Arzneibüchern seit dem 15. Jahrhundert angeführt. Bei den sorgfältig dosierten Zutaten findet man häufig Schlafmohn, Giftlattich, Tollkirsche und Cannabis (Hanf) beschrieben. Die Wirkung so einer Salbe kann grundsätzlich sicherlich als betäubend und schmerzlindernd verstanden werden. Derartige Pappelsalben waren in der frühen Neuzeit weit verbreitet, sehr beliebt und wurden ähnlich wie heute das Aspirin als universales Schmerzmittel, als Wundarznei, Rheuma,- und Hämorrhoidenmittel ganz offiziell eingesetzt. Für das einfache Volk war sie sozusagen ein Grundbestandteil der Hausapotheke.

Die Flugsalbe oder Hexenschmiere

Um die harmlosere Pappelsalbe zu einer Flugsalbe zu verwandeln, ergänzte man diese mit weiteren z.T. hochgiftigen und psychoaktiven Pflanzen wie z.B. Schierling, Bilsenkraut und Eisenhut. Die Hexen müssen hierbei Meisterinnen im Umgang mit der richtigen Dosierung gewesen sein. Denn derartig giftige Kräuter haben es in sich, die Seele (Astralleib) vom Körper zu spalten um in andere Dimensionen zu reisen bzw. zu „fliegen“. Die Kunst bestand jedoch darin, den Weg wieder zurück zum Körper zu finden.

Die nächtlichen Riten fanden dabei oft auf Anhöhen oder Hügeln im Schutze des Waldes statt, wo sich die Seherinnen und Zauberinnen, ähnlich den heutigen Schamanen, vollkommen nackt in Trance versetzten. Bei einer bestimmten Praktik dürfte die Flugsalbe dabei auf Holzstiele bzw. auch Besenstiele aufgetragen worden sein, welche die Frauen zwischen ihre Schenkel nahmen und sich daran rieben. Die hoch psychoaktiven Substanzen der Flugsalbe wurden dabei über die empfindlichen Schleimhäute der Schamlippen in den Körper aufgenommen.

Von außen beobachtet mag das für einen unbedarften Zuschauer höchst bizarr ausgesehen haben: Einen Haufen nackter Frauen, die in taumelnder Ekstase im Kreis um ein Feuer tanzen und dabei auf Besenstielen reiten. Vor allem ein frisch christlich missionierter Mensch mag hier, gepaart mit der damaligen Angst vor den „bösen“ Zauberinnen, die „auf Besen reitenden Hexen“ beobachtet haben, welche durch die Luft fliegen und Unheil anrichten. Das Klischee war geboren. Die Salben selber wurden deshalb auch Flugsalben genannt, im Mittelalter etwas abschätzig dann Hexenschmiere.

Die Flugsalbe in der Inquisition

Die Inquisitoren setzten übrigens die Flugsalbe als Wahrheitsdroge bei der Peinlichen Befragung ein. Sie sollte den Widerstand der Gefolterten brechen. Es gibt sogar Aufzeichnungen, wo man die Pappelsalbe an der Frau des Henkers ausprobiert hat:

„…erprobte sie and der Frau des Henkers. Die verfiel für drei Tage in eine Art Koma oder Tiefschlaf und beschwerte sich ärgerlich, als sie aus diesem Schlaf mit süßen Träumen voller erotischer Abenteuer gerissen wurde.“ (Aufzeichnungen des päpstlichen Leibarztes Andrés Laguna, Christian Rätsch, Hexenmedizin, S. 156)

Die Rückkehr des alten Wissens

All diese Methoden mit Hilfe von Pflanzen tranceartige Zustände zu erfahren, in jenseitige Welten zu reisen, einen Seelenflug zu vollführen – all das ist den heutigen Kulturanthropologen wohlbekannt. Sie gehören in den Bereich der schamanistischen Ekstasetechniken vieler Naturvölker. Und sie finden langsam auch wieder Einzug in unsere abgeklärte, vom logischen Verstand trocken gelegte Seelenlandschaft, die sich nach sinnlicher Ekstase, Lebendigkeit und Bewusstseinserweiterung sehnt.

Wir haben unsere Wurzeln nicht verloren, wir haben sie nur vergessen, den Riten und Festen andere Namen gegeben. Das Maifest zeugt z.B. noch sehr von der erotischen Komponente wegen derer es einst gefeiert wurde. Der Maibaum stellt für den aufmerksamen Beobachter auch heute noch den Phallus des Mannes dar, der sich mit der Yoni der Frau (der Maibaumkranz) vereinigt. Und selbst die Trinkgelage sind beim Maibaumaufstellen nach wie vor erhalten geblieben. Der Hopfen im Bier sorgt jetzt brav dafür, dass die lustvollen Ausschweifungen in Zaum gehalten werden. Die rituelle Trance der tanzenden „Priesterinnen“ alias Hexen, bleibt uns als das Bild der durch die Luft fliegenden Hexe als eine Art Erinnerung erhalten. Jetzt weißt du ja, wie es entstanden ist und kannst es vielleicht auch in transformierter Art und Weise sehen.

Dieses Muster kannst du übrigens bei allen unseren sogenannten „christlichen Festen“ beobachten. Unter einem dünnen, religiösen Schleier liegen unsere urheidnischen Wurzeln verborgen. Sie sind es, die uns wieder mit der Lebendigkeit des Lebens verbinden, mit der sexuell-schöpferischen Urkraft, die aller Natur innewohnt und somit auch jedem Menschen.

Und indem du dich wieder mit diesen Wurzeln verbindest, beginnst du dein wahres Potenzial zu leben – du beginnst zu deiner eigenen Natur zu erwachen.

Ich freue mich auf dein Kommentar!

herzliche Grüße,

Alfred Zenz Jun.

PS:

  • Mehr über die Völvas, Hexen und Magierinnen und ihren männlichen Kollegen den Druiden, erfährst du aktuell in meinem Vortrag „Druiden, Hexen & Zauberer“ am 04. Mai in Gröbming.
  • Wild- und Heilkräuter sind einer der besten Möglichkeiten mit der ursprünglichen Hexenmedizin wieder in Kontakt zu kommen! Die nächste Wildkräuterwanderung findet am Samstag, dem 05. Mai in Gröbming statt.

PPS:
Du möchtest richtig tief eintauchen und das Vergessene Wissen der Druiden, Kräuterhexen und Pflanzenheilkundigen in dir wieder zum Leben erwecken?

…dann werden dich diese Veranstaltungen sicher interessieren:

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Quellennachweis

  • Wolf-Dieter Storl, Claudia Müller-Ebeling, Christian Rätsch, Hexenmedizin, 10. Auflage, 2015

„Hexenmedizin ist wilde Medizin – sie ist unkontrollierbar, sie entzieht sich der herrschenden Ordnung, ist Anarchie. Sie gehört zur Wildnis. Sie macht Angst. Sie ist vor allem eines: heidnisch.“ (Claudia Müller-Ebeling)

Im letzten Artikel: „Hexen, Teil 1 – Die Weisen Frauen unserer germanischen Vorfahren“, ging ich zurück bis zum Ursprung der Hexe, wo Frauen als Seherinnen hoch geachtet waren. Im zweiten Teil gebe ich dir einen Einblick welche wichtigen Aufgaben sie bis ins hohe Mittelalter hinein ausübten, was sie für die Gesellschaft von damals unentbehrlich machte.

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Wenn heutzutage von Hexen geredet wird, dann meistens im Zusammenhang mit bösem Zauber. Wenn eine Sache nicht gelingen mag, dann ist sie irgendwie „verhext“, ein Mann im blinden Liebestaumel wurde von einer „schönen Hexe verzaubert“, und einen steifen Nacken oder Rücken bezeichnet man auch gerne als „Hexenschuß“ – man hat das üble Zaubergeschoß einer Hexe abgekommen. Meistens ist die Hexe hier nicht unbedingt die Heilbringerin. Dass diese Klischees noch immer bestehen, verdankt die Hexe einer jahrhundertelangen, massiven Manipulation durch die kirchliche Oberschicht.

Nicht, weil sie tatsächlich einen bösen Geist verkörperte, die mit dem Satan im Bunde stand, nein, sondern weil sie tatsächlich mächtige, heilerische Fähigkeiten besass. Das stellte natürlich eine strenge Konkurrenz zur Kirche dar, die für sich den Alleinanspruch auf Heilung erhob. Denn diese sogenannte Hexenmedizin war eine ganzheitliche Medizin und sie war mächtig und wirkungsvoll. Um es in den Worten von Claudia Müller-Ebeling wiederzugeben: „…Denn sie entscheidet über Leben und Tod und sie macht mehr als nur gesund: sie bringt Lust und Erkenntnis, Rausch und mystische Einsicht. Sie ist wilde Medizin. Sie macht Angst. Und sie ist vor allem eines: heidnisch“

Die im Laufe der Jahrhunderte erfolgte, strategische Verfolgung und Vernichtung dieser heilkundigen Frauen, liess uns schließlich vergessen, welch wichtige Rolle die Hexe in der Gesellschaft eigentlich wirklich spielte. Ohne sie hätte es keine Hausapotheke gegeben, keine Geburtshelferinnen, keine Empfängnisverhütung (ja, auch das kannte man damals schon!), keine psychologische Unterstützung in Lebens,- und Liebesangelegenheiten und vieles mehr. Die Hexe hatte viele und wichtige Aufgaben – sie war für die Menschen von damals unentbehrlich.

Die Hexe als Kräuterheilkundige

Frauen waren ursprünglich die ersten, die die Felder bestellten. Wie die Männer Wissen über die Tiere erwarben, die sie jagten, entwickelten die Frauen Sicherheit im Umgang mit Pflanzen. Bereits im Mädchenalter lernten sie, wo bestimmte Kräuter wachsen, welche heilkräftigen Eigenschaften ihnen innewohnen und wie man mit den Pflanzengeistern spricht, damit sie ihre Kräfte dem Menschen zur Verfügung stellen. Wenn es um die Geheimnisse der Pflanzen ging, dann waren vor allem die Frauen zuständig. Sie waren sozusagen die ursprünglichen „Kräuterhexen“, die noch bis in die Mitte des 20. Jahrhundert hinein die erste Anlaufstelle für Heilsuchende Menschen waren.

So erzählt z.B. meine 1917 geborene Großmutter aus Übelbach noch, dass, wenn es um schwere Krankheit oder Verletzungen ging, sie stundenlang zu Fuss zur „Lammer-Resi“ nach Passail (einem Ort nördlich von Graz) wanderten. Von dieser Kräuterfrau erhielten sie Heilkräuter in Form von Tees, Tinkturen oder Salben. Mehr dazu siehe Artikel: „100 Jahre Wildkräuter – Meine Großmutter erzählt aus ihrem Leben“

Die Großmütter als Weise Ratgeberinnen

Großmütter genossen zur damaligen Zeit noch eine ganz andere Wertschätzung als heute. Denn sie waren aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung und als Trägerinnen von überliefertem Wissen, wertvolle Ratgeberinnen, die man bei wichtigen Entscheidungen gerne aufsuchte. Sie wurden als sogenannte „Alte Weise Frauen“ hoch geschätzt.

„Jede Siedlung, jeder Clan hatte eine weißhaarige Alte, der die Ahnen- und Waldgeister oder auch die Göttin manch Geheimnis zugeraunt hatte.“ (Wolf-Dieter Storl, Hexenmedizin, S. 40)

Die Hexe als Hebamme und „Kinderbringerin“

Die ersten Hebammen waren Frauen, die selbst schon Kinder zur Welt gebracht hatten und ihre Erfahrung und Wissen mit anderen Frauen teilten. Viele entwickelten im Laufe der Zeit umfassende, naturheilkundliche Kenntnisse, die sie von Generation zu Generation weitergaben. Diese Tradition (über)lebte sogar noch bis weit ins 20. Jahrhunderts hinein.

Auch hier gibt es wieder eine Anektode von meiner 100jährigen Großmutter: Als ich sie fragte, wie dass denn mit den Geburten war und ob da ein Arzt ins Haus kam, oder sie ins Spital fahren musste, da sagte sie nur: „Nein, da war schon immer irgendwo eine Bäuerin, die selbst schon Kinder hatte oder selbst schon einmal dabei gewesen ist bei einer Geburt und sich ein bißchen ausgekannt hat. Dann ist das schon gegangen.“ Aus dem Artikel: „100 Jahre Wildkräuter – Meine Großmutter erzählt aus ihrem Leben“

Die Hebamme als Heilpflanzenkundige und Frauenärztin

Die Hebammen kannten sich meisterhaft mit Pflanzen aus, welche die Geburt unterstützten indem sie z.B. Krämpfe der angespannten Dammmuskeln lösten, zu starke Blutungen minderten oder die Wehen förderten. Hebammen waren aber nicht nur „Geburtshelferinnen“, sie waren auch „Frauenärztinnen“, die sich mit dem weiblichen Unterleib insgesamt sehr gut auskannten. So wurden sie auch bei allen möglichen venerischen und gynekologischen Beschwerden aufgesucht. Sie wußten um Pflanzen, welche die Fruchtbarkeit förderten oder eine ausbleibende Regel wieder in Gang setzen konnten. Gleichzeitig kannten sie natürlich auch Kräuter, um unerwünschte Leibesfrucht abzutreiben und wussten um Mittel zur Empfängnisverhütung. Pflanzen wie z.B. die Poleiminze, Diptam oder der Sadewacholder waren als Abtreibungsmittel gut bekannt. Und die Weide galt z.B. als hervorragendes Verhütungsmittel!

Aber die Hebamme war noch weit mehr als das. Sie war auch die „Kinderbringerin“, die den neuen Erdenbürger rituell in die Welt einführte.

Die Hebamme als „Kinderbringerin“ – Das Willkommens-Ritual

Der Kulturanthropologe und Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl beschreibt im Buch „Hexenmedizin“ einen Ritus, der bei den germanischen Völkern nach der Geburt stattfand.

Die Hebamme trat hierbei als Priesterin auf – als eine Art Vermittlerin zwischen der jenseitigen und der diesseitigen Welt. Dazu nahm sie das Neugeborene und legte es auf die strohbedeckte Erde um es der Erdmutter, der „Frau Holle“, zu weihen. Dabei „umschritt“ das Kind dreimal und „beschaute“ es. Das heißt sie begutachtete es in seinem Gesundheitszustand. War es gesund und lebensfähig, hob sie es auf. Daher stammt das Wort Hebamme (althochdeutsch „HEVANNA = HEBE AHNIN“). War das Kind hingegen schwächlich, lebensunfähig oder gar verkrüppelt, wurde es nicht aufgehoben sondern hinter der Hecke im Wald ausgesetzt.

Das „aufgehobene“ Neugeborene bekam von der Hebammen-Priesterin einen Segensspruch, wurde mit dem Lebenselement Wasser besprengt oder gebadet und dann auf den Schoß des Vaters gesetzt. Dieser nannte das Kind beim richtigen Namen, den er entweder geträumt oder als innere Stimme vernommen hatte. Denn man war davon überzeugt: der Mensch bringt seinen Namen mit, er wird nicht willkürlich benannt. Oft ist es der Name, den er schon vor der Wiedergeburt hatte. Häufig war es der Urgroßvater oder die Urgroßmutter, die da als reinkarnierte Seele dem Vater auf den Schoß gesetzt wurde. Das Wort „Enkel“ weist auf diesen ursprünglichen Bezug hin. Es bedeutet übersetzt nämlich so viel wie „Ähnchen“, also „Kleiner Ahne“.

Das Ritual des Aufhebens und der Namensgebung machte den Neuankömmling wieder zum Teil der lebenden Gemeinschaft. Er war jetzt wieder integriert und wurde von der Familie als wiedergeborene Seele willkommen geheißen.

Die Hexe als Seherin, Magierin und Zauberin

Frauen, deren Wissen weiter reichte als der praktische Umgang mit den Heilkräutern, wurden zu den „Weisen Frauen“ – den sogenannten „Seherinnen“ oder „Völvas“. Sie hatten ausgeprägte mediale Fähigkeiten und übten als Verkörperung der Großen Göttin in der Gesellschaft eine wichtige Funktion aus. Darüber habe ich in meinem letzten Artikel ausführlich geschrieben: „Hexen, Teil 1 – Die Weisen Frauen unserer germanischen Vorfahren.“

Die Pflanzen und Kräuterheilkunde spielte dabei noch immer eine wichtige Rolle. So wie die kräuterkundigen Frauen, wussten auch die Völvas von der arzneilichen Wirkung der einzelnen Pflanzen. Als Zauberinnen bzw. Magierinnen kombinierten sie jedoch ihre Heilmethoden mit Zauberformeln und Ritualen. Sie versetzten sich in Trance und gingen mit dem Pflanzengeist in Kontakt um die Krankheitsdämonen zu vertreiben und auf der geistigen Ebene Heilung zu bewirken. Ähnlich wie wir es heute noch von so manchen Indianerstämmen kennen, stellte die Pflanze einen wichtigen Verbündeten dar mit dem höchst achtsam und respektvoll umgegangen werden musste. Die Völvas selbst waren dabei Meisterinnen im Umgang mit den Pflanzendevas. Ihre Fähigkeiten waren hoch geschätzt sowie gefürchtet und sie hatten eine Vielzahl an Aufgaben inne. Die wichtigsten waren wahrscheinlich:

Weissagung

Diese Seherinnen wurden zu Rate gezogen, wenn es z.B. um Ernteerträge, den Erfolg einer Jagd oder eines Raubzuges ging, aber auch um das Schicksal von Einzelnen oder Liebespaaren vorherzusagen. Es gibt Berichte von den Römern, die sich darüber wunderten, dass große Schlachten nicht geführt wurden weil die Seherinnen davon abrieten.

Sexualmagie und Liebeszauber

Die Völvas wußten um all die Kräuter, mit denen sie eine Frau schön und attraktiv machen konnten um einen Mann zu verzaubern oder zu betören. Sie waren für ihre Kunst, Liebestränke zu brauen, Liebeszauber zu vollführen oder bestehenden Zauber zu brechen, legendär. Ebenso hatten sie Kenntnis über den Einsatz und die genaue Dosierung von aphrodisierenden Pflanzen um das sexuelle Feuer zu entfachen.

Wetterzauber

Wuchs das Getreide am Feld nicht, wurden Ernten durch Unwetter zerstört oder blieb der heiß ersehnte Regen aus, so vermochten sie darauf Einfluss zu nehmen. Ähnlich den heutigen Schamanen kannten sie Rituale um Regen zu machen oder Ernteerträge zu erhöhen und die irdischen wie himmlischen Kräfte wieder in Balance zu bringen.

Welche Pflanzen für diese Rituale Verwendung fanden, warum man die besonders giftigen Vertreter als Zauberpflanzen bezeichnete und mit welchen Ingredienzen das Bier gebraut wurde, bevor das Reinheitsgebot Einzug fand – all das erfährst du in meinem nächsten Artikel: „Hexen, Teil 3 – Die mächtigen Zauberpflanzen der Hexe“

Das Wiedererwachen der Hexenmedizin im Heute

Die Hexenmedizin, wie sie einst existierte, fiel der jahrhundertelangen Hexenverfolgung zum Opfer. Und alles, was do noch irgendwie überlebte, wurde durch die naturfremde Ratio der Aufklärung restlos getilgt. Das, was uns an Wissen heute erreicht, stammt vorwiegend aus kirchlichen Schriften à la Hildegard von Bingen oder wurde durch angesehene Gelehrte wie Dioskurides oder Paracelsus weitervermittelt. Den heidnischen Wurzeln selbst, denen das Wissen eigentlich entspringt, wurde jegliches Leben ausgehaucht……bis heute.

Es mag vielleicht kaum mehr was von den eigentlichen Kräuterhexen, Kinderbringerinnen und Magierinnen selbst nachzulesen sein, doch geschieht meinem Empfinden nach in unserer modernen Gesellschaft etwas viel Tiefgreifenderes als altes Wissen durch Recherche zugänglich zu machen. Immer mehr hochempfindsame Menschen bekommen ein neues Vertrauen in ihre Wahrnehmung, in die klare Eingebung ihrer Intuition. Als ob sie durch ein unsichtbares Band mit diesen einst heilkundigen Vorfahrinnen verbunden wären, lernen sie wieder selbst zu „sehen“ und die Heilkräfte der Pflanzen am eigenen Leib wahrzunehmen anstatt die Informationen aus einem Buch herunterzubeten.

Wir nennen das gegenwärtig „hellsehen“ oder „hellfühlen“ und die meisten verbannen es noch ins Reich der Esoterik. Dabei ist es in Wirklichkeit der einzige, wirklich wahre Zugang zum Geheimnis der Heilkräfte welche der Natur innewohnen.

„Lebendigkeit kann nur durch Lebendigkeit geschaut werden, nicht durch kühle Logik.“

Das ist die eigentliche Hexenmedizin – die uns ständig umgebende Vielfalt, Schönheit und wesenhaften Erscheinungen der Natur zu spüren und in all ihrer unerklärbaren Tiefe anzuerkennen. Wenn das geschieht, wenn du bereit bist, dich auf das ganze Feld einzulassen, dann beginnst du das gesamte dir als Mensch zur Verfügung stehende Potential zu leben. Du beginnst zu deiner eigenen Natur zu erwachen.

Ich freue mich auf dein Kommentar!

herzliche Grüße,

Alfred Zenz Jun.

PS:

  • Mehr über die Völvas, Hexen und Magierinnen und ihren männlichen Kollegen den Druiden, erfährst du aktuell in meinem Vortrag „Druiden, Hexen & Zauberer“ am 04. Mai in Gröbming.
  • Welche Seele den Pflanzen innewohnt und auf welch heilsame Weise sie mit uns kommunizieren, das ist Thema meines Vortrages „Die Seele der Pflanzen“ am Do. 12. April in Fernitz bei Graz.
  • Wild- und Heilkräuter sind einer der besten Möglichkeiten mit der ursprünglichen Hexenmedizin wieder in Kontakt zu kommen! Die nächste Wildkräuterwanderung findet am Samstag, dem 21. April in Raaba-Grambach statt.

PPS:
Du möchtest richtig tief eintauchen und das Vergessene Wissen der Druiden, Kräuterhexen und Pflanzenheilkundigen in dir wieder zum Leben erwecken?

…dann werden dich diese Veranstaltungen sicher interessieren:

„Zur Natur Erwachen“ – 4tages-Intensiv-Retreat zur Erweckung deiner (über)natürlichen Fähigkeiten; an einem wunderschönen Kraftort in Südkärnten

„Ausbildung zum Medium für Pflanzen- und Naturwesen“ – heuer erstmals im Programm! Sie findet in der Nähe von Graz statt und erstreckt sich über 3 Module.

 

 

 

Quellennachweis

  • Wolf-Dieter Storl, Claudia Müller-Ebeling, Christian Rätsch, Hexenmedizin, 10. Auflage, 2015
  • Ralph Metzner, Brunnen der Erinnerung, 3. verbesserte Auflage 2016
  • Helmut Birkhan, Kelten: Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur

Im letzten Artikel handelte von: „Die keltischen Druiden – die Baum-Weisen, die mit den Bäumen sprechen konnten“. Sie stellten das männliche Pendant zur Hexe dar. Weiß man über die Druiden nur Dürftiges, so gibt es über die Hexen weit mehr zu berichten. In diesem Artikel möchte ich mit dir zurück zu ihren Ursprüngen gehen und ein neues Licht auf ihr eigentliches Wesen werfen – nichts was etwas mit den modernen Klischees der Hexe gemein hat.

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Sie haben hakige, krumme Nasen, ein verunzeltes Gesicht mit schiefen Zähnen und wohnen irgendwo versteckt im Walde. Und sie sind natürlich böse. Das stellen sich zumindest die meisten Leute heutzutage unter einer Hexe vor, wenn sie das Wort hören. In so gut wie jedem Film repräsentiert sie die dunkle Macht, die andere Menschen verzaubert und ihnen Übles will. Und selbst wenn sie manchmal als schöne Frau erscheint, so verbirgt sich doch etwas zutiefst Hässliches hinter dieser verzaubernden Maske. Da müssen sich die Männer schon ordentlich in Acht nehmen! Eine Frau als „Alte Hexe“ zu bezeichnen, ist definitiv ein Schimpfwort und keine Liebkosung.

Das Klischee der Hexe

Fragt sich, womit hat die Hexe das alles verdient? War sie in ihrem Ursprung wirklich die „Böse Zauberin“, welche unschuldige Menschen mit Flüchen und Krankheiten belegte, kleine Kinder entführte oder gar heftige Unwetter heraufbeschwörte? Musste man wirklich Angst vor ihnen haben oder hatten sie für die herrschende Oberschicht einfach nur zu viel Macht inne, die ihnen letztendlich das Todesurteil bescherte?

Wahrscheinlich war es so. Denn, was kaum einer weiß – Hexen waren in ihrem Ursprung alles andere als Unheilbringend. Sie hatten vielschichtige Aufgaben in der Gesellschaft – von der Heilkundigen bis hin zur Hebamme und Seherin. Sie waren die Behüterinnen eines heiligen Wissens, das der klaren Quelle der Intuition, der Hellsichtig,- und Fühligkeit sowie einer unmittelbaren Schau der Natur entsprang. In ihrem Ursprung stellt die Hexe die Verkörperung der weiblich-schöpferischen Kraft der Erde da, um diese in ihrem heilenden Aspekt den Menschen zukommen zu lassen. Und ihr Wirken hatte Kraft und vor allem auch Macht, weshalb sie irgendwann auch gefürchtet wurden.

Um letztendlich die Rolle der Hexe zu verstehen, muss man weit zurück bis an die Wurzeln gehen. In eine längst vergangene Zeit, wo Frauen insgesamt ein hohes Ansehen genossen und weit mehr als nur liebende Mütter versinnbildlichten.

Zurück zu den Wurzeln – Der Beruf der Seherin

Die Herrschaft der Frau

Unsere urheimischen Wurzeln gehen zurück bis in eine Zeit um ca. 6000 v. Chr. Diese ursprünglichen, alteuropäischen Gesellschaften waren damals matrilinearisch ausgerichtet. Das heißt die Frau war die Herrschende und Gebietende und die Erde war ihr heilig. Denn es wurden die Naturgottheiten des Wassers, der Erde, des Wachstums, der Wonne, der Fruchtbarkeit und des Waldes verehrt. Allessamt nährende und beschützende Kräfte, die mit gefeierter Sexualität und üppiger Fülle in Verbindung standen. So fand man um diese Zeit herum 10x mehr Göttinnen-Statuen als Götter-Statuen, keinerlei Befestigungsanlagen, Waffen, Streitwägen oder sonstige kriegerische Utensilien! Allen Anschein nach kannten die alteuropäischen, weiblich ausgerichteten Kulturen keinen Krieg – zumindest nicht im herkömmlichen Sinne.

Die Vorfahren der Kelten und Germanen

Doch dieser Frieden währte nicht ewig. Im 3. und 4. Jahrtausend wanderten nomadische, patriarchalische Kriegerbanden ein und überfielen die einheimischen, matrilinearen Gesellschaften. Es waren die von Osten, also Asien, Russland usw., kommenden Stämme der Kurganen und Arier, die wir heute als Indoeuropäer bezeichnen. Diese männlich organisierten Nomadenvölker brachten ihre eigenen Himmelsgötter wie Wotan, Odin und Thor mit und integrierten die weiblichen Naturgottheiten in ihre religiöse Auffassung. Über die Jahrtausende verschmolzen diese Völker miteinander und wurden so die direkten Vorfahren der Kelten und Germanen.

Völvas – Der Beruf der Seherin

Obwohl durch die Vermischung dieser einwandernden und kriegerischen Hirtenvölker die weiblich organisierten Strukturen aufgelöst und verändert wurden, hatte die Frau dennoch eine wichtige Stellung inne. Vor allem war sie dem Mann auf Augenhöhe gleichgestellt. Etwas, was für die streng männlich organisierten Römer unverständlich erschien.

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus bemerkte dazu: „…dass die alten Germanen in ihren Frauen so etwas wie heilige Wesen mit Sehergabe“ erblickten und fügte hinzu, „dass sie den Frauen eine derartige Verehrung erwiesen, ohne dass man ihnen…in niedriger Unterwürfigkeit geschmeichelt oder gar Göttinnen aus ihnen gemacht hätte.“ (Auszug aus dem Buch „Kelten“ von Helmut Birkhan)

Die Frau hatte innerhalb des Clans, also des Stammes, sehr wichtige Aufgaben inne und wurde hoch geschätzt. Eine bestimmte Gruppe von Frauen repräsentierten die sogenannten Völvas oder Seherinnen. Das Wort „Völva“ bedeutet „Stabträgerin“ und baut auf dem altnordischen Wort „völ“ („Stab“) auf. Ralph Metzner beschreibt in seinem Buch „Brunnen der Erinnerung“, dass die Völvas bei ihren Wahrsageritualen unter anderem einen mit Bronze umwickelten Stab mit Steinen am Ende hatten und einen Dolch mit einem Griff aus Elfenbein bei sich trugen. Die Spitze des Dolches war dabei abgebrochen. Eine abgebrochene Spitze bedeutet immer, dass diese Waffe für eine Zeremonie und nicht für den Kampf gedacht ist. Völvas waren hochbegabte Medien mit außersinnlichen Fähigkeiten. Sie machten ihre Prophezeiungen und Weissagungen im Rahmen eines Rituals, das altnordisch „Zauber“ genannt wurde.

„…Die Seherin sitzt diesen Beschreibungen zufolge auf einer hohen Plattform. Zu Beginn der Zeremonie werden von jungen Mädchen Lieder und Beschwörungen angestimmt, die scheinbar eine Art Trance oder veränderten Bewusstseinszustand bewirken. Die Völva fängt dann an, heftig zu atmen, schließt ihre Augen, seufzt und wiegt ihren Kopf, manchmal auch Hände und Stab….“ (Ralph Metzner, Brunnen der Erinnerung, S. 150)

Die „Völva“ – Die „Stabträgerin“

Diese Seherinnen wurden zu Rate gezogen, wenn es z.B. um Ernteerträge, den Erfolg einer Jagd oder eines Raubzuges ging, aber auch um das Schicksal von Einzelnen oder Liebespaaren vorherzusagen. Manchmal wurde sie auch angerufen, um einen Zauberbann zu brechen oder einen neuen zu erwirken. In diesem Sinne galten sie als mächtige Magierinnen, die man auch zu fürchten wußte. Die erhaltenen Berichte weisen darauf hin, dass die Völvas ursprünglich in Neuner- oder Dreizehnergruppen umherreisten, um ihre Weissagunsrituale durchzuführen. So darf man annehmen, dass es sich bei dieser „Seherschaft“ um einen Beruf handelte, der von Frauen organisiert und ausgeübt wurde.

Wie wurde nun aber aus diesen hochangesehenen Völvas Hexen?

Die Geburt der Hexe – „Hagazussa“

Die Wilde Hecke als schützende, undurchdringliche Wand

Dazu musst du verstehen, dass unsere Vorfahren einst im und mit dem Wald lebten. Der Wald war ihnen heilig. Wolf-Dieter Storl beschreibt im Buch „Hexenmedizin“, dass noch bis ins frühe Mittelalter hinein die Baumdecke in ganz Europa so dicht war, dass ein Eichhörnchen von Dänemark bis Südspanien von Baum zu Baum hätte springen können, ohne auch nur jemals den Boden berühren zu müssen! So waren die ersten neolithischen Siedlungen winzige Inseln im Grünen Blättermeer von Wald!

Als die Menschen dann sesshafter wurden, begann man Bäume zu fällen, um Ackerbau zu betreiben. Aufgrund dessen, dass die Flächen stetig freigehalten und die ständig wuchernden Sträucher am Waldrand immer wieder zurückgeschnitten wurden, entstand irgendwann die legendäre Hecke. Bestehend aus Weißdorn, Wildrose, Brombeere, Schlehdorn und anderem wilden Gewächs, repräsentierte sie eine dichte, undurchdringliche Wand, die vor allem Schutz bot. Denn der Wald galt inzwischen als unheimlich. Es war der Ort, wo die wilden und gefährlichen Tiere lebten, vor denen man sich in Acht nehmen musste. Gleichzeitig hielt die Hecke auch das Wild davon ab, über die Ernte herzufallen. Die Hecke war der „lebende Zaun“, der die nötige Sicherheit vermittelte. Noch heute symbolisieren die dornigen Heckengewächse, vor allem der Weißdorn und die Wildrose, den geschützten, ungestörten Schlaf. Im Märchen von „Dornröschen“ scheint diese Symbolik beispielsweise stark auf.

Die Hagazussa – Die Heckensitzerin

So teilte sich die Welt allmählich in befriedetes Kulturland einerseits und andererseits in die Wildnis da draußen hinter der Hecke. Innerhalb der Hecke grasten die zahmen Nutztiere, außerhalb davon wohnten die gefährlichen, wilden Tiere. Bei den Menschen wohnten die freundlichen Haus- und Hofgeistern und jenseits des Dornengestrüpps hausten dämonische Gestalten. Aber so wie heute auch, galt der Waldrand, die natürliche Hecke, als der Standort, wo besonders heilkräftige Kräuter und Zauberpflanzen wuchsen. Da die Frauen als „Sammlerinnen“ seit Alters her den Pflanzen näher standen als es die Männer als „Jäger“ taten, wuchsen die Mädchen mit der Kunst des Kräutersammelns auf und lernten ihre Heilkräfte entsprechend einzusetzen.

So hielten sich gewisse Frauen wohl oft stundenlang im Bereich der Hecke auf, was ihnen die Bezeichnung „Hagadise, Hagezusse“ einbrachte – „das Weib“ („Zussa“) oder „der Geist“ („Dise“) „im Hag“ („der Hecke“). So und ähnlich nannten sie die verschiedenen germanischen Völker. Die alten Skandinavier tauften sie auch „Tunritha“ – „die Zaunreiterin“. Der Begriff Hexe lässt sich also ganz vereinfacht auf „hae“ – „Gebüsch“ oder „hag“ – „Hecke“ – zurückführen und bedeutet schlicht „Busch- oder Waldweib“.

So waren die ursprünglichen Hexen unter anderem heilkräuterkundige Frauen, die viel Zeit mit dem Sammeln von Pflanzen verbrachten. Aber nicht nur deshalb bekam sie die Bezeichnung „Heckensitzerin“, sondern auch, weil sie in der Ausübung als Völva mit der Anderswelt verkehren konnte. Denn die Hecke symbolisierte auch die Wand zwischen Diesseits und Jenseits. Sie war wie ein Schleier zwischen den Dimensionen der Wirklichkeit. Und die Seherinnen vermochten in diese anderen Welten zu reisen, um von dort Botschaft und Heilung zu erwirken. Ähnlich wie die heutigen Schamanen fielen sie dazu in eine Art Trance. Das Wort „Trance“ kommt übrigens aus dem lateinischen „transire“ und bedeutet so viel wie „hinübergehen“. Sie „gingen“ also jenseits der Hecke und vermochten sich durch den „Schleier“ der Welten hindurch zu bewegen.

Völvas waren hochbegabte Medien und Magierinnen, die umherreisten, um ihre Weissagunsrituale durchzuführen.

Das Wiedererwachen der Naturgöttinnen

Alles in allem war die Hexe ursprünglich also alles andere als böse. Eher galt das ihr zugrundeliegendes Prinzip als heilig und lebensbringend. Das englische Wort für Hexe – „witch“ – weist sehr direkt darauf hin. Es leitet sich nämlich aus der Bezeichnung „wicca“ ab, was so viel wie „die den Göttern geweihte“ bedeutet. Denn die Hexe hatte in der Gesellschaft überlebenswichtige Rollen, die ihr großes Ansehen einbrachten.

Welche Aufgaben sie als Kräuterheilkundige, Hebammen, Liebesorakel, Seherinnen wie Magierinnen ausübten, erfährst du in einem meiner nächsten Artikel. Denn hier gibt es so viel Spannendes zu erzählen, dass es den Rahmen hier sprengen würde.

Aber eines sei gewiss. Die Kraft der Hexe in ihrem lebensbejahenden und heilbringenden Aspekt beginnt heutzutage wieder neu zu erwachen. Auch wenn über die Jahrtausende alles Mögliche dazu unternommen wurde, dieses heilige Wissen von der Bildfläche verschwinden zu lassen – es kehrt zurück.

Heilkräuterkurse, Hildegardmedizin und Naturtherapien sind im Vorschreiten und rücken immer mehr ins Bewusstsein des modernen Menschen. Immer mehr Frauen entdecken ihre weibliche Schöpferkraft jenseits des Mutterseins und finden zurück zu ihren eigentlichen Wurzeln, die der tiefen Weisheit von Mutter Erde entspringen. Dabei geht es in dieser wiedererwachenden Naturmedizin um weit mehr als um das praktische Wissen von Heilkräutern im Einsatz für körperliche Beschwerden aller Art. Es geht letztendlich darum wieder eine ganzheitliche Schau der Natur zu erlangen. Sie nicht nur in ihrem stofflichen sondern auch in ihrem unsichtbaren, feinstofflichen Anteil wahrzunehmen und anzuerkennen.

Es ist die verschüttete Fähigkeit mit den Tieren und Pflanzen zu reden und mit den Natur- und Elementarwesen Kommunion zu halten. Wenn wir uns für diese Kräfte wieder öffnen, das was einst die Völvas, Seherinnen und Magierinnen taten, dann verbinden wir uns wieder mit allen uns zur Verfügung stehenden Ressourcen – wesenhafte Energien und Kräfte, die uns ständig umgeben. Und wenn das geschieht erkennen wir vor allem eines: Das wir selbst Teil der Natur sind und nicht von ihr getrennt leben. Wir kommen zurück nach Hause.

Ich freue mich auf dein Kommentar!

herzliche Grüße,

Alfred Zenz Jun.

PS:
Mehr über die Völvas, Hexen und Magierinnen und ihren männlichen Kollegen den Druiden, erfährst du aktuell in meinem Vortrag „Druiden, Hexen & Zauberer“, den ich derzeit in Teilen Österreichs halte.

PPS:
Du möchtest das Vergessene Wissen der Druiden, Kräuterhexen und Pflanzenheilkundigen in dir wieder zum Leben erwecken?

…dann werden dich diese Veranstaltungen sicher interessieren:

„Zur Natur Erwachen“ – 4tages-Intensiv-Retreat zur Erweckung deiner (über)natürlichen Fähigkeiten; an einem wunderschönen Kraftort in Südkärnten

„Ausbildung zum Medium für Pflanzen- und Naturwesen“ – heuer erstmals im Programm! Sie findet in der Nähe von Graz statt und erstreckt sich über 3 Module.

 

 

 

Quellennachweis

  • Wolf-Dieter Storl, Christian Rätsch, Claudia Müller-Ebeling, Hexenmedizin, 10. Auflage 2015
  • Ralph Metzner, Brunnen der Erinnerung, 3. verbesserte Auflage 2016
  • Helmut Birkhan, Kelten: Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur

 

„Glaube mir, denn ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern. Bäume und Steine werden dich lehren,
 was du von keinem Lehrmeister hörst.“
 (Bernhard von Clairvaux)


Sie scheinen Figuren aus einer anderen Zeit zu sein und doch sind sie in unserer Gesellschaft hoch lebendig – zumindest in der Film- und Fernsehwelt. Sie erscheinen dort als z.B. „Gandalf der Graue“ bei Herr der Ringe oder als der Oberzauberer „Albus Dumbledore“ bei Harry Potter. Und sie begeistern als diese Charaktere ein Millionenpublikum. Zudem erfahren Filme und Serien über die Kelten und Germanen, vor allem in Form der kriegerischen Wikinger, gerade einen unglaublichen Boom. Manch einer mag das vielleicht als eine Modeerscheinung abtun. Ich aber glaube, es ist weit mehr als das.

Es ist fast so, als ob ein längst Vergessenes Wissen beginnt erneut zu erwachen und sich seinen Weg zurück an die Oberfläche des Alltags-Bewusstseins bahnt. Das Vergessene Wissen der Medizinmänner, Weisen Frauen, Seherinnen und Pflanzenheilkundigen, das uns vor allem daran erinnert, dass wir einst die Fähigkeit besaßen mit den Tier- und Pflanzengeistern zu reden und die Natur als unmittelbarste Kraftquelle für Rat und Heilung zu nutzen wußten.

Einer der wichtigsten Naturvermittler dieser (scheinbar) vergangenen Zeit waren die sogenannten Druiden. Sie umhüllt ein ein mystisch-magischer Schleier, der sie in unserer Vorstellung zu Magiern, Zauberern oder „Weisen Alten Männern“ macht. Aber wer waren sie wirklich, die sogenannten „Baum-Weisen“, die mit den Bäumen sprechen konnten und à la Miraculix heilkräftige Zaubergetränke brauten? Welche Macht hatten sie tatsächlich in der Gesellschaft, wie sah ihre Ausbildung aus und welche Bedeutung hatten die RUNEN – die magischen Schriftzeichen der Kelten und Germanen – in ihren Praktiken?

Was das Wort „Druide“ eigentlich bedeutet

Das Wort Druide selbst setzt sich zusammen aus dru-wid, also „dru“ – was entweder Eiche, Baum, Wald oder Tür bedeutet und dem indoeuropäischen „wid“, das sich von Wissen oder Sehen herleitet. So waren die Druiden die „Eichenwissenden“, „Baumwissenden“ , „Waldwissenden“ oder auch „Türwissenden“ – sie konnten die Tür in die jenseitige Welt öffnen und diese wie die heutigen Schamanen bereisen. Welcher Begriff jetzt genau zutreffend ist, darüber streiten sich bis heute die Sprachwissenschaftler. Für mich ist es stimmig die Druiden allgemein als „Die Baum-Weisen“ zu bezeichnen – die, welche um der Bäume innewohnenden Weisheit wussten.

Die Stellung der Druiden in der Gesellschaft

Dank der ausführlichen Beschreibungen von Julius Cäsar und dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus, wissen wir so einiges über ihre Aufgaben innerhalb der Gesellschaft derer sie angehörten.

Sie hatten die höchste Stellung inne, waren verantwortlich für Opfer,- und Kulthandlungen und legten dazu auch die „religiösen“ Vorschriften fest. Sie waren bewandert in Astronomie und Naturwissenschaft und kannten sich mit den Gestirnen aus. Ebenso entschieden sie über private wie öffentliche Streitigkeiten – von schweren Verbrechen bis hin zu Grenzstreitigkeiten – und sprachen darüber Recht und Urteil aus. Fügte sich jemand nicht ihrem Spruch, so konnten sie die schwerste aller Bestrafungen verhängen und diesen Menschen aus der Gesellschaft ausschließen bzw. verbannen.

Diese Urteils- und Rechtssprechungen erfolgten an bedeutsamen und heiligen Stätten – sehr oft waren das alte Bäume, die eine Art direkter Draht zu den Göttern darstellten.

Das Thing – Die Ratsversammlung

1000jährige Eiche von Birnbaum

Von den Römern ist überliefert, dass, wenn die Kelten Rat hielten, sich zu einem „Thing“ versammelten, einer Art Ratsversammlung wo wichtige Entscheidungen getroffen aber auch Gericht gehalten wurde. Meist fand dieses „Thing“ unter alten Bäumen im Dorf statt. Noch heute kennen wir die Dorfeiche oder Dorflinde, die bis in die Jetztzeit noch eine Rolle spielen. Angeblich fielen dabei Urteile, die unter Eichen gefällt wurden, etwas „härter“ aus im Gegensatz zu Linden, wo das Urteil tendenziell – richtig geraten 🙂 – etwas „linder“ war.

Im Süden von Österreich gibt es z.B. die „1000jährige Eiche von Bierbaum“ bei Blumau. Auf einer am Stamm befestigten Gedenktafel kann man nachlesen, dass hier viele Dorffeste aber auch viele Gerichte stattfanden. Noch zu spätmittelalterlicher Zeit, so wird berichtet, wurden zum Tode Verurteilte an ihren Ästen aufgehängt.

Die 21jährige Ausbildung zum Druiden

So genoss das Amt des Druiden höchstes Ansehen. Dazu kam, dass sie für gewöhnlich nicht am Krieg teilnahmen, keine Steuern zahlten und auch von allen anderen Lasten befreit waren. Das war natürlich alles sehr verlockend. So wird berichtet, dass eine hohe Anzahl von jungen Männern Schlange standen, nur um in ihren Ausbildungskreis aufgenommen zu werden.

Die Ausbildung selbst dauerte ganze 21 Jahre! Alleine 7 Jahre davon verbrachten die Schüler im Wald, um von der größten aller Lehrmeisterinnen – Mutter Natur – zu lernen. Durch diesen intensiven und unmittelbaren Naturkontakt wurden sie nicht nur zu ausgezeichneten Beobachtern, die um die Naturgesetze wußten, sondern sie pflegten auch den innigen Austausch zu den feinstofflichen Geistwelten der Tiere, Pflanzen, Steine, Flüsse und Wälder. Sie wußten mit diesen Kräften zusammenzuarbeiten, um es z.B. regnen zu lassen, die Fruchtbarkeit der Felder zu erhöhen oder kranke Menschen zu heilen. Sie waren die Vorfahren der heutigen Schamanen und Medizinmänner, die Türen zu Welten und Dimensionen öffnen können, was dem normal Sterblichen verwehrt bleibt.

Und eines ist gewiss: Es war angewandte Praxis, nicht theoretisches Wissen sondern gelebte Weisheit, die der unmittelbaren Schau aller Dinge entsprang. Vielleicht war es ihnen deshalb nicht so wichtig irgendetwas aufzuschreiben…

Das Fehlen von schriftlichen Aufzeichnungen

Eines der Dinge, die Julius Cäsar am meisten irritierte, war, dass sie all diese magischen Fähigkeiten, all die Rituale, Zaubersprüche und Heilpraktiken, nicht schriftlich festhielten. All das heilige Wissen wurde ausschließlich mündlich weitergegeben.

Julius Caesar vermutet aus folgenden Gründen:

„Dort lernen sie, wie es heißt, eine große Menge von Versen auswendig. Es ist nämlich streng verboten, ihre Lehre aufzuschreiben.… Dies scheint mir aus zwei Gründen so zu halten:
Sie wollen ihre Lehre nicht in der Masse verbreitet sehen und zudem verhindern, dass die Zöglinge im Vertrauen auf die Schrift ihr Gedächtnis zu wenig üben…“ (nach der Beschreibung von Julius Cäsar aus dem Buch „Kelten“ von Helmut Birkan)

Was waren dann also diese magischen, sagenumwobenen RUNEN, wenn nicht ihre Schrift?

Das Geheimnis der RUNEN

Runen für magisch-rituelle Zwecke

Das Wort Rune stammt von „run“ oder „runa“ und bedeutet in allen germanischen und keltischen Sprachen „Geheimnis“ oder „Rätsel“. Für die Druiden waren die Runen der Schlüssel, der Zugang zum „Raunen“, das sie aus dem Wind, dem Rascheln der Blätter oder dem Knarren eines Baumes, als die Stimmen der Götter und Geistwesen vernahmen, die ihnen die Geheimnisse des Lebens offenbarten.

So dienten die Runen in erster Linie für magisch-religiöse Zwecke, für heilige Rituale, Weissagungen und Beschwörungen und waren definitiv so etwas wie Kraftsymbole, die große Macht und Zauber inne hatten. Sowohl Julius Cäsar als auch der römische Geschichtsschreiber Tacitus waren hoch beeindruckt von dem Vertrauen, dass die Kelten und Germanen in ihre Wahrsagekunst mittels Runen legten. So wurden z.B. große Schlachten nicht geführt, weil die Druiden oder Seherinnen („Völvas“die Weisen und hellsichtigen Frauen der Kelten) nach der Befragung mit den Runen davon abrieten. Das war für den logischen, römischen Hausverstand einfach nicht nachvollziehbar….

Woher das Wort „Buchstabe“ kommt

Die Runen wurden unter anderem mit den Ästchen von Bäumen gelegt – z.B. mit denen der Rotbuche, deren Holz aufgrund seiner Härte und Schwere gut dafür geeignet war. Der Name „Buch-Stabe“ dürfte davon abgeleitet sein.

Heilige Haine – Die Grünen Kathedralen der Druiden

Rotbuchenwald bei Graz

So heilig den Druiden die Bäume waren, so heilig waren ihnen natürlich die Wälder. Man muss kein Geschichtsforscher oder Ethnobotaniker sein, um nachzuempfinden, was für eine Schönheit, Kraft und Heiligkeit ein naturbelassener, sonnendurchfluteter Wald ausstrahlt. Dabei waren die Heiligen Haine sicherlich Kraftplätze, durchzogen von geomantisch auffälligen Energielinien, eingebettet in atemberaubend schönen Landschaften, bereichert mit Heilquellen und belebt von unzähligen Natur- und Elementarwesen.

Heilige Haine waren Heiligtümer, wo Rituale, Versammlungen, Opferhandlungen, Feste und Weissagungen stattfanden. Sie waren „lebendige Kathedralen“, deren Säulen die Stämme uralter Baumriesen waren und deren Dächer aus den mächtigen Kronen des Waldes gebildete wurden – Die „Grünen Kathedralen“ unserer keltisch-germanischen Vorfahren. Nicht per Menschenhand gebaut sondern direkt der tiefen Weisheit der Erde entspringend. Nichts, was ein Mensch jemals bauen könnte!

Der Untergang des Druidentums

Und es waren vor allem die Heiligen Haine, die im Zuge der Christianisierung das Ziel der gezielten Zerstörung heidnischer „Religion“ waren. Denn die Eroberer der damaligen Zeit wußten: Will man einer Kultur, einem Volk seine Kraft nehmen, so zerstöre man ihre Heiligtümer und töte ihre spirituellen Oberhäupter.

Es war der Bischof von Tours, der im Gallien des 4. Jahrhunderts den Brauch begann, aus religiösem Fanatismus heraus heilige Haine zu zerstören. Und ein Bischof wie Papst tat es ihm über die Jahrhunderte nach gleich.

Einer der Höhepunkte beschreibt im 8 Jahrhundert das Fällen eines „heidnischen Hauptheiligtums“ durch Karl des Großen. Es war die vollständige Vernichtung der „Irminsul bei Eresburg“. Eine Art „gigantische Säule“ – wahrscheinlich eine unvorstellbar riesige, uralte Esche – die wohl als internationales Zentrum des Geistlebens diente und für die Kelten so etwas wie den Weltenbaum, den Ursprung aller Schöpfung, symbolisierte. Diesem Massaker fielen in etwa 30.000 Sachsen zum Opfer. Das Ausmaß und die Bedeutung dieser Zerstörung ist vergleichbar, wie wenn man den St. Peters Dom im Vatikan dem Erdboden gleichmachen würde und alle Päpste und Bischöfe mitsamt der dort ansässigen Bevölkerung ermordet.

Die Zerstörung dieses bedeutendsten Heiligen Hains versetzte dem heidnischen Druidentum letztendlich den Todesstoß. Damit schnitt man uns von unseren Wurzeln ab und wir verloren den Kontakt zur Erde und somit zur Natur als beseeltes Wesen.

„Mehr als entwurzelte Bäume hinterließen sie entwurzelte Menschen zurück.“ (Fred Hageneder, Geist der Bäume)

Stonehenge – ehemals heilige Kultstätte der Druiden, in der Nähe von Amesbury in Wiltshire, England,

Das Wiedererwachen der Druiden im Heute

Es grenzt an ein Wunder, dass trotz jahrhunderter, wenn nich jahrtausenderlanger Verfolgung, Ermordung, Zwangsmissionierung und Entseelung der Natur im Zuge der Aufklärung und Industrialisierung dieses Vergessene Wissen noch immer da ist und stärker denn je in das Bewusstsein unserer modernen Gesellschaft rückt.

So mag vieles verloren gegangen sein, dennoch sind wir, wie über unsichtbare Energiebahnen, mit unseren keltisch-germanischen Vorfahren verbunden. Die Sehnsucht sich wieder bewusst mit der Natur zu verbinden, gewinnt an Kraft. Ich beobachte das mit Freude bei meinen Wildkräuterwanderungen, Pflanzengeisterworkshops, Naturseminaren und Wahrnehmungstrainings, wo Menschen über den Kontakt zur Natur zu ihrem innewohnenden Potenzial erblühen.

Und wenn dich dieser Artikel in irgendeiner Weise berührt hat, kann es sein, dass genau in dir diese Alte Weisheit der Druiden und Seherinnen wieder zum Leben erwacht und durch dich wieder in diese Welt gebracht werden möchte…

…um letztendlich ein neues Bewusstsein auf diesem Planeten zu schaffen – ein Naturbewusstsein, das uns wieder als Teil der Natur erfahren lässt – dass wir mit der Erde verbunden sind wie eine liebende Mutter mit ihrem Kind verbunden ist.

Ein Erwachen, das weit mehr ist als das Wieder-Aufleben von ur-heidnischen Bräuchen, sondern vor allem eine Not-Wendigkeit, wenn wir weiterhin gut auf diesem Planeten (über)leben wollen.

Ich freue mich auf dein Kommentar!

herzliche Grüße,

Alfred Zenz Jun.

PS:
Mehr über die Druiden und ihren Kolleginnen den „Weisen Frauen“ erfährst du aktuell in meinem Vortrag „Druiden, Hexen & Zauberer“, den ich derzeit in Teilen Österreichs halte.

PPS:
Du möchtest das Vergessene Wissen der Druiden, Kräuterhexen und Pflanzenheilkundigen in dir wieder zum Leben erwecken?

…dann werden dich diese Veranstaltungen sicher interessieren:

„Zur Natur Erwachen“ – 4tages-Intensiv-Retreat zur Erweckung deiner (über)natürlichen Fähigkeiten; an einem wunderschönen Kraftort in Südkärnten

„Ausbildung zum Medium für Pflanzen- und Naturwesen“ – heuer erstmals im Programm! Sie findet in der Nähe von Graz statt und erstreckt sich über 3 Module.

 

 

 

Quellennachweis

  • Wolf-Dieter Storl, Die Pflanzen der Kelten, 4. Auflage 2005
  • Ralph Metzner, Brunnen der Erinnerung, 3. verbesserte Auflage 2016
  • Helmut Birkhan, Kelten: Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur
  • Fred Hageneder, Der Geist der Bäume, 5. Auflage 2014

 

Wenn du mit offenem Herzen durch die Natur gehst, mag sich dir eine fantastische und magische Welt erschließen, die dich berührt und verzaubert. Manche Erscheinungen in der Natur sind so unglaublich konkret und ausdrucksstark, dass es manchmal schwer ist, dafür eine „vernünftige“ Erklärung zu finden. Es ist dann fast so, als ob sich die Naturgeister durch einen alten Baum, einem Stein, einem Wasserfall oder sogar durch die Flamme eines Lagerfeuers nur für dich zu erkennen geben 🙂